Tourismus

Sterne-Bschiss: Basler Hotel wirbt mit falschem fünften Stern

Das ehemalige «Ramada» heisst seit 2017 «Hyperion».

Seit das «Hilton» am Bahnhof verschwunden ist, hat Basel nur noch ein 5-Sterne-Hotel: das «Les Trois Rois». Nicht aber auf booking.com. Dort gab sich das Messeturm-Hotel Hyperion als 5-Sterne-Haus aus. Bis die bz genauer nachfragte.

Die Kasse klingelt beim Hotel «Hyperion». 47 Buchungen in den letzten 24 Stunden, meldete die populäre Buchungsplattform booking.com am Mittwochnachmittag. Damit ist das ehemalige «Ramada» die derzeit meistverkaufte Basler Unterkunft auf der Plattform.

Kein Wunder, denn ein Zimmer im 5-Sterne-Hotel für 159 Franken ist tatsächlich ein Schnäppchen. Im «Trois Rois» kostet das Zimmer auf derselben Plattform mehr als das Vierfache. Doch das «Hyperion»-Angebot hat einen Haken: Es handelt sich nicht um ein 5-, sondern um ein 4-Stern-Hotel. Das bestätigt Daniel Beerli, Leiter Klassifikation beim Branchenverband Hotellerie Suisse. «Das ‹Hyperion› in Basel wurde zuletzt im Juli 2018 überprüft und als 4-Sterne-Hotel klassifiziert.»

Am Mittwoch war das «Hyperion» noch ein 5-Sterne-Hotel. Nach Anfrage der bz verschwand der fünfte Stern von der Website.

Am Mittwoch war das «Hyperion» noch ein 5-Sterne-Hotel. Nach Anfrage der bz verschwand der fünfte Stern von der Website.

Die bz hat sowohl bei der Hotelkette H-Hotels, zu der das «Hyperion» gehört, als auch bei der Buchungsplattform booking.com nachgefragt, wie es zur Falsch-Deklaration kommen konnte. Beide Firmen haben trotz mehrtägiger Frist nicht Stellung bezogen. Dafür geschah in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Erstaunliches: Der eine Stern zu viel ist wie von Zauberhand verschwunden. Seit Donnerstagmorgen wird das «Hyperion» als eines von zahlreichen Basler 4-Sterne-Häuser gelistet. Doch wer ist dafür verantwortlich? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Sicher ist einzig, dass der Auftritt des Basler Hotels auf der internationalen Buchungsplattform von der Zentrale der H-Hotels-Gruppe in Berlin koordiniert wird. Das bestätigt Hotel-Direktorin Jana Jeschek. Sie sagt auch: «Wir sind ein 4-Sterne-Hotel, das einen 5-Sterne-Service bietet, mit Parking-Dienst, Concierge und entsprechender Zimmerausstattung.»

Als Konferenz-Hotel, das hauptsächlich auf Firmenkunden setze, sei es gar nicht erstrebenswert, ein offizielles 5-Sterne-Hotel zu sein. «Viele Firmen, gerade im Pharma-Bereich, haben strikte Regeln und lassen maximal Buchungen in 4-Sterne-Häuser zu.»

Pharmakodex verbietet Extravaganz

Pharmafirmen wird das Buchen von 5-Sterne-Hotels für Kongresse zwar nicht explizit verboten. Dennoch heisst es im entsprechenden Kodex: «Die Veranstaltungen sollen an Örtlichkeiten stattfinden, die dem Hauptzweck der Veranstaltung angemessen und förderlich sind. Zu vermeiden sind Örtlichkeiten, die für ihre Unterhaltungseinrichtungen renommiert sind oder als extravagant gelten.»

Daniel Simeon, beim Branchenverband Scienceindustries zuständig für die Überwachung der Einhaltung der Pharmakodizes, erläutert: «Es ist schon so, dass wir genauer hinschauen, wenn eine Pharma-Firma Gesundheitsfachleute in ein Fünf-Sterne-Hotel einlädt. Dafür braucht es eine sehr gute Begründung. Ein Fünf-Sterne-Hotel ist für solche Veranstaltungen äusserst kritisch – und zwar nicht nur wegen des Pharmakodex, sondern auch wegen gesetzlichen Vorgaben in der Arzneimittel-Werbeverordnung.»

Darauf zu reagieren, ist durchaus zulässig, bestätigt Beerli: «Es ist erlaubt, sich als 4-Sterne-Hotel klassifizieren zu lassen, selbst wenn man auch fünf Sterne erreichen könnte. Allerdings verpflichtet man sich dann, auf allen Plattformen als 4-Sterne-Haus aufzutreten.» Andererseits sei es Hotels, die internationalen Ketten angehören, in bestimmten Fällen erlaubt, ganz auf eine Angabe von Sternen zu verzichten. In der Schweiz sei dies beispielsweise beim «Intercontinental» in Davos der Fall, das zwar eine Fünf-Sterne-Klassifizierung erhalten hat, diese aber aus strategischen Gründen nicht angibt.

Weil weder booking.com noch die Zentrale von H-Hotels die Fragen der bz beantworteten, bleibt unklar, aus welchen Gründen und seit wann das «Hyperion» als 5-Sterne-Hotel aufgeführt wird. Eine Bewertung vom 18. Oktober 2018 legt nahe, dass schon damals ein fünfter Stern angegeben wurde. Ein Hotelgast aus Zypern schrieb nämlich, dass das Gepäck nicht aufs Zimmer gebracht worden sei, was seiner Erfahrung nach «bei einem 5-Sterne-Hotel ein Mitarbeiter» mache.

Ebenfalls unklar ist, inwiefern der fünfte Stern zu einem Wettbewerbsvorteil geführt hat. Felix Hauser, Präsident des Basler Hoteliervereins, findet deutliche Worte: «Eine solche Falschangabe geht nicht in Ordnung, weil es sich um eine Täuschung handelt. Wir werden der Sache nachgehen.»

Wie genau booking.com in der Schweiz mit Sterne-Wertungen umgeht, ist Firmengeheimnis. Fakt ist, dass in Deutschland ein anderes System zum Einsatz kommt. Dort werden Selbst-Bewertungen mit Punkten und offizielle Bewertungen mit Sternen gekennzeichnet. Das «Hyperion» in München ist demnach ein 5-Punkte-Hotel, während beispielsweise das Münchner «Vier Jahreszeiten» mit fünf Sternen auf der Plattform erscheint.

Und aus England ist bekannt, dass Sterne-Bewertungen bis und mit vier Sternen von den Betrieben selbst eingegeben werden können, der fünfte Stern jedoch nur durch die Plattform booking.com nach offizieller Überprüfung hinzugefügt wird.

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