Coronavirus

Seine Soldaten stehen jetzt an vorderster Front – Oberstleutnant Beat Kopp: «Die Situation ist eine mentale Belastung»

Kommandant Beat Kopp: «Wir entlasten das Fachpersonal, damit sich diese auf die komplexen Fälle konzentrieren können.»

Kommandant Beat Kopp: «Wir entlasten das Fachpersonal, damit sich diese auf die komplexen Fälle konzentrieren können.»

Es gilt als Sensation: Die Schweizer Armee hilft mit dem grössten Truppenaufgebot seit dem Zweiten Weltkrieg in der Coronakrise mit. Oberstleutnant Beat Kopp vom Spitalbataillon 5 erzählt von der Herausforderung und Belastung, der sich die Soldaten gegenüber sehen.

Herr Kopp, die Schweiz und die Region wurde von der Heftigkeit der Corona-Krise überrascht. Wie lange hatten Sie Zeit, sich auf Ihren Einsatz vorzubereiten?

Beat Kopp: Grundsätzlich muss unser Bataillon innerhalb von 72 bis 96 Stunden einsatzbereit sein. Die offizielle Mobilmachung unserer Truppen war am 16. März, also zur gleichen Zeit wie auch der WK begonnen hätte. Die Planung vom aktuellen Einsatz begann aber schon einige Wochen davor. Wir haben mit den Ärzten Kontakt aufgenommen und abgeklärt wer einrücken kann und wer nicht. Personen mit Krankheitssymptomen etwa wurden nicht eingezogen.  

Welche medizinische Ausbildung haben die Soldaten in Ihrem Bataillon?

Alle Soldaten im Bataillon haben die Spitalrekrutenschule besucht. Je nach Alter haben sie schon mehrere Wiederholungskurse absolviert. Die Soldaten, die momentan im Gesundheitswesen eingesetzt werden, haben aber keinen medizinischen Hintergrund. Das hat auch seinen Grund, das Fachpersonal soll den Spitälern ja nicht weggenommen werden.

Wo werden die Soldaten im Moment in Basel-Stadt eingesetzt?

Einerseits helfen wir beim Patiententransport, das heisst beim Verlegen von Patienten in ein anderes Spital. Das passiert momentan, um Spitäler für Covid19-Patienten freizumachen. In den Spitälern selbst übernehmen wir vor allem sogenannte Low Level Care Patienten, die nicht auf komplexe Pflege angewiesen sind. Als drittes helfen wir den Spitälern bei der Triage, und den Abstrichen bei Verdachtsfällen. In der Region Basel unterstützen wir momentan den Sanitätsdienst und den Transport.

Das heisst die Soldaten werden nicht in erster Linie dazu eingesetzt, sich um Coronapatienten zu kümmern?

Nein, der Grossteil der Soldaten ist in der Grundpflege tätig. Das macht in der momentanen Situation auch Sinn. Wir entlasten das Fachpersonal, damit sich diese auf die komplexen Fälle konzentrieren können.

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Uniformierten und dem zivilen Pflegepersonal?

Die Zusammenarbeit läuft in den allermeisten Fällen sehr gut. Wichtig ist, dass die Einführung gut aufgegleist wird, das heisst, dass von Anfang an klar gemacht wird, wo der Bedarf nach Hilfe besteht. Auch ist es wichtig, dass vor Ort die Kompetenzen der Soldaten nochmals abgeklärt werden. Es wird also geschaut, wo sie eventuell noch geschult werden müssen, damit sie auch wirklich fit für den Einsatz sind.

Mit welchen Herausforderungen haben Sie zu kämpfen?

Die Soldaten im Einsatz können teilweise lange nicht nach Hause. Wir wollen nicht, dass unsere Leute in der ganzen Schweiz herumfahren, deshalb bleiben sie auch über das Wochenende vor Ort. Die Liebsten über eine längere Zeit nicht sehen zu können, ist eine mentale Belastung. Es ist eine angespannte Situation aber wir müssen versuchen, damit klarzukommen, um unseren Dienst an der Bevölkerung zu leisten.

Ihre Truppe ist stark exponiert. Wie schützen Sie sich?

In der Kaserne haben wir zum Glück eine relativ gute Infrastruktur, was das Einhalten der BAG-Massnahmen erleichtert. Es ist und bleibt aber eine Herausforderung. Gerade in der Armee ist man ein naher Umgang gewohnt, wir müssen jetzt unseren Mindset ändern. Haben wir mit Infizierten zu tun, treffen wir in Absprache mit den zivilen Partnern die nötigen Massnahmen und tragen die nötige Schutzausrüstung. Das ist aber nur in sehr wenigen Einsätzen der Fall.

Wie reagieren die Patienten, wenn sie plötzlich von Soldaten betreut werden?

Die Reaktionen sind durchwegs positiv, das ist auch für unsere Soldaten sehr motivierend. Die Patienten freuen sich in der Regel mal ein anderes Gesicht zu sehen. Zudem haben wir auch mal eine Minute länger Zeit, um mit den Patienten zu reden.

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