Tram und Bus
Wegen Corona: Kanton Basel-Stadt tritt bei Taktverdichtung am Abend auf die Bremse

ÖV-Ausbaustopp zum Zweiten: Neben der Verlängerung der Buslinie 64 sistiert Basel-Stadt auch die angekündigte Einführung des 7,5-Minuten-Takts bei Tram und Bus ab 20 Uhr. Grund ist die Pandemie und die damit verbundene Abnahme der Fahrgäste. Das ist noch nicht alles: Angedacht ist auch die Streichung von Kursen am frühen Morgen.

Hans-Martin Jermann
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Wegen Corona haben die Fahrgastzahlen in den Trams der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) deutlich abgenommen. Dies führt dazu, dass der angekündigte Angebotsausbau am Abend nur teilweise umgesetzt wird.

Wegen Corona haben die Fahrgastzahlen in den Trams der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) deutlich abgenommen. Dies führt dazu, dass der angekündigte Angebotsausbau am Abend nur teilweise umgesetzt wird.

Kenneth Nars

Die Pandemie hat weitere Konsequenzen für das ÖV-Angebot in der Stadt: Nicht «nur» wird die Verlängerung der Buslinie 64 vom Bachgraben an den Bahnhof St.Johann vorerst auf Eis gelegt. Nein, auch die im ÖV-Programm 2022 bis 2025 des Kantons angekündigte Taktverdichtung auf den Tram- und Buslinien am Abend wird vorerst nur in Teilen umgesetzt. Dies ist dem eben publizierten Bericht der grossrätlichen Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (Uvek) zum ÖV-Programm zu entnehmen.

Regierung nimmt ehrgeizige Ausbaupläne zurück

Die Basler Regierung verfolgte im Entwurf zum ÖV-Programm noch ehrgeizige Pläne. Das aktuelle Abendangebot im Basler ÖV – ab 20 Uhr gilt auf allen Linien der 15-Minuten-Takt, am Wochenende teils bereits ab 19 Uhr – entspreche nicht den heutigen Bedürfnissen. Zudem sei es im Vergleich zu anderen Schweizer Städten unterdurchschnittlich, betonte die Regierung. Vorgesehen war eine Verdichtung des Angebots auf einen 7,5-Minuten-Takt bis 22 Uhr auf allen Hauptlinien in den nächsten Jahren.

Doch mittlerweile ist der Kanton auch hier zurückgerudert: Die Verdichtung auf den 7,5-Minuten-Takt am Abend dürfte in einem ersten Schritt nur auf den wichtigsten Tramlinien erfolgen, heisst es im Uvek-Bericht. Von zusätzlichen Bussen am Abend ist keine Rede mehr. Die Zurückhaltung wird mit der Pandemie begründet. Diese hat auf dem Basler ÖV-Netz zu einem Einbruch der Nutzung von 35 bis 40 Prozent geführt.

Die geplanten (und nun teilweise sistierten) Verbesserungen wie Taktverdichtungen und verlängerte Buslinien hätten für Basel-Stadt Mehrkosten von 4,6 Millionen pro Jahr zur Folge gehabt. Der Entwurf der Regierung zum ÖV-Programm wurde im Juni 2020, kurz nach dem ersten Lockdown, veröffentlicht. Von Konsequenzen der Pandemie auf das langfristige ÖV-Angebot war da noch keine Rede.

Am frühen Morgen könnten Kurse gestrichen werden

Gleichzeitig mit dem Ausbau am Abend ist zudem ein Abbau des ÖV-Angebots in den frühen Morgenstunden geplant. Einzelne Linien verkehren heute bereits ab 5 Uhr im 7,5-Minutentakt, was gemessen am Fahrgastaufkommen nicht nötig sei. Laut Uvek-Bericht ist deshalb angedacht, dieses Intervall erst ab 6.30 Uhr anzubieten. Vorher gälte demnach der 15-Minuten-Takt. Der Anschluss an die frühen Züge am Bahnhof SBB bleibe gewährleistet. Der mögliche Abbau am Morgen falle insgesamt deutlich geringer aus als der Ausbau am Abend, schreibt die Uvek. Dieser Vergleich dürfte sich indes auf die vorerst eben nicht flächendeckende Taktverdichtung am Abend beziehen.

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