Basel Stadt

Skelette unter den Bijouterien: Warum unter der Freien Strasse makabere Funde schlummern

Ein Skelett von der Freien Strasse.

Ein Skelett von der Freien Strasse.

Laut der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt wurden unter der Freie Strasse Überreste gefunden. Die Skelette stammen vom mittelalterlichen «Spital an den Schwellen», das früher unter der Freien Strasse stand.

Seit Hunderten Jahren liegen sie unter der teuersten Strasse Basels: Menschliche Skelette, unbemerkt von den Tausenden Passanten, die täglich durch die Freie Strasse schlendern. Nun wurden die Überreste bei Elektrizitäts- und Werkleitungsarbeiten gefunden, wie die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt mitteilt.

Gemäss den Experten gehören die Toten wohl zum mittelalterlichen «Spital an den Schwellen», das früher im Bereich der Barfüssergasse und der Freien Strasse stand.

Wo heute Shoppende in teuren Bijouterien einkaufen, versuchten ab dem Jahr 1265 bedürftige Basler, mit den knappen Mitteln der damaligen Medizin dem Tod zu entkommen. Es handelte sich um das erste Spital der Stadt. Sind die Skelette tatsächlich Überreste mittelalterlicher Spital-Patienten, sind sie ohne jeglichen Besitz gestorben. Kranke mussten beim Eintritt ins Spital ihr ganzes Eigentum abgeben. Überlebten sie, bekamen sie ihr Hab und Gut zurück. Starben sie, ging ihr Besitz ans Spital über. Ohnehin stand das Krankenhaus aber nur Bedürftigen offen, wie aus dem Basler Stadtbuch hervorgeht, welches dem Spital ein Kapitel widmet. Reiche liessen sich damals zu Hause gesund pflegen. Durch den Eigentumsübertrag kam das Spital an Grundbesitz, Häuser und an Zinsen aus landwirtschaftlichem Eigentum. Erhaltene Rechnungsbücher zeigen Erträge aus Getreide- und Weinverkauf sowie aus Holzschlägen. Zudem flossen dem Spital städtische Einnahmen zu sowie Spenden diverser Opferstöcke in Kirchen oder zusammengebettelte Almosengelder.

Das Spital wuchs über die Jahrhunderte, sodass es schliesslich mehrere Gebäude umfasste. Über die Häuser verteilten sich unter anderem der Krankensaal, Wirtschaftsräume, eine Meisterstube, Aufenthaltsräume für Dienstboten sowie ein «Narrenhäuschen» und ein «Gehörlosenhäuschen». Mit der Spitalkirche bildeten sie einen viereckigen Hof am heutigen Ort des Luxusshoppings. In dem Hof stand ein Brunnen, wo Fische für den Verzehr aufbewahrt wurden.

Allzu hygienisch schien das mittelalterliche Spital nicht gewesen zu sein. Laut der Website «Basler Bauten» stiftete im Jahr 1409 ein Hans Wiler dem Spital 200 Pfund mit der Bestimmung, dass fortan alle Kranken im Winter jeden Monat und im Sommer alle zwei Wochen mit frisch gewaschenen Leintüchern zu versehen seien.

Bis 2023 könnten neue Funde aus der Freie Strasse zum Vorschein kommen. Laut der Archäologischen Bodenforschung sind Rettungsgrabungen mittelalterlicher und römischer Zeitstellung eingeplant.

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