Margarethenstich
Sparzwang der BVB könnte zum Stellenabbau führen

In der letzten Leistungsvereinbarung hat die Regierung den Basler Verkehrsbetrieben einen deutlichen Sparauftrag mitgegeben. Sie stehen daher unter Druck. Weil ein Stellenabbau nicht mehr auszuschliessen ist, schlagen die Gewerkschaften Alarm.

Ben Rosch und Samuel Hufschmid
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Die neuen Flexity-Trams belasten die Belegschaft zusätzlich.

Die neuen Flexity-Trams belasten die Belegschaft zusätzlich.

Kenneth Nars

«Künftig werden die BVB noch stärker den Spardruck des Kantons spüren. (...) Sparen wollen wir aber nicht auf dem Buckel der Mitarbeitenden, sondern mit ihnen zusammen Verschwendungen aufspüren und vermeiden.» Das schrieb Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal erst vor wenigen Monaten im Vorwort des neusten Geschäftsberichts. «Jobabbau ist ein Thema» sagt er in der heutigen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» – allerdings «nur über natürliche Fluktuation».

«Zudem wird bei einer Stellenvakanz eingehend geprüft, ob diese 1:1 wiederbesetzt werden muss», heisst es von der offiziellen Medienstelle. Der Grund ist klar: Die Regierung hat in der letzten Leistungsvereinbarung den Basler Verkehrsbetrieben einen deutlichen Sparauftrag mitgegeben. Im Rahmen eines Programms will das Unternehmen die Vorgaben noch übertreffen und die Effizienz steigern. «Das entspricht einem einzusparenden Volumen von rund 20 Millionen Franken beziehungsweise 20 Prozent der effektiv beeinflussbaren Kosten in fünf Jahren», sagt Blumenthal zur «Bilanz».

Japanisches Change Management

Intern läuft das Programm unter dem Namen «Avanti», wie schon vor etwa zwei Jahren bekannt wurde. Der Mann hinter «Avanti»: Erich Lagler. Der BVB-Direktor wurde explizit dafür geholt, die Sparschraube anzuziehen. Einen Namen machte er sich durch seine Sparkur bei den SBB. Seine Philosophie: Kaizen, eine japanische Form des Change Managements. In einem früheren Artikel in der bz beschrieb ein ehemaliger Mitarbeiter von Lagler den Prozess so: «Was er hinterlassen hat, war ein Desaster. Da wurde der Stolz von hoch qualifizierten Facharbeitern gebrochen, den Mitarbeitern die Würde genommen.»

Gewerkschafter Matthias Scheurer vom VPOD begleitete «Avanti» genau, per 1. November wurde er pensioniert. Er will nicht bestreiten, dass bei den BVB grundsätzlich gespart werden könne. «Sollte aber im Fahrdienst, in der Infrastruktur oder in der Werkstatt gekürzt werden, wäre dies ein mörderisches Programm, eine Katastrophe.» Darauf deuten aber die Antworten der BVB hin auf die Frage, in welchen Bereichen gespart werden soll: «Von einer natürlichen Fluktuation sind grundsätzlich alle Bereiche betroffen. Aufgrund der Altersstruktur wird es in den nächsten Jahren vor allem in den Bereichen Betrieb und Technik zu einer markanten Anzahl von Pensionierungen kommen.» «An der Basis laufen die Leute aber bereits am absoluten Limit», sagt hingegen Scheurer. Das Beseitigen von Kinderkrankheiten der neuen Flexity-Trams führe bereits jetzt zu Überstunden. In den genannten Bereichen seien die Verkehrsbetriebe personell chronisch unterdotiert. Ein Drämmler, der anonym bleiben will, bestätigt diese Informationen gegenüber der bz.

«Hirn- und kopflos»

Scheurer nennt den Sparauftrag der Regierung «hirn- und kopflos» und macht für die Bredouille einen Schuldigen aus: «Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels hat diese Situation herbeigeführt.» Der Grund dafür liege im Margarethenstich. Bei der Erschliessung des Leimentals durch die Linie 17 wurden gemäss Scheurer Millioneneinnahmen der BVB verschenkt. «Die BLT hat eindeutig geschickter verhandelt, indem sie schon 2013 klargemacht hat, dass sie alleine für den Betrieb zuständig sei.» Im einen Faktenblatt stellte das Transportunternehmen klar: «Gemäss Staatsvertrag kommen die Verkehrseinnahmen, welche die BLT auf dem Boden von Basel-Stadt erwirtschaftet, vollumfänglich dem Kanton Basel-Stadt zugute.» Was nicht gesagt wurde: Dieses Geld geht zwar an den Stadtkanton, nicht aber an die BVB. Das fehlende Geld verschärft die finanzielle Situation zusätzlich zu den Sparvorgaben. Vorausgesehen hat dies Uvek-Präsident Michael Wüthrich. Der Grüne stellte sich in der Grossrats-Debatte ungern gegen Wessels, sagte aber «Der Preis, den wir hier bezahlen, ist sehr hoch. Wir wollen, dass das Gleis gebaut wird, aber wir wollen nicht unser eigenes Unternehmen schädigen.»

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