Fantasy Basel

Schwert, Maske und VR-Brille: Der ganz normale Wahnsinn am Messeplatz

Die Fantasy Basel zog während drei Tagen die Fans von Animationsfilmen- und Games in ihren Bann. Kostümiert als ihre Helden strömten sie in die Messehalle.

«Willst du an die Fantasy Basel und darüber schreiben?», wurde ich gefragt. «Ja klar, Fantasy klingt doch gut», dachte ich mir. Zugegeben, ich wusste nicht, was mich dort genau erwarten würde. Animationsfiguren haben bei mir eher weniger Superheldenstatus.

Umso mehr stürze ich mich an diesem prächtigen Samstagnachmittag mit Neugier in die Rundhofhalle, wo mir und Tausenden anderen Besuchern die dritte Fantasy Basel auf drei Etagen die ganze Palette der Fantasy-Welt vor Augen führt.

Sicherheits- und Waffenkontrolle

Meine Vorahnung wird nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Doch bevor ich mich auf den drei Stockwerken zurechtfinden kann, überfährt mich ein minutenlanges Staunen. Kostümierte Menschen, grell leuchtende Bildschirme und unzählige Gamestationen überfordern mich mit Eindrücken.

Fantasy 2017: Cosplayer erobern die Messe Basel

Fantasy 2017: Cosplayer erobern die Messe Basel

Die Cosplay-, Comic- und Game-Fans nehmen Basel in Beschlag.

An einem Hintereingang müssen die ganz wild Kostümierten durch die Sicherheitskontrolle. Wer weiss schon, was sich unter der Maske verbirgt? Gleich danach folgt die Waffenkontrolle. Wird deren Unechtheit festgestellt, wird sie markiert und hineingelassen.

Waffen sind ein wichtiges Utensil an dieser Fantasy-Messe. Ob als Schusswaffe, Schwert oder Messer. Es wird kein Detail ausgelassen, um den Game- und Filmfiguren zu entsprechen.

Neun Monate Arbeit

Und die Kostüme werden bestaunt und vor allem fotografiert. Die ganz Aussergewöhnlichen werden gleich mehrfach um ein Foto gebeten. Und sie tun es gerne, das ist jeweils sichtbar. «Es ist schon so etwas wie der Lohn für die unzähligen Stunden, die man ins eigene Kostüm investiert hat, wenn die Leute Freude an einem haben und Fotos machen», gibt Daniel Studer aus Uster zu, der die Messe als Deathstroke, einem Bösewicht aus Batman, unsicher macht.

Während rund neun Monaten habe er immer wieder an seinem Kostüm in der Garage gearbeitet. «Die Besucher hier sind alles Experten. Sie kennen die Charaktere und haben einen persönlichen Bezug zu ihnen. Das macht es natürlich umso spannender, sich selber in einen dieser Charaktere zu verwandeln.

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Einen an der Waffel haben

So geht es auch Franziska Wernli aus dem Jura, die als Anime die Blicke auf sich zieht. Mit dem Kostüm könne sie sich so ausdrücken, wie sie sich gerade fühle. «Es hat etwas von Freiheit, einmal jemand anderes zu sein.» Die 37-Jährige gibt zu, dass eine Spur Verrücktheit dazu gehört. «Umso mehr, umso besser», sagt Franziska Wernli lachend.

Während die meisten die Messe nur einen Tag besuchen, sind «BT» und «PAD», wie sich die zwei Star-Wars-Helden selber nennen, gleich an allen drei Tagen hier. «Ich bin ein absoluter Nerd», stellt PAD gleich zu Beginn klar. Sie geniessen beide die «wunderbar gemütliche Atmosphäre» unter Ihresgleichen an der Fantasy Basel und meinen scherzhaft: «Sind wir ehrlich, man muss für das hier schon einen an der Waffel haben.»

Kino ohne Leinwand

Die Fantasy Basel ist aber weit mehr als eine Messe für Selbstdarsteller aus der Fantasiewelt. Es ist auch ein kommerzieller Anlass, an dem sich die Anbieter von Computerspielen und Animationsfilmen präsentieren. Auch Fanartikel und Kostümutensilien gibt es zu kaufen. Dazu geben professionelle Näherinnen Tipps für das Herstellen eigener Kostüme.

Die Fans belagern die Stände. In einer abgetrennten Ecke läuft gerade ein Kinofilm. Doch eine Leinwand ist nirgends zu sehen. Dafür haben alle Kinogänger überdimensionale Brillen auf, durch die sie ganz für sich alleine einen Animationsfilm schauen. Virtual Reality Cinema sagt man dem im Jargon.

Cosplay als Königsdisziplin

An den Abenden findet sich die grosse Publikumsmasse im obersten Stockwerk vor der grossen Bühne ein, wo die Königsdisziplin der Animationswelt, die Cosplays stattfinden. Stars der Szene und solche, die es gerne werden möchten, zeigen in ihren Kostümen kurze Aufführungen. Die Amateure hoffen, hier entdeckt zu werden. Denn gesehen werden ist an der Fantasy Basel fast noch wichtiger als selber sehen.

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