Ozeanium
Tierschutz bleibt aussen vor

Der Zolli lässt sein Millionenprojekt auf Umweltverträglichkeit prüfen – Tierschützer reagieren erbost.

Benjamin Rosch
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Mit Zahnstocher und Gummiband züchtet der Basler Zoo schon mal die Korallen für das geplante Ozeanium an der Heuwaage. zvg

Mit Zahnstocher und Gummiband züchtet der Basler Zoo schon mal die Korallen für das geplante Ozeanium an der Heuwaage. zvg

Kenneth Nars

Der Basler Zoo weibelt für sein nächstes Grossprojekt, das Ozeanium. Um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, geht er jetzt in die Offensive. Gemeinsam mit dem kantonalen Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) lässt der Zoo die Umweltverträglichkeit des nächsten Prestigebaus prüfen. «Dies soll Fragen zu Verkehrsführung und Nachhaltigkeit in einem standardisierten Verfahren umfassend beantworten», heisst es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung des BVD. Zoo und BVD reagieren damit auf Kritik von Tierschützern. Diese werfen dem Zolli unter anderem vor, die Beschaffung von Tieren sei nicht nachhaltig. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Haltung, die als nicht artgerecht empfunden wird (die bz berichtete). Die Tierschützer freuten sich deshalb in einer ersten Reaktion auf die Ankündigung des Zoos und sahen ihrem Bemühen Rechnung getragen.

Nur: «Überprüft wird, ob das Umweltrecht eingehalten wird. Der Tierschutz ist darin nicht enthalten und deshalb nicht Gegenstand der aktuellen Untersuchungen», sagt Marc Février, Projektleiter Arealentwicklung beim BVD. Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), wie es im Jargon heisst, beschäftige sich hauptsächlich mit Luft- und Lärmemissionen, die der Prestigebau an der Heuwaage verursachen könnte. Auch Ortsbild, Einfluss auf den Verkehr und die Umwelt wird untersucht – allerdings nur auf das Gebiet auf der Heuwaage bezogen. Wie die Tiere beschafft werden, darüber muss das BVD nicht befinden. Die Tier- und Naturschützer sind deshalb mit der Ankündigung nicht zufrieden: Es sei zwar positiv, dass eine UVP durchgeführt werde, sagt die ehemalige Grünen-Grossrätin Mirjam Ballmer. «Ich bin aber der Meinung, dass auch Fragen zum Artenschutz oder der langfristigen Finanzierung zu einer Nachhaltigkeitsprüfung gehören.» Ins gleiche Horn stösst auch der Verein Helvetia Nostra, eine Tochter der Fondation Franz Weber. «Gerade weil der Zolli sehr darauf pocht, nachhaltig zu sein, wäre es sinnvoll dies zu überprüfen», sagt Brigitte Wyss von Helvetia Nostra.

Der Verein hat gegen das Baubegehren Einspruch erhoben und sieht sich nun bestätigt: «Durch Wildfänge von Fischen und Wirbellosen werden insbesondere Korallenriffe als Lebensräume und Ökosysteme gefährdet, die Bedrohung der Ozeane wird also durch den Bau eines Ozeaniums zusätzlich erhöht», schreibt er in einer Mitteilung. Février hingegen meint: «Die UVP wird die Einsprache von Helvetia Nostra enttäuschen.» Als Gegenprojekt hatte die Fondation Franz Weber 2014 die «Vision Nemo» lanciert, welche Tiere multimedial statt real vermitteln soll.

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