«Kitchen Impossible ist das geilste Kochformat der Welt, bei dem zwei Kollegen versuchen, sich gegenseitig kulinarisch auf die Fresse zu hauen.» Tim Mälzer war noch nie ein Freund von Bescheidenheit.

In der Vox-Sendung vom Sonntag war Stucki-Geschäftsführerin Tanja Grandits seine Konkurrentin. Oder sein Opfer, wie er in gewohnt grossspuriger Manier zu Beginn der Folge verkündet. Die Köche müssen jeweils die Zutaten eines ihnen unbekannten Gerichtes nur durch ihre Sinne erkennen und dieses dann für eine Jury im Originalrestaurant nachkochen.

Schwierig: Die Jury besteht aus Stammkunden, das Menü ist ihr Leibgericht.

Kennen gelernt hatten sich die beiden Gastronomen bei einer anderen Kochshow. Harmonisch sei ihr erstes Zusammentreffen aber ganz und gar nicht gewesen, sagt Mälzer. «Ich denke, die hat ’ne Rechnung offen. Ich rechne schon damit, dass es ein Kampf bis auf’s Blut wird.» Womit er nicht ganz Unrecht behält. Aber dazu später mehr.

Dass sich Mälzer damals über Grandits’ genau durchdachten Gerichte, die jeweils in nur einer Farbe daherkommen, lustig gemacht hatte, stiess der Köchin sauer auf. Als er sich aber vor laufender Kamera mit einem Strauss Wildblumen bei ihr entschuldigt, begrüsst sie ihn mit einer herzlichen Umarmung.

Dennoch: Mälzers Sticheleien haben Spuren hinterlassen. «Meine Motivation ist schon auch, Tim fertigzumachen», sagt Grandits, die gemäss eigenen Aussagen eigentlich kein Wettbewerbstyp ist.

Grandits auf ungewohntem Terrain

Mälzer schickt die Zwei-Sterne-Köchin ins deutsche Flensburg und nach Torre de Moncorvo (Portugal). «Ich möchte sie emotional und menschlich sehen», so Mälzer. «Normalerweise habe ich alles unter Kontrolle», sagt Grandits. «Ich bestimme gerne. Deshalb bin ich auch schon ganz lange mein eigener Chef.»

Daraus wird aber nichts. Denn: Bis auf zwei «kleine Abstecher an die Algarve» war sie noch nie in Portugal. Mit der filigran-monochromatischen Präsentation ihrer eigenen Gerichte hat der traditionelle Schmortopf mit Ente, Wurst und Käse, der ihr dort vorgesetzt wird, rein gar nichts zu tun.

Mälzer will testen, ob Grandits auch bodenständig kann – jenseits von Sterneküche, auf ungewohntem Terrain. «Ich kann tatsächlich auch ganz normal kochen. Ich bin ja auch Hausfrau», sagt die Mutter einer Teenager-Tochter, und macht sich ans Werk.

Und wie. «Sag mal, leck mich am Arsch!», kommentiert Mälzer beeindruckt, als sie auch subtilste Geschmacksnoten des portugiesischen Gerichts korrekt identifiziert. Die Enten selber auszunehmen kostet Grandits Überwindung. Vom penetranten Geruch wird ihr übel. «Jeder, der mich kennt, weiss, dass ich nichts machen kann, was mit Blut verbunden ist. Davor habe ich mich auch immer erfolgreich gedrückt. Für alle Sachen, die ich nicht machen möchte, habe ich ein tolles Team.»

Auch in Flensburg muss die Basler Sterneköchin ihre Komfortzone verlassen. Der aus dem Norden Deutschlands stammende Mälzer lässt sie dreierlei Fischbrötchen nachbauen. «Bei uns in der Schweiz besteht diese Tradition nicht. Ich glaube, ich habe noch nie ein Fischbrötchen gegessen», sagt Grandits. Und geht davon aus, dass sie den benötigten Fisch auf dem Markt erhält.

Tatsächlich bringt man sie um vier Uhr morgens jedoch auf den Fischkutter. Fangen und räuchern muss sie die Tiere nämlich selbst. Die Sterneköchin ist von ihrem Abenteuer überwältigt, beschreibt es als brutal und brachial. «Mir ist schlecht. Das Blut ist mir auf die Brillengläser gespritzt.»

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Trotz Überforderung sei es für sie eine tolle Erfahrung gewesen, so Grandits. «Das einfache Grundwissen ist immer das Schwerste», findet sie. «Ganz vieles kann ich nicht, weil ich es gar nicht können muss. Das macht jemand anders für mich.»

Fürs Räuchern habe sie zum ersten Mal Feuer gemacht. «Von Räucheröfen habe ich keine Ahnung. Ich bin in diesem Bereich ein absolutes Greenhorn.» Das Endprodukt kann sich jedoch schmecken lassen.

Lange liefern sich Grandits und Mälzer ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende gewinnt er mit einem Vorsprung von 1,1 Punkten. Im direkten Austausch mit dem Fernsehkoch gibt sich die Sternegastronomin still und zurückhaltend. Der Kontrast zum extrovertierten Grossmaul Mälzer könnte grösser nicht sein. Gezeigt hat sie es ihm trotzdem: «Er weiss jetzt, dass ich nicht einfach ein kleines, feines Geschöpf bin, das bunte Elfengerichte macht.»