Basel
Schwimmen im Rhein im Oktober - ein Selbstversuch

Kommissär Hunkeler, der Held aus den Krimis von Hansjörg Schneider, macht es vor: Schwimmen im Rhein, wenn es nicht mehr heiss ist. Ein Selbstversuch zeigt: Oktober schwimmt es sich im Rhein tatsächlich nicht viel anders als im August.

Amos Kuster
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Während das Thermometer 10 Grad Lufttemperatur anzeigt, fliesst der Rhein noch immer mit 16,5 Grad um seine Basler Biegung. bz-Mitarbeiter Amos Kuster stürzt sich in die Fluten.

Während das Thermometer 10 Grad Lufttemperatur anzeigt, fliesst der Rhein noch immer mit 16,5 Grad um seine Basler Biegung. bz-Mitarbeiter Amos Kuster stürzt sich in die Fluten.

Juri Junkov

Das Wochenende hat für einen ordentlichen Temperatursturz gesorgt. Die kurzen Hosen sind gegen Winterjacken getauscht worden. Wenn es plötzlich zehn Grad kälter ist, glaubt man sich am Boden alles Möglichen angekommen und vergisst, dass es bis zum Gefrierpunkt noch einmal deren zehn sind, und es in unserer Gegend durchaus auch noch kälter werden kann.

Wasser ist wärmer als die Luft

Während das Thermometer am Sonntagmittag 10 Grad Lufttemperatur anzeigte, floss Rhein noch immer mit gemütlichen 16,5 Grad um seine Basler Biegung. Es waren die Hitzewochen im August, welche die Kleinbasler Schwimmzone wie ein Stecknadelkissen aussehen liessen. Wenn damals die Aussentemperaturen um die 30 Grad betrugen, erschöpften sich die Spitzenwerte der Rheintemperatur bei etwa 22Grad.

Dem rechnerisch Begabten fällt nun auf, dass dieses Wochenende der Rhein etwa im gleichen Masse wärmer war als die Lufttemperatur, wie er im August kühler war als die Lufttemperatur.

Tatsächlich erweist sich ein Bad bei der Kaserne als frische Sache. Etwa so, wie wenn Kinder in der Badi kalt duschen, bevor sie ins Wasser springen. Nach einigen Momenten «Eintrittsschock» schwimmt es sich im Oktober nicht viel anders als
im August. Nur die Aufmerksamkeit von Uferseite zeigt deutlich erhöhte Werte. Noch einmal anders wird sich die Lage in den kommenden Monaten präsentieren. Letzten Dezember betrug die Tiefsttemperatur 3,9 Grad. Das sind nur wenige Grad mehr als die Wassertemperatur zum Zeitpunkt des Untergangs der RMS «Titanic» 1912.

Gut für das Immunsystem

Dem so genannten Winter- oder Eisschwimmen wird eine positive Wirkung auf die Gesundheit nachgesagt. So sollen nicht nur das Immunsystem und die Wärmeproduktion gestärkt, sondern sogar rheumatische Beschwerden durch den Aufenthalt im kalten Wasser gelindert werden. Diese positiven Wirkungen hängen aber stark von der Regelmässigkeit ab, mit der sich ein Schwimmer ins kalte Nass traut. Bei einmaligem Eintauchen des nicht gewöhnten Körpers in kaltes Wasser können im Gegenteil Kreislaufstörungen und Unregelmässigkeiten im Muskeltonus auftreten.

Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) betont ausdrücklich das Gefahrenpotenzial von kühlen Gewässern. Da Unterkühlung schnell zu Muskelkrämpfen führen kann, empfiehlt sie, die Dauer des Aufenthalts in einem Gewässer dessen Temperatur anzupassen. Es gilt also: Ist es kalt im Rhein, geh
bald wieder raus. Auch im Winter gelten alle üblichen Sicherheitsregeln für das Rheinschwimmen. Und erhöhte Vorsicht gilt den Schiffen gegenüber, deren Kapitäne ihren Ausguck vermutlich nicht in erster Linie auf Winterschwimmer eingeschworen haben.

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