Auszeichnung
Südschwarzwald erhält Unesco-Label

Die Region zwischen Oberem Wiesental, Belchen und Feldberg wird als Biosphärengebiet anerkannt. Als Modellregion soll sie sich nachhaltig in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht entwickeln und auch den Tourismus fördern.

Peter Schenk
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Der Belchen im Südschwarzwald ist 1404 Meter hoch.

Der Belchen im Südschwarzwald ist 1404 Meter hoch.

zvg

Schon heute ist der Südschwarzwald für die Schweiz ein bekannter und beliebter Ausflugsort. «Erst kürzlich habe ich am Wochenende viele Autos mit Schweizer Kennzeichen gesehen. Viele übernachten auch hier», berichtet Walter Krögner. Er ist beim Freiburger Regierungspräsidium für die Koordinierungsstelle zum sogenannten Biosphärengebiet Südschwarzwald zuständig.

Am Sonntag hat der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller von der Unesco die Anerkennungsurkunde zum Biosphärengebiet erhalten. Gemeint ist damit eine Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll.

In der Schweiz fing das Bündnerland mit den Biosphärenreservaten an

In der Schweiz gibt es zwei Biosphärenreservate, wie die Unesco die Gebiete normalerweise nennt. Als Biosphärengebiet werden sie lediglich in Baden-Württemberg bezeichnet. Angefangen hat damit 1979 der Schweizerische Nationalpark im Bündnerland – 2010 wurde es um das Münstertal erweitert. Als zweites kam 2001 das Entlebuch im Kanton Luzern dazu.

In Baden-Württemberg erhielt die Schwäbische Alb 2009 das Label der Unesco. Als erstes grenzüberschreitendes Biosphärenreservat kam 1998 der Pfälzerwald mit den Nordvogesen hinzu. Letztere haben den Titel allerdings schon 1988 erhalten, sind aber die einzige derartige Region im Elsass. In ganz Deutschland gibt es derzeit 16 von der Unesco anerkannte Biosphärenreservate, drei davon befinden sich in Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein im Wattenmeer.
In Frankreich sind es 14.

Laut Wikipedia hat die Unesco 651 Biosphärenreservate in 120 Staaten (Stand: Juni 2015) anerkannt, um das harmonische Miteinander von Mensch und Natur zu fördern. (psc)

In der Schweiz erhielt das Entlebuch im Kanton Luzern 2001 als zweite Region diese Auszeichnung (siehe Box). «Vorher war es nicht so bekannt», konstatiert Krögner und hofft auf positive Auswirkungen auf den Tourismus.

Unterschied zum Naturpark

In einem Biosphärengebiet geht es neben diesem auch um die Regionalentwicklung, die Landwirtschaft und das Infrastrukturangebot. «Es ist auch die Frage, wie attraktiv der ländliche Raum für junge Menschen bleibt», betont Krögner. Während in einem Naturpark 75 Prozent der Fläche der Nutzung entzogen ist, ist dies im Biosphärengebiet nur bei Kernzonen in 3 Prozent der Fläche der Fall.

Die Region zwischen Feldberg, Belchen und Oberem Wiesental war bereits bis Ende 2012 für zehn Jahre ein Naturschutzgrossprojekt. Die Idee, sich weiter zum Biosphärengebiet zu entwickeln, stammt von den 28 Gemeinden, in denen auf 63 000 Hektaren 38 000 Einwohner leben. 2016 wurde das Biosphärengebiet, das sich von 310 bis auf 1420 Höhenmetern erstreckt, bereits nach baden-württembergischen Landesrecht anerkannt.

Der Südschwarzwald hat auf engem Raum unterschiedliche Traditionen hervorgebracht: Fast jedes Dorf hat seine eigene Tracht, die Fasnacht und die Holzschnitzereien sind lebendige Beispiele des Brauchtums. Kennzeichnend sind auch die Allmendweiden – gemeinschaftlich genutzte, meist grossflächige Bergweiden, die bis in die höchsten Lagen reichen. Hier finden sich die Vorderwälder- und Hinterwälderrinder, «beides traditionelle Rinderrassen, die an die bergige Umgebung besonders gut angepasst sind», wie es im Flyer zur Region heisst.

Artenreichtum auf Weiden

Wegen des grossen Artenreichtums sind die Allmendweiden, die seltener geworden sind, besonders schützenswert. «Auch die beiden Rinderrassen zählen zu den gefährdeten Nutztierrassen», erfährt man weiter. Reizvoll sei der Wechsel zwischen Wald und offenem Land. Auf 2100 Hektaren, das sind 3,3 Prozent der Fläche, wird der Wald sich selbst überlassen und so zu einer Art «Urwald».

Generell haben die Gäste- und Übernachtungszahlen 2016 und auch im ersten Halbjahr 2017 laut «Schwarzwald Tourismus GmbH» im ganzen Schwarzwald Rekordwerte erreicht. Mit mehr als 1,6 Millionen Übernachtungen kamen 2016 mehr als ein Drittel der europäischen Gäste aus der Schweiz und zwar «überwiegend aus der deutschsprachigen Schweiz wie der Region Basel, Zürich und dem Kanton Aargau», so die Medienstelle. Im ersten Halbjahr 2017 sind die Schweizer Gästezahlen erstmals seit Jahren leicht um 0,3 Prozent zurück gegangen. Vielleicht hilft die Unesco-Auszeichnung diesen Trend wieder umzukehren?

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