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Schwabe mit neuem Besitzer – Mediziner übernimmt beim Basler Traditionsverlag

Der schweizerisch-deutsche Mediziner Professor Ludwig T. Heuss hat die Aktienmehrheit des Druck- und Verlagsunternehmens übernommen

Christian Mensch
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Ludwig T. Heuss

Ludwig T. Heuss

ZVG

Der Basler Schwabe Verlag steht im Umbruch. Ruedi Bienz, langjähriger Inhaber und Geschäftsführer des Verlagshauses mit 500-jähriger Tradition, übergibt die Geschäfte schrittweise seinem Nachfolger Ludwig T. Heuss. Seit 2015 ist Heuss stiller Teilhaber, am traditionellen Verlagsanlass von kommenden Donnerstag wird er erstmals als Mehrheitsaktionär das Wort ergreifen. Bienz sagt, er werde dem Unternehmen weiter beratend zur Verfügung stehen und Aktionär bleiben.

Heuss trägt als zweiten Vornamen Theodor nach seinem Grossvater Theodor Heuss, dem ersten deutsche Bundespräsidenten. In dieser Rolle ist Heuss in Deutschland eine Person des politischen Lebens. Aufgewachsen in Lörrach ging Heuss in Basel zur Schule und studierte hier Medizin. Als Arzt hält er eine Professur an der Universität Basel und ist Chefarzt im Zürcher Spital Zollikerberg. Heuss ist allerdings auch Erbverwalter seines Grossvaters. Er präsidiert die Theodor-Heuss-Stiftung und sitzt im Kuratorium der einflussreichen deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung, die der FDP nahesteht.

Der Kontakt zum Schwabe Verlag entstand über die «Ärztezeitung». Heuss präsidierte den Vorstand des medizinischen Fachblattes, das dem Ärtzeverband FMH gehört, und vom Schwabe Verlag herausgegeben wird. Als Heuss vor drei Jahren bei der «Ärztezeitung» ausstieg, engagierte er sich finanziell am Schwabe Verlag. Gemäss Bienz wird Heuss seine ärztliche Tätigkeit reduzieren um zusätzliche Aufgaben beim Schwabe Verlag übernehmen zu können.

Bis zur operativen Übernahme durch Heuss wird der Verlag umgebaut. So sollen die einzelnen Geschäftsbereiche personell gestärkt und eigenständiger werden. Zum Umbau gehört eine Reduktion des Druckbereichs, in dem kürzlich acht Kündigungen ausgesprochen werden mussten, wie das «Regionaljournal» berichtete. Ein Umsatzrückgang steht etwa dadurch in Aussicht, dass ab kommendem Jahr das Basler Kantonsblatt nicht mehr in gedruckter Form erscheint. Auf Mitte Mai hat Schwabe bereits die Buchhandlung «Narrenschiff» geschlossen, die nach dem Umzug an die Heuwaage nicht rentierte. Bienz sagt, bei den engen Margen würden Quersubventionierungen zwischen den einzelnen Sparten immer schwieriger.

NZZ Libro kommt nach Basel

Eine Erfolgsmeldung konnte Schwabe am Montag kommunizieren: Die Basler übernehmen in Lizenz von der NZZ-Gruppe den Buchverlag «NZZ Libro». Die Übernahme sei schon seit längerer Zeit in Vorbereitung gewesen, sie habe sich jedoch durch den Führungswechsel an der Spitze der NZZ verzögert, sagt Bienz. NZZ-Vertreter würden zwar in einer Programmkommission vertreten sein, die Programmgestaltung werde jedoch ausschliesslich in der Verantwortung des Schwabe Verlages liegen, der auch das Personal übernimmt.
Weiteres Wachstum sei nicht das Ziel, Angebote würden jedoch geprüft, sagt Bienz. Der Entscheid läge dann jedoch bei Ludwig T. Heuss.

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