Wirtschaft
Tally Weijl ist ziemlich klamm: Basler Modekonzern droht das Aus, weil Banken keine Kredite geben wollen

Der Basler Modekonzern sucht verzweifelt einen Kreditgeber. Erhält die Firma von den Banken die 25,7 Millionen Franken nicht, drohe das Aus, so der Verwaltungsratspräsident. Derweil ein anderer Tally-Weijl-Verwaltungsrat auf Telebasel ins Fettnäpfchen trat.

Andreas Schwald
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Die neue Tally-Weijl-Filiale am Basler Marktplatz bei der Eröffnung.

Die neue Tally-Weijl-Filiale am Basler Marktplatz bei der Eröffnung.

obs/TALLY WEiJL

Die Coronakrise setzt nicht nur den kleinen Betrieben zu, sondern auch grösseren Firmen. Dazu zählt der Basler Modekonzern Tally Weijl. Die Gründer suchen derzeit nach einem grosszügigen Kreditgeber: Laut einem Bericht des Zürcher «Tagesanzeigers» braucht die Modefirma einen Kredit von gleich 25,7 Millionen Franken. Sonst drohe das Aus. Die Firma reagierte schon früh in der Krise auf die Notsituation und verschickte Briefe an ihre Lieferanten, auch in der Schweiz. Der Inhalt: Man könne die Rechnungen zurzeit nicht begleichen und werde sich nach der Krise um Bezahlung der Ausstände bemühen.

So sagt Gründer Beat Grüring: «Wir hoffen sehr, dass wir die Unterstützung der Banken für die beantragten Covid-19-Kredite erhalten. Jetzt geht es darum, in dieser ausserordentlichen Situation, für die wir nicht verantwortlich sind, mithilfe des vom Bund garantierten Kredits in der Schweiz über 650 Arbeitsplätze zu erhalten.» Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 2700 Mitarbeiter und wuchs vor allem dank der starken Expansion im Ladengeschäft vor rund 20 Jahren.

Angeschlagene Flaggschiffe der Schweizer Wirtschaft

Der finanzielle Engpass resultiere auch aus den hohen Kosten für eine umfangreiche Transformation des Konzerns zu einem «stark digitalisierten Omnichannel-eTailer», wie es heisst. Allein dieses Vorhaben wurde mit rund 60 Millionen Franken veranschlagt.

Damit steht die Firma von Grüring, die nach Mitgründerin und Co-CEO Tally Elfassi-Weijl benannt ist, nicht alleine da in der Schweizer Wirtschaftslandschaft. Neben Modefirmen wurden auch andere grosse Unternehmen hart von der Krise getroffen. Die Schweizer Uhrenhersteller dürfen sich laut einem Bericht des «Handelsblatts» auf eines der schlechtesten Geschäftsjahre ihrer Geschichte einstellen. Die wichtigsten Branchentreffen sind ohnehin allesamt abgesagt, die Baselworld in der alten Form sogar beerdigt, nachdem die verbleibenden grossen Uhrenmarken im April ihren Abgang aus Basel bekanntgaben.

Kurioser Talk auf Telebasel

Entsprechend schwer betroffen ist auch die Veranstaltungsbranche. Die MCH Group AG, die den Abgang der Uhrenfirmen nur noch zur Kenntnis nehmen konnte, wird an ihrer Generalversammlung von heute Freitag den Antrag auf einen Dividenverzicht der Aktionäre stellen, dies bereits zum wiederholten Mal.

MCH-Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer wurde noch am Mittwoch von «Telebasel»-Stiftungsrat Michael Bornhäusser in einem umstrittenen Talk vorgeworfen, dass die MCH kein Polster aufgebaut habe. Bornhäusser selbst sitzt allerdings auch just im Verwaltungsrat der Tally Weijl Holding AG, die nun mangels Reserven einen zweistelligen Millionenbetrag sucht, um einen Konkurs abzuwenden.

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