Klimaschutz
Umwelttage: Wo die Sonne die Discokugel dreht

Solarboot, Insekten auf dem Teller, Velotaxi und Disco dank Sonnenenergie: Bis am Sonntag gibt es an den Basler Umwelttagen Ideen für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Alltag.

Annika Bangerter
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Bis am Sonntag gibt es an den Basler Umwelttagen Ideen für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Alltag.

Bis am Sonntag gibt es an den Basler Umwelttagen Ideen für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Alltag.

Daniel Nussbaumer

Umweltschutz auf dem Teller

Überschüssige Lebensmittel landen tonnenweise im Abfall. Das will das Kochkollektiv Essenziell und foodwaste.ch ändern. Mit Ausschussware kochen sie, was Region und Saison zu bieten haben. Ein Festessen soll es nach eigenen Angaben werden. Dieses kann kostenlos in der Markthalle probiert werden. Wer die Rezepte nachkochen will, findet die Zutaten an verschiedenen Märkten. Dort gibt es regionales Gemüse, Obst oder gar Insekten. So stellt Essento, ein Start-up-Unternehmen aus der Ostschweiz, auf dem «Märt am Tellplatz» Nahrungsmittel basierend auf Insekten vor. Wer danach Lust auf etwas Konventionelleres hat, dem sei ein Abstecher zum Schützenmattpark empfohlen. Dort verteilt die Schweizertafel Region Basel Glacé.

Höhenflüge und Wellengänge

Bevor die Insekten am Samstag auf dem Teller landen, können ihre Artgenossen am Freitagabend in luftiger Höhe besucht werden. Pro Natura Basel zeigt an einer Exkursion, wie Tiere und Pflanzen von den Dachbegrünungen profitieren. Gleichzeitig informiert der kantonale Fischerei-Verband an einem Vortrag im Hotel Merian über einen anderen natürlichen Lebensraum: jener des Rheins. Tags darauf wird dieser zusätzlich belebt. Um 14 Uhr setzt der Fischerei-Verband Junglachse aus. Wer bereits am Wasser ist: Auch ein Solarboot schippert über den Rhein und informiert gleichzeitig über die 2000-Watt-Gesellschaft.

Fast alles ist reparierbar

Mit dem Velo lassen sich die Schauplätze der Umwelttage am einfachsten erkunden. Doch was, wenn der Drahtesel nicht will? Fachleute von Pro Velo zeigen im Schützenmattpark, wie beispielsweise ein Loch im Schlauch selbst geflickt wird. Danach kann man auf einem Hindernisparcours das Velo – und seine Geschicklichkeit – testen. Wer andere defekte Gegenstände zu Hause hortet, kann diese in die Reparierbar im Quartiertreffpunkt Burg bringen. Dort helfen Menschen mit flinken Händen bei der Reparatur von Spielzeugen, Kleidern oder Elektrogeräten. Was sich aus scheinbar unbrauchbaren Gegenständen herstellen lässt, zeigt unter anderem die Messerschmiede Khedira am Tellplatz: Aus alten Autofedern fertigen sie live Messer an.

CO2-neutrale Stadtführungen

Die Kleider sind «Made in Bangladesh», das Smartphone «Made in China»: Die konsumGLOBAL-Stadtführung erklärt, was unser Kaufverhalten für die Umwelt bedeutet. Zudem verrät das Ökozentrum an seiner Stadtführung, wie sich durch bewussten Konsum Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gefördert werden können. Ein anderes Thema, um die Stadt aus einer neuen Perspektive kennenzulernen, wählt «myclimate Audio Adventure Basel». Deren Rundgang führt zu lokalen Beispielen, wo ein klimafreundlicher Alltag mit urbanen Gärten, Velonetzen oder energiesparender Infrastruktur gelebt wird. Ganz genau hinhören, heisst es am Klangspaziergang «Stadthören». Dieser findet als einzige Aktivität am Sonntag statt und ist vom Klangkünstler Andres Bosshard konzipiert.

Klimaschutz zwischen den Zeilen

Das Atomkraftwerk Beznau I kommt nach Basel – in Form eines Strassentheaters, das die Gruppe «Nie wieder AKW Region Basel» aufführt. Sie zeigen wortwörtlich, wie der «Zahn der Zeit» am Reaktor nagt. Auch unter freiem Himmel werden die «Mut- und Machgeschichten» vorgelesen. Diese erzählen von Menschen, die sich durch neue Konsum-, Wohn- oder Arbeitsformen für einen umweltbewussten Lebensstil engagieren.

Wo die Sonne die Discokugel dreht

Die Sonne ist ein wichtiger Partner der Umwelttage Basel. Verschiedene Organisationen informieren, wie sich die solare Energie im Alltag nutzen lässt. So zeigt der Verein Nomatark mit ihrer Solarwerkstatt im Kannenfeldpark, wie sich ein Fahrzeug bauen lässt, das nur mit Sonnenenergie betrieben wird. Die Sonne liefert auch den Strom für die gleichzeitig statt findende Solardisco im Kannenfeldpark. Wer nach dem eigenen Basteln noch mehr über erneuerbare Energien wissen will, erfährt dies auf dem Rundgang durch das Wettstein-Quartier. Dabei wird das Solarkraftwerk des Projekts «Wettstein 21» besichtigt und aufgezeigt, wie das Quartier seine Energie komplett aus eigenen Ressourcen produzieren könnte.

Was haben Insekten auf dem Speiseplan oder umfunktionierte Autofedern mit Klimaschutz zu tun? Die Antworten finden sich an den Basler Umwelttagen. Dort stellen Einzelpersonen, Umweltorganisationen oder kleinere Firmen ihre – teils unkonventionellen – Ideen für eine nachhaltige Lebensweise vor.

«Der Pioniergeist im Bereich Ökologie lebt in der Bevölkerung und bei Kleinbetrieben. Diesen wollen wir aufnehmen und möglichst viele weitere Personen dafür begeistern», sagt Matthias Nabholz vom Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt.

Das Programm der vierten Basler Umwelttage ist umfassend: Die Besucher können aus einem Angebot von rund 80 Aktivitäten wählen. «Es ist ein Grossanlass und eine Bestätigung für Basel, dass viele Menschen hier einen aktiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten», sagt der zuständige Regierungsrat Christoph Brutschin (SP).

Das eigene Engagement beginnt in der Küche oder im Hinterhof – und soll Spass machen. «Wir wollen nicht moralinsauer durch die Gegend gehen, sondern uns von guten Ideen inspirieren lassen», sagt Brutschin.

Fanden die früheren Umwelttage zentral auf dem Barfüsserplatz statt, verteilen sich die Programmpunkte erstmals in der ganzen Stadt. «Wir bringen die Aktivitäten in die Quartiere. Es ist leichter, die Menschen in ihrem Umfeld abzuholen», sagt Gabriela Frank, Leiterin der Quartierkoordination Gundeldingen.

Vorbilder gesucht

Wer sein Fahrrad noch nicht aus dem Keller geholt hat, den fährt am Samstag ein Elektrobus der BVB kostenlos an die verschiedenen Schauplätze. Das Motto der diesjährigen Basler Umwelttage lautet «Vorbilder für die Welt von morgen».

Sie sind gleichzeitig der Beginn einer Sammelaktion. Gesucht sind Beispiele, die sich für eine zukunftsfähige Welt einsetzen. Auf der Homepage der Umwelttage werden diese Vorbilder vorgestellt, um Nachahmer zu animieren oder weitere Ideen zu lancieren.

«Unser Ziel ist, die Eigeninitiative von Mitbürgern zu fördern. Denn wir müssen alle an demselben Strick – und vor allem in dieselbe Richtung – ziehen», sagt Matthias Nabholz. Die Basler Umwelttage begannen am Donnerstag mit einer Podiumsdiskussion und dauern noch bis Sonntag.

Der grösste Teil der Workshops, Führungen oder Märkte findet am Samstag statt. Alle Angebote sind öffentlich. Organisiert werden sie vom Amt für Umwelt und Energie, der Quartierkoordination Gundeldingen sowie den Stadtteilsekretariate Kleinbasel und Basel West.

Das gesamte Programm finden Sie unter umwelttage-basel.ch.

Muskelkraft statt Benzin: Auch das Vaxi, das Velotaxi in Basel, kurvt an den vierten Basler Umwelttagen durch die Stadt.

Muskelkraft statt Benzin: Auch das Vaxi, das Velotaxi in Basel, kurvt an den vierten Basler Umwelttagen durch die Stadt.

Daniel Nussbaumer

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