Uneinigkeit
Scientology: Religion oder nicht, das ist hier die Frage

Die Frage, ob Scientology eine Religion ist, ist offenbar nicht so einfach zu klären und beschäftigt Wissenschaft und Gerichte schon seit längerer Zeit.

Lukas Meili
Merken
Drucken
Teilen
Das neue Scientology-Zentrum in Basel.

Das neue Scientology-Zentrum in Basel.

Wenn in Frage gestellt wird, ob Scientology überhaupt eine Religion sei, wird man von deren Medienstelle immer auf «verschiedene Bundesgerichtsurteile» verwiesen – so hat es auch Mediensprecherin Annette Loeffler gegenüber der bz wieder gesagt. Tatsächlich schliesst die höchste richterliche Instanz der Schweiz in einem Urteil von 1999 nicht a priori aus, dass Scientology als eine religiöse Vereinigung angesehen werden kann.

Den Prozess, der dazu geführt hat, hat die Sekte gegen die Stadt Basel geführt. Mitte der 90er-Jahre wurde die Basler Regierung per Motion dazu beauftragt, ein Gesetz auszuarbeiten, das es Personen «mit offensichtlich und erwiesenem sektiererischem Verhalten verbietet, mit aggressiven, suggestiven und rücksichtslosen Methoden neue Anhängerinnen und Anhänger auf öffentlichem Grund zu rekrutieren.» Das Vorhaben war direkt gegen Scientology und deren aggressive Mitgliederwerbung gerichtet.

Juristen sagen Ja und Nein

Gegen Artikel 23a des Basler Übertretungsstrafgesetzes, der aus der Motion hervorging, zog Scientology bis vors Bundesgericht. Die Organisation blitzte ab. Im Urteil heisst es sogar: «An der Qualifikation von Scientology als Religion können jedoch Zweifel bestehen angesichts der psychologischen Methoden, die Scientologen propagieren». Zudem würden Leistungen und Güter gegen Bezahlung «als religiöse angeboten werden», obwohl dieselben auch «auf dem Markt der nicht religiösen Güter und Dienstleistungen erhältlich» seien. Dennoch aberkennt das Bundesgericht in seinem Urteil der Organisation den religiösen Status eben nicht – was von Scientology seither anscheinend als eine indirekte Bestätigung interpretiert wird.

Neben der juristischen gibt es noch eine religionswissenschaftliche Komponente. So begründen die Basler Behörden ihren Entscheid, Scientology rechtlich als religiöse Gemeinschaft zu behandeln, unter anderem mit der Haltung der Forschungsstelle für Recht und Religion der Universität Basel. Die Plattform setzt sich auf wissenschaftlicher Basis mit rechtlichen und religiösen Fragen auseinander. Ihr gehören etwa der Rechtsprofessor Felix Hafner und der Religionswissenschaftsprofessor Jürgen Mohn an.

Auch die Wissenschaft hadert

Dieser liess der bz ein Papier zukommen, auf dem er die Haltung der Forschungsstelle zu Scientology aus religionswissenschaftlicher Sicht erläutert. Demnach wird eine Organisation als Religionsgemeinschaft gefasst, wenn sie eine «geschlossene Gemeinschaft» aufweist, die der Welt «einen eigenen Sinn» unterstellt, diesen Sinn «entsprechend ihrer Überzeugungen propagiert und an den ihre Anhänger glauben».

Auf dieser Grundlage würde Scientology als religiöse Gemeinschaft gelten. «Wenn eine Gruppierung in diese Definition fällt, heisst das aber noch lange nicht, dass eine Anerkennung im politisch-rechtlichen Prozess zwingend wäre», schreibt Mohn in dem Papier.

Offenbar tut sich sogar die Religionswissenschaft schwer mit einer einheitlichen Definition ihres eigenen Forschungsgegenstands – eine solche existiere nämlich nicht. Einig sei man sich lediglich darin, dass eine Definition bloss die formalen Charaktereigenschaften von Glaubensgemeinschaften beinhalten könne, und nicht deren Inhalte. «Über Glaubensinhalte und ob diese gut und vertretbar sind oder nicht, kann die Wissenschaft nicht befinden», heisst es in dem Paper.