Coronavirus
Süss-saurer Cocktail für Basler Beizer

Partystimmung in der Steinen und am Rheinbord, Katerstimmung bei den Gastrobetrieben.

Ayse Turcan
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Maximal vier Personen an einem Tisch.

Maximal vier Personen an einem Tisch.

Juri Junkov

Junge Menschen, die an Tischen vor Bars sitzen. Die ganze Strasse so gestossen voll, dass es aussieht, als wäre ein Durchkommen fast nicht mehr möglich – zumindest nicht, ohne irgendjemanden zu berühren –und schon gar nicht mit zwei Meter Abstand. Die Bilder aus der Steinenvorstadt vom vergangenen Samstagabend sorgten in Basel für Empörung und schafften es sogar in die SRF-Sendung «Tagesschau» vom Sonntagabend.

Doch wie ehrlich ist die Empörung? Gehört es nicht zum Konzept einer Bar, dass es gesellig zu und her geht, dass man die Hemmschwellen und Alltagssorgen für einen Moment vergisst und neue Bekanntschaften macht?

Das «Soho» ist einer der Betriebe in der Steinen, der sich in den Medien rechtfertigen musste. Betreiberin Laura Herbella sagt: «Wir haben das Schutzkonzept umgesetzt.» Sie hätten viele Gäste erwartet und sich dementsprechend vorbereitet. Die Gastronomin gibt aber auch zu bedenken: «Social Distancing in einer Bar umzusetzen, ist zwar möglich, aber nicht rentabel.»

Nähe zwischen Menschen gehört zur Gastronomie

Auch Maurus Ebneter, Präsident des Basler Wirteverbands, ist kritisch: «Es existiert ein gewisser Widerspruch zwischen der in der Gastronomie angestrebten Geselligkeit und der Vorgabe des Social Distancing.» Er findet, dass die Nähe der Menschen untereinander zum Metier der Gastronomie gehöre.
Trotz dieser Einsicht betont Ebneter, dass die Schutzmassnahmen in der gegenwärtigen Situation ohne Wenn und Aber umgesetzt werden müssen. Gleichzeitig wehrt er sich dagegen, den Gastronomiebetrieben die komplette Verantwortung aufzuladen, und weist auf einen weiteren Widerspruch hin: «Im Einzelhandel kann man bis 22 Uhr günstig Alkohol beschaffen und diesen draussen konsumieren – ohne, dass sich irgendjemand um Abstände kümmert.»

Während die öffentliche Debatte auf die «Steinen» fokussiert, spielten sich am Wochenende am Rheinufer ähnliche Szenen ab. Das bestätigt Hermès Beurret von der Rhyschänzli-Gruppe, die seit Samstag den Betrieb der Buvette am Unteren Rheinweg aufgenommen hat. Beurret sagt, die Gäste würden sich während des Anstehens und an den Tischen der Buvette an die Schutzmassnahmen halten. «Aber am Rheinbord vorne sieht es anders aus», so der Wirt. Beurret hofft, dass sich die Bevölkerung an die Massnahmen hält, sei es in der Steinen oder am Rheinbord. Er ist sich sicher: «Eine zweite Welle überlebt die Gastronomie nicht.»

Die Wirte sowie ihr Verband sind sich einig, dass die Schutzmassnahmen in der gegenwärtigen Situation wichtig sind und rigoros umgesetzt werden müssen. Es stellt sich aber die Frage, wie lange die Restaurants und vor allem Bars unter diesen Umständen überleben können.

Zahlreiche Lokale bereits kontrolliert

Die Einhaltung des Schutzkonzepts in der Gastronomie wird in Basel-Stadt unter anderem durch das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) kontrolliert. Laut Amtsleiterin Nicole Hostettler hat das AWA in Zusammenarbeit mit anderen Stellen in den ersten vier Tagen seit Beginn der Lockerungen bereits mehr als fünfzig Betriebe überprüft. Hostettler sagt auf Anfrage, dass die Vorkommnisse in der «Steinen» vom Amt zur Kenntnis genommen wurden. «In der nächsten Zeit werden wir dort vermehrt Kontrollen durchführen und die Situation analysieren.»