Nach vielen Monaten des Zitterns ist jetzt klar: Das Schweizer Sportmuseum ist selbst Geschichte. Die Stiftung, die hinter dem Museum steht, wird nun liquidiert. Die verbliebenen vier Teilzeitangestellten, die zusammen ein Pensum von 150 Stellenprozenten besetzten, haben Ende August die Kündigung erhalten. Im Oktober laufen die Verträge aus.

Bis dann hofft Stiftungsratspräsident Paul Engelmann auf einen Entscheid von Swiss Olympic. Der Schweizer Sportverband soll die Sammlung übernehmen und entscheiden, ob und wie sie zugänglich bleibt. Was mit der grössten Schweizer Sportsammlung passiert ist offen. In der Zeit seit der Gründung im Jahr 1945 sind 12'000 Objekte, 150 Laufmeter Aktenarchive und 11'000 Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zusammengekommen, wie die Nachrichtenagentur sda berichtete.

"Verbaslert": Eine Gelegenheit einfach aufgegeben

Besonders betroffen zeigte sich der Basler SP-Grossrat Claudio Miozzari. Er hatte bis vor sechs Jahren selbst für das Museum gearbeitet, in vergangener Zeit aber kaum mehr hinter die Kulissen blicken können. In einem Tweet schrieb er nach Bekanntwerden der Schliessung: "Verbaslert!". Was heisst, dass man eine Gelegenheit sausen gelassen hatte.

"Dass das Schweizer Sportmuseum in Basel keine grosse Zukunft hat, ist nicht ganz neu", sagt Miozzari. "Der Überlebenskampf neigte sich bereits dem Ende zu." Er könne allerdings nicht beurteilen, wie realistisch die Weiterführung der Sammlung auf Bundesebene sei. "Man muss aber klar sehen: Das Sportmuseum ist schlicht das Archiv des Schweizer Sports."

Es wird ernst fürs Historische Museum Basel

Als Grossrat erwäge er nun einen Vorstoss oder zumindest eine informelle Anfrage, ob es für das Staatsarchiv oder das Historische Museum nicht wichtig wäre, bestimmte Teil der Sammlung mit Baselbezug wie beispielsweise die frühen FCB-Bilder im Notfall zu retten. Damit nimmt Miozzari eine Idee auf, die gegenüber der bz bereits geäussert wurde: Dass das Historische Museum in die Bresche springen möge.

Dort ist man mit Zusagen derzeit noch vorsichtig. Denn Übernahmen ganzer Konvolute von Museen hängen von einem Regierungsratsbeschluss ab. Einzelne Exponate mit Bezug zu Basel könnten hingegen in die Sammlung übernommen werden: "Wir hoffen aber nach wie vor, dass die Sammlung des Schweizer Sportmuseums erhalten wird oder zumindest in der Schweiz bleibt", sagt Manuel Eichenberger, kaufmännischer Direktor des Historischen Museums Basel.

Gedämpftere Stimmung beim Kanton

"Wir bedauern sehr, dass das Museum schliessen muss", so Eichenberger. Was mit Exponaten geschehe, hänge stets von der rechtlichen Lage ab. Grundsätzlich kann aber alles passieren, also auch eine Auktion: "Das ist ein grundsätzliches Thema bei Schliessungen von Institutionen dieser Art."

Beim Kanton klingt das Bedauern etwas gedämpfter: "Wir bedauern, dass das Sportmuseum für sich keine tragfähige Form für die Zukunft gefunden hat", wie es Sonja Kuhn, Co-Leiterin der Abteilung Kultur beim Präsidialdepartement, formuliert. Der Kanton hatte beschlossen, dass er dem Museum keine Gelder mehr zur Verfügung stellen will.

Über die definitive Schliessung sei die Abteilung Kultur via die Medienmitteilung vom Donnerstagmorgen informiert worden. Was eine allfällige Übernahme von hiesigen Exponaten angeht, hält es Kuhn ebenfalls knapp: "Die kantonalen Museen sind autonom zu entscheiden, was sie in ihre Sammlungen übernehmen möchten."