«Für 30 Franken können Sie immer ins Theater Basel», sagte Direktor Andreas Beck am Mittwoch vor den versammelten Medienschaffenden: «Und das ist doch ein guter Slogan.» Ob Schauspiel, Ballett oder gar Oper: Fortan soll für jede Vorstellung ein Kontingent an Karten für 30 Franken erhältlich sein. Das ist gut für die Zuschauer. Und das ist gut fürs Theater: Die neue Preispolitik – Andreas Beck spricht von «Pricing» – dürfte eine bessere Auslastung und ein vielfältigeres Publikum nach sich ziehen.

Die hiesigen Zuschauer sprechen viel besser auf bekannte Stoffe an als auf neue oder selten gespielte. Diese Erfahrung hat das neue Direktionsteam nach zwei Saisons gemacht und zieht daraus für die dritte den Schluss: Fürs Geld will der Schweizer was Gutes bekommen, also geht er lieber auf Nummer sicher. Günstige Karten senken das finanzielle Risiko also auch die Hemmschwelle, mal was Neues auszuprobieren.

Günstiger im Multipack

Finanziell belohnt wird zudem, wer das Theater häufig besucht: Je mehr Vorstellungen, desto günstiger wird die einzelne. Wie das genau funktioniert, daran werde noch herumgetüftelt, sagt Andreas Beck, doch ab nächster Saison sei man soweit. Jetzt fehlt nur noch ein Theater-GA! Das Theater Basel kuckt sich also marktwirtschaftliche Finten von der Privatwirtschaft ab – und das ist gut so. Es hat schliesslich die nicht einfache Aufgabe, das Geld und die Kunst unter einen Hut zu bringen: Künstlerisch hochwertig soll das Theater sein, anspruchsvoll und das Neue wagend. Gleichzeitig soll es populär sein: Es wird nicht zuletzt an den Zuschauerzahlen gemessen.

Auch hier greift das Theater zu einer neuen Strategie, die so naheliegend ist, dass man sich wundert, weshalb es das nicht schon immer so gehandhabt hat: Stücke, die sich als beliebt erwiesen haben, werden, wenn möglich, wieder aufgenommen. Und zwar nicht nur eine oder zwei, sondern heuer ganze acht Produktionen. Unter anderem das Wherlock-Ballett «Tewje», ein Publikumsrenner, sowie die drei Flaggschiffe von Regisseur Simon Stone: Drei Schwestern, John Gabriel Borkman, und Engel in Amerika – letztere zwei premierten bereits 2015.

Überhaupt: Die Balance zwischen Bewährtem und Riskantem scheint die nächste Saison eher zu Gunsten des Bewährten auszufallen – obschon Andreas Beck dieser These widerspricht. Eingangs der Medienkonferenz spricht er gar von der Welt, die aus den Fugen sei, und dem Theater, das dies besonders spüre und von neuen Blickwinkeln aus erlebbar mache. Auf dem Spielplan, der darauf vorgestellt wird, steht allerdings kaum ein nicht-europäisches Stück, kaum ein nicht-europäischer Künstler. Gezeigt werden auffallend viele Opernklassiker, (Schweizer) Schauspielklassiker und Ballettklassiker. Gepflegt wird das bestehende Netzwerk. Das hat seine Berechtigung, denn hierin liegt die Stärke dieser Direktion: Im deutschsprachigen Raum haben Beck und sein Team schon viele begabte Künstlerinnen und Künstler aufgespürt.

Der Nahe Osten ist aus den Fugen, die USA, Teile Osteuropas. Nicht die Welt rund um den Tinguely Brunnen. Und ein «Romulus der Grosse» trifft den Zeitgeist nun mal gerade nicht: Narzissten wie Erdogan oder Trump denken nicht daran, sich zur Hühnerzucht zurückzuziehen, um jemand Fremdem das Kommando zu überlassen. Wozu etwas behaupten, das auf diesen Spielplan nicht zutrifft? Das Theater Basel hat genügend tatsächliche Qualitäten.