Neue Ausrichtung
Theater Basel: Mit viel Energie in die neue Spielzeit

Chefdramaturg Martin Wigger wünscht sich für die kommende Saison mehr Publikumsnähe. Im Interview mit der bz spricht er zudem über den Wunsch nach neuen Spielstätten sowie innovative Ideen.

Mélanie Honegger
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Theater Basel

Theater Basel

Nicole Nars-Zimmer

Herr Wigger, worin besteht im Bereich Schauspiel eine neue Ausrichtung des Spielplans?

Martin Wigger: Zuerst einmal haben wir kein Spielzeitmotto gewählt. Das Stichwort des diesjährigen Spielplans ist Energie: Wir wollen offensives Theater bieten, das auf das Publikum eingeht. Das passt hervorragend zu den energiegeladenen Inszenierungen der zwei Regisseure Simon Solberg und Tomas Schweigen. Wir wollen Begegnungen schaffen und immer wieder rausgehen. Das ist die Hauptveränderung.

Mit einem neuen, offenen Büro am Klosterberg wird die Nähe zur Bevölkerung zusätzlich in den Fokus gerückt.

Wir nennen das Büro im K6 einen «Think Tank». Der Raum bleibt eine Spielstätte, wird aber auch als öffentlich zugänglicher Arbeitsraum des Leitungsteams genutzt. Dort diskutieren wir zum Beispiel über Stadtthemen oder zeigen Filme. Damit wollen wir das Schauspielhaus beleben und für mehr Energie sorgen. Die Zuschauer werden wahrscheinlich bewirtet, ausserdem hoffe ich, dass nach den Aufführungen auch Schauspieler präsent sein werden. So könnten spannende Gespräche entstehen. Das Publikum soll animiert werden, noch ein wenig vor Ort zu bleiben. Zu Beginn der nächsten Spielzeit wird das Projekt nach fast einjähriger Planungsphase umgesetzt.

Ein weiterer Punkt, den Sie angesprochen haben, ist der Wunsch nach neuen Spielstätten.

Die ausgewählten Werke haben zum Teil einen populären Inhalt, ich denke da an «Der Zauberer von Oz» oder «Don Carlos». Mit den neuen Regisseuren am Haus entsteht ein spannender Gegensatz, der mit neuen Orten wie dem K6 einhergeht. Aber auch das LKW-Projekt mit dem Schlagwort «Performative Spedition» gehört dazu. Wir wollen immer wieder mal einen unserer hauseigenen Lastwagen kapern und damit nach Baselland oder auf wichtige Plätze in der Stadt fahren.

Ziel ist es natürlich, die Leute zu uns ins Haus zu locken. Es werden Teile aus aktuellen Theaterstücken gezeigt, Simon Solberg ist aber auch schon am Erarbeiten von Kleinstmonologen mit dem Ensemble. Dieses hat sich diese Saison ja auch verändert, es verjüngt sich. Mit den kleinen Auftritten haben wir die Möglichkeit, die neuen Leute vorzustellen. Die zentrale Frage ist für mich: Wie macht man Theater publik? Ich denke da vor allem an die Persönlichkeiten, die auf der Bühne stehen. Was sind das für Menschen? Dieses Kennenlernen der Schauspieler wollen wir mit den LKW-Auftritten ermöglichen. Für uns ist das eine gute Werbung. Die ist besser als jedes Plakat und jeder Flyer.

Dazu passt auch die Idee, dass es Privatpersonen in Zukunft möglich sein soll, Schauspieler für einen privaten Anlass zu buchen.

Die Idee ist, dass man uns für einen symbolischen Beitrag mieten kann. Das wird via Ausschreibung und für ganz unterschiedliche Anlässe möglich sein. Ein Beispiel ist eine Person, die Geburtstag hat und einen lustigen Beitrag zum Geburtstagsprogramm organisieren möchte. Wir schauen dann, wer dazu passen könnte und schicken zum Beispiel Andrea Bettini (ein Ensemble-Mitglied, Anm. der Red.) an die Veranstaltung. So gibt es ganz viele verschiedene Möglichkeiten, wie wir das gestalten können. Mal sehen, ob das klappt. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die neue Saison. Das wird ein spannender Start mit viel neuer Energie.

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