Theater Basel
Theaterintendant Andreas Beck: «Es war eine glückvolle Spielzeit»

Bei aller Freude über das Künstlerische: Theaterintendant Andreas Beck tönt sanft an, dass er seinen Vertrag ab 2020 vielleicht nicht verlängert, sollte der Spardruck zu gross werden.

Susanna Petrin
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Der Direktor des Theaters Basel, Andreas Beck.

Der Direktor des Theaters Basel, Andreas Beck.

Kenneth Nars

Herr Beck, was sind die wichtigsten Schlüsse für die Zukunft, die Sie aus dem ersten Jahresabschluss ziehen?

Andreas Beck: Wir müssen das Angebot nicht weiten, wir müssen es eng führen. Gleichzeitig müssen wir weiterhin Einstiegshilfen in das Theater bieten. Aber wir brauchen nicht zehn statt acht Produktionen anzubieten, sondern uns auf ganz bestimmte zu konzentrieren.

Sie wollen die Zahl der Produktionen reduzieren?

Wir haben in dieser ersten Spielzeit sehr viele angeboten, weil wir wissen wollten: Wie wird reagiert? Was ist alles möglich in der Stadt? In den meisten Theaterstädten funktionierte es so: Je mehr Erbsen man in die Luft geworfen hat, desto mehr sind im Topf gelandet. Nicht so in Basel. Wenn ich die Produktionszahl erhöhe, erreiche ich nicht proportional mehr Publikum.

Weshalb sind die Basler da anders?

Ich glaube, sie reservieren sich am Anfang des Jahres so und so viel Geld dafür. Man geht vielleicht eine viel gelobte Produktion mehr kucken, aber nicht drei. In München haben wir manchmal 200, 250 Karten an der Abendkasse verkauft. In Stuttgart: zehn. Wie eine Theaterstadt funktioniert, muss man herausfinden.

Das kommt auf die Mentalität an?

Das liegt an vielen Dingen. Es ist immer ein Trial and Error. Das kann man nur im Tun entwickeln, nicht schon vorher üben.

Hätten Sie sich mehr Zuschauer erhofft?

Man darf nicht unbescheiden sein. Es war eine glückvolle Spielzeit. Ich bin künstlerisch sehr zufrieden. Und ich bin ja erst mal engagiert worden, um ein künstlerisches Niveau zu garantieren. Wir haben in allen drei Sparten zugelegt: In der Oper haben wir entscheidende Weichen gestellt, auch durch den neuen Musikdirektor. Im Ballett haben wir auch dank einem neuen Format gezeigt, auf welchem Topniveau die Compagnie ist. Und im Schauspiel haben wir nicht nur aufgrund des Ensembles und der sehr verschiedenen Regiehandschriften an Format gewonnen. Wir haben 10 000 Besucher weniger als die Stadt Einwohner hat. Ich meine: hallo!

Die zweite Spielzeit ist wahrscheinlich schwieriger als die erste. Die Attraktion des ganz Neuen ist weg.

Die zweite ist immer schwieriger. Weil man die zweite mit der ersten fast mitgeplant hat. In der Oper sind schon die Koordinaten für die vierte Spielzeit gegeben. Man muss also ertragen, dass man einen eingeschlagenen Weg eine zweite Spielzeit durchziehen muss. Aber ich bin über diesen Herbst künstlerisch sehr zufrieden! Es gibt nichts zu meckern. Das heisst nicht, dass mir alles immer super gefällt. Doch rein künstlerisch objektiv betrachtet ist es ein klasse Herbst.

Wo möchten Sie künstlerisch Kurswechsel anbringen?

Gar keine. Aber ich muss mich anpassen an die Entwicklungen der Künstler. Dem Zuschauer möchte ich etwas garantieren, aber ihn trotzdem immer wieder mit neuen Sichtweisen und Handschriften konfrontieren beziehungsweise verwöhnen.

Die Sanierung des Hauses kommt zäh voran. Wo liegen jetzt noch die drängendsten Probleme?

Ach, da hat glaube ich keiner den Überblick. Natürlich hatten wir auch diese Saison wieder Einschränkungen, es wurde im Sommer wieder etwas nicht fertig. Wir haben «Die Tote Stadt» an den Anfang gesetzt, weil es eine Oper ist, die mit relativ wenig Bühnenzeit auskommen konnte. Wir hatten noch nicht mal zwölf Bühnenproben! Das ist fast kriminell. Aber eine andere hätten wir gar nicht bieten können. Ich musste mit einer nicht allzu bekannten Oper beginnen und mit finanziellen Einbussen rechnen. Sie sehen: Ich habe permanent unter der Sanierung zu leiden.

Wie lange dauert das noch?

Ewig.

Es ist unklar, ob die kommende Saison rechtzeitig starten kann?

Nein, da sind die Verträge längst gemacht! Aber irgendwann dräut nochmals eine längere Schliessung. Ich bin eigentlich nicht mehr bereit, das zuzulassen. Sonst bin ich am Ende der Einnahmenhorst.

Ungut ist für Sie auch die drohende Geldverschiebung hin zur Kaserne.

Wir wissen noch nicht, wer dann die Kaserne leiten wird. Und ich habe einen Vertrag bis 2020 – eine Spielzeit käme ich mal mit weniger aus. Wenn man umverteilt, dann muss man darüber reden, welche Aufgaben des Theater Basel zukünftig an die Kaserne gehen. Wenn die Freie Szene mehr Geld fordert, dann muss sie auch mehr Pflicht erfüllen. Zum Beispiel pädagogische Projekte.