Österreichische Bundesbahnen
Trotz Petition gibts nur neun Veloplätze in Nachtzügen nach Deutschland

Die Österreichischen Bundesbahnen halten das Veloangebot von der Schweiz nach Hamburg und Berlin für ausreichend. Anders sieht dies die Umweltorganisation «Umgverkehr».

Peter Schenk
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Aktion im Zürcher Hauptbahnhof für mehr Velotransportplätze im Nachtzug von Basel und Zürich nach Hamburg und nach Berlin. zvg

Aktion im Zürcher Hauptbahnhof für mehr Velotransportplätze im Nachtzug von Basel und Zürich nach Hamburg und nach Berlin. zvg

zvg Umverkehr

Immerhin 871 Unterschriften hatte die Umweltorganisation «Umverkehr» Anfang dieser Woche bereits für ihre Petition gesammelt. Diese fordert während der Sommerzeit grössere Transportkapazitäten für Velos im Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) von Zürich und Basel nach Hamburg und Berlin. Derzeit sind es nur neun Plätze. Ausserdem setzt sie sich für ein kundenfreundliches Buchungssystem für den Velotransport ein.

Lanciert hat «Umverkehr» die Online-Petition Mitte Juni mit einer Aktion im Zürcher Hauptbahnhof. 25 Aktivisten haben sich daran beteiligt und die Mitarbeiter der ÖBB, die erst dachten, sie wollten wirklich mit ihren Velos im Nachtzug mitfahren, ins Schwitzen gebracht.

«Wir möchten die ÖBB nicht angreifen, sondern ihr mehr Kunden bringen», erklärt Kampagnenleiter Daniel Costantino gegenüber der bz. «Wir sammeln 1000 Unterschriften und dann bringe ich sie der ÖBB nach Wien», fährt er fort.

«Umverkehr» ist überzeugt, dass sich der Nachtzug für Veloferien perfekt eignet. Die «Nightjets», wie sie heissen, könnten mir mehr Velotransportplätzen besser ausgelastet werden. «Die Verbesserung des Angebots spricht eine affine Kundengruppe an und die Stärken des Nachtzugs können in der Marktnische der Veloreisenden voll ausgeschöpft werden. Gewinner sind die Reisenden, die ÖBB und das Klima», heisst es in einer Medienmitteilung der Organisation.

Veloplätze nicht überbucht

Bei den ÖBB gibt man sich zurückhaltend. «Wir bieten zur Zeit auf der Strecke neun Fahrrad-Abstellplätze, die gut, aber normalerweise nicht überbucht sind», schreibt Mediensprecher Bernhard Rieder. Auch die Anregung von Costantino, die Abstellplätze statt am Anfang des Zuges in der Mitte zentral zu positionieren, stösst auf wenig Begeisterung. «Aus operativen Gründen (Zusammenstellung der Züge) kann die Position des Fahrrad Waggons leider nicht geändert werden», teilt Rieder mit.

Die ÖBB hat die Nachtzuglinie nach Berlin und Hamburg im Dezember von der Deutschen Bahn (DB) übernommen, die sich ganz aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Während die DB das mit dem schlechten Geschäftsverlauf begründete, tönt das aus Wien ganz anders. «Die ÖBB sind mit der Auslastung der Nightjet Züge von Zürich/Basel nach Berlin/Hamburg sehr zufrieden. Gerade im Segment Schlafwagen ist die Auslastung über den Erwartungen und an manchen Verkehrstagen seit langem ausverkauft.»

Fast zwölf Stunden bis Hamburg

Und dies, obwohl die Verbindung nach Hamburg, die über Berlin geht, fast zwölf Stunden dauert. In der Gegenrichtung geht es mit gut zehn Stunden zwar etwas schneller, aber wer um 21 Uhr in Hamburg startet, muss auch hier den Umweg über Berlin in Kauf nehmen. Das allerdings soll sich ändern. «Wir planen den Lauf der Linien Zürich – Hamburg und Zürich – Berlin zukünftig im Norden zu trennen, um Fahrzeitoptimierungen zu erreichen», schreibt der ÖBB-Mediensprecher.

Auf Deutsch heisst das: In Zukunft kann man von Basel wieder ohne Umweg mit dem Nachtzug nach Hamburg fahren. Der Idee, früher bestehende Verbindungen wie nach Amsterdam, Prag und Dresden oder auch Kopenhagen wieder aufzunehmen, erteilen die ÖBB allerdings eine Absage. «Neue Strecken werden wir in nächster Zeit aus operativen Gründen nicht aufnehmen.» «Umverkehr» kritisiert in diesem Zusammenhang, dass der Flugbetrieb von Mehrwert- und Kerosinsteuern befreit wird, während die Bahnen mit entsprechenden Steuern belastet werden. Deshalb fordert die Organisation von der Politik «gleiche Bedingungen für grenzüberschreitende Zug- und Flugverbindungen, damit Nachtzüge bald auch wieder nach Barcelona, Kopenhagen, Prag und Amsterdam fahren.»

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