Literatur

Star-Lesung in Basel: Grandioser T.C. Boyle, kümmerlicher Tom Kummer

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T. C. Boyle zu Gast in Basel: Der Autor glänzte, der berühmte Moderator hingegen enttäuschte.

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T.C. Boyle war am Montagabend in Basel ganz himself: sympathisch, sprudelnd, voller Anekdoten. Moderator Tom Kummer konnte da leider nicht mithalten. Eine Kritik.

Ein Satz, und er hatte das Publikum in der Tasche. «I’m so delighted to be here, among the best readers in the world!», rief T. C. Boyle am Montag Abend, kurz nachdem er auf die Bühne getreten war. Ganz der Showman, in buntem Hemd und Sakko mit Hahnentritt-Muster. «We’re looking forward to entertaining you tonight!» Verschmitztes Lächeln, kleine Verbeugung – der perfekte Auftakt. Boyle sollte Wort halten: Die Lesung seines aktuellen Romans «Das Licht», die das Literaturhaus Basel im Kunstmuseum ausrichtete, war tolles Entertainment. Vorausgesetzt man ignorierte den Moderator.

Tom Kummer konnte auf die eloquenten Wortschwälle des Amerikaners gerade mal mit einem glanzäugigen «That’s beautiful» reagieren – bevor er wieder zu seinem uninspirierten Fragenkatalog zurückkehrte. Jeden Steilpass des Autors ignorierte er konsequent – und Boyle schien sich einen Spass daraus zu machen, Cliffhanger in seinen Aussagen zu platzieren und abzuwarten, ob der Moderator ihn darauf ansprach oder nicht.

Tat er nicht. Auf Boyles Aussage hin, er habe seine LSD-Trips immer gehasst, meinte Kummer: «Reden wir doch noch etwas über Albert Hoffmann.» Nachdem Cathrin Störmer aus der deutschsprachigen Fassung gelesen hatte, sagte Boyle gerührt: «Das erinnert mich an meine Mutter, die mir abends immer vorlas». Es war der intimste Moment des ganzen Abends. Tom Kummer liess ihn kommentarlos verstreichen.

Immerhin: «Journalist» Kummer, der vor knapp 20 Jahren wegen erfundene Interviews und später einem Plagiatsskandal nationale Berühmtheit erlangte, sass jetzt für einmal wirklich einem Star gegenüber. Schön für ihn, schade für uns.

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