Vorzeigemesse
Trotz Charme-Offensive: Baselworld steckt in der Krise – der Unmut in der Branche wächst

Die Basler Uhren- und Schmuckmesse steckt in der Krise: Wenn morgen Donnerstag die Eröffnung stattfindet, sehen sich die Messe und damit die Grossregion Basel einer neuen Ausgangslage gegenüber.

Andreas Schwald
Drucken
Die Baselworld 2018 ist kleiner als ihre Vorgängerinnen – und wird von zunehmend kritischeren Stimmen aus der Uhren-Branche begleitet.

Die Baselworld 2018 ist kleiner als ihre Vorgängerinnen – und wird von zunehmend kritischeren Stimmen aus der Uhren-Branche begleitet.

Keystone

Da hilft jetzt auch der schönste Werbespruch verbliebener Branchengrössen wie Bulgari oder Swarovski nichts. Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld steckt in der Krise: Namhafte Aussteller sprangen ab. Die Messe musste verkleinern, die Standmieten nach unten korrigieren, die Dauer reduzieren. Und jetzt drückt das Ganze aufs Jahresergebnis der gesamten Gruppe. Denn bereits 2017 sind die Flächenergebnisse der Baselworld zurückgegangen, wie die MCH Group gestern Dienstag bekanntgab – nur zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Baselworld.

So schreibt die MCH Group zum ersten Mal rote Zahlen: 110 Millionen Franken Verlust muss die Messe 2017 hinnehmen. Die Sonderabschreibungen für eine Wertberichtigung der Basler Messegebäude machten 102,3 Millionen aus. Hinzu kamen Sonderrückstellungen für Reorganisationen im Wert von 17,7 Millionen Franken. Immerhin stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 493,3 Millionen Franken. Ohne die Sondereffekte wäre ein Gewinn von 10 Millionen Franken angefallen.

«Ein nach wie vor gesundes und leistungsstarkes Unternehmen.»  Ulrich Vischer, Verwaltungsratspräsident der MCH Group AG

«Ein nach wie vor gesundes und leistungsstarkes Unternehmen.»  Ulrich Vischer, Verwaltungsratspräsident der MCH Group AG

zvg

Alte Vorwürfe, neue Dringlichkeit

So aber wurde die Luxusmesse zur Hypothek im Geschäftsjahr des Unternehmens. Wenn am Donnerstag die Eröffnung stattfindet, sehen sich die Messe und damit die Grossregion Basel einer neuen Ausgangslage gegenüber. Trotz einer prominent besetzten Charme-Offensive der Messe stehen die Zeichen auf Sturm. Die Verantwortlichen halten sich mit Aussagen zur Baselworld bis zum «Press Day» von heute Mittwoch zurück.

Klar aber ist, dass der Unmut in der Branche wächst. Von nach wie vor zu hohen Standmieten ist die Rede, wie mehrere Branchen-Insider gegenüber der bz bestätigen, von einem unglücklichen Messe-Zeitpunkt– man solle sich doch bitte mit Genf absprechen – und von altbackenen Dienstleistungen. Die Messe habe sich zu lange auf ihrem Ruf ausgeruht, zu wenig Innovation gezeigt. Die Vorwürfe sind nicht neu. Aber sie erhalten angesichts der rückläufigen Zahlen neue Dringlichkeit.

Druck aus den Absatzkanälen

Diese Vorwürfe will die Messe zwar entkräften, unter anderem eben auch mit grossen Markenvertretern, die Dinge sagen wie: «We feel very well represented as a family business at Baselworld» – «Wir fühlen uns als Familienunternehmen an der Baselworld sehr gut vertreten». So lässt sich etwa Karl-Friedrich Scheufele von der Luxusmarke Chopard zitieren.

Und der CEO von Hublot, Ricardo Guadalupe, sagte im Messe-Countdown zur Baselworld schlicht: «Die allerwichtigste Zusammenkunft der Uhrenindustrie.» Doch angesichts der Absagen und auch der deutlich zurückgegangenen Reservationen in der regionalen Hotellerie ist klar: Die Basler Vorzeigemesse ist derzeit alles andere als in einer Wachstumsphase. Dabei ist sie das Hauptstandbein der MCH Group, gemessen am Umsatz immer noch deutlich vor der Art Basel. Erst vergangenes Jahr hatte die Messe ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert, zum Abschluss die gewohnte Erfolgsmeldung publiziert. Dann setzten die Abgänge ein, die zur kleineren Baselworld 2018 führten.

Die MCH Group gehe davon aus, dass das Geschäftsjahr 2018 nochmals schwierig werde, heisst es in der Mitteilung, die den Geschäftsbericht 2017 begleitete. Deshalb werde an der Generalversammlung im Mai auch der Verzicht auf eine Dividendenausschüttung beantragt. Dennoch: Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer schreibt von einem «nach wie vor gesunden und leistungsstarken» Unternehmen, das zudem stark diversifiziert habe. Zukäufe und Wachstumsmassnahmen könnten die Einbrüche im Geschäftsverlauf noch nicht kompensieren.

Wandeln wird sich also die MCH Group – und mit ihr die Baselworld, wie sie Basel bislang als Wirtschaftstreiber kannte. Denn mehr noch als das Aufkommen der Smart Watches wie die Uhren von Apple und Samsung spürt die Branche vor allem eines: die Verlagerung der Absatzkanäle ins Internet. Und jene Händler sind, zum Leidwesen der konventionellen Absatzkanäle, oft nicht mehr auf gross angelegte und prestigereiche Messen wie die Baselworld angewiesen.

Aktuelle Nachrichten