Filmfestival
«The Future is Queer» – weit mehr als nackte Haut

Das «Luststreifen»-Filmfestival feiert diese Woche sein zehnjähriges Bestehen und kämpft immer noch gegen die gängigen Vorurteile.

Mélanie Honegger
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Es war nicht immer einfach: Seit zehn Jahren gibt es das Basler Filmfestival «Luststreifen» nun schon, und seit zehn Jahren kämpft das queere Festival gegen Vorurteile an: Ursprünglich ein Anlass von Leuten aus der homosexuellen Szene, wird das Festival voreilig als Nischenfestival betrachtet, das Filme mit viel nackter Haut zeige.

Zu Unrecht, wie Organisatorin Ledwina Siegrist betont: «Das Luststreifen-Festival ist ein Anlass für alle kunstinteressierten Leute, die Geschlechternormen hinterfragen möchten.» Das bedeutet konkret: Statt pornografischer Inhalte steht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen im Vordergrund. Die diesjährige Ausgabe mit dem Motto «The Future is queer» beleuchtet die Vielfalt unterschiedlicher Lebensformen. Die «Queer Shorts», die Kurzfilme des Festivals, liegen thematisch zwischen anatomischer Aufklärung, Transgender-Outing und aufgezwungenen Körperidealen.

Ganz anders das diesjährige Festivalhighlight: Der russische Film «The Student» zeigt die Radikalisierung eines jungen Schülers zum orthodoxen Christen – und das aus seiner Perspektive. Als Gegenbild zur medialen Dominanz des fundamentalistischen Islam ermöglicht der Film einen neuen Blick auf religiösen Extremismus.

Die Vielfalt des Programms ist das Ergebnis der zehnjährigen Entwicklung des Festivals. Während zu Beginn ein klarer Fokus auf homosexuelle Inhalte gewählt wurde, hat sich das Festival über die Jahre hinweg thematisch geöffnet. Feministinnen, Leute aus der Geschlechterforschung und später generell kunstinteressierte Personen wurden in die Planung miteinbezogen. Spiel-, Dokumentar- und Kunstfilme halten sich mittlerweile die Waage. Dieses Jahr ist dem Festival gar ein kleiner Coup gelungen: Zum ersten Mal überhaupt findet es nicht nur im Neuen Kino, sondern auch im Kultkino statt.

Filme für mehr Offenheit

So löst sich das Festival zusehends von seinem Szenehintergrund und gliedert sich in aktuelle Geschlechterdebatten ein. Diese würden in der Schweiz zwar mittlerweile mit grösserer Selbstverständlichkeit geführt, seien aber nach wie vor durch Normen bestimmt, meint Sigrist: «Der Diskurs in der Schweiz ist reif, aber Homo- und Transphobie sind noch immer in den Köpfen verankert.»

Mit dem «Luststreifen»-Festival will das Team rund um die Organisatorin deswegen insbesondere den Diskurs über alternative Lebensstile fernab von sexuellen Stereotypen fördern. Und wer dann doch noch gerne mehr Haut sehen möchte, kann sich immer noch die «Porn Shorts» anschauen. Die Kurzfilme für Erwachsene fügen sich nahtlos ins Konzept ein, da sie mit gängigen sexuellen Machtstrukturen brechen und laut Siegrist insbesondere «einen neuen Blick auf die weibliche Lust» ermöglichen.

«Luststreifen» vom 28. 9. bis 1. 10. Neues Kino und Kultkino Basel.
Alle Infos unter www.luststreifen.ch

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