Gutachten

Schuldunfähig, keine Reue, keine Empathie: Frau, die in Basel den 7-Jährigen tötete, soll verwahrt werden

Die 75-Jährige, die im März den 7-jährigen Jungen auf seinem Schulweg erstochen und getötet hat, sei schuldunfähig. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Basler Staatsanwaltschaft. Der Fall kommt nun vor Gericht, eine Verwahrung wird beantragt.

Der Mord am 7-jährigen Ilias sorgte vergangenen März schweizweit für grosse Betroffenheit und Anteilnahme. Der Bub war auf dem Nachhauseweg von der Schule niedergestochen worden und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Noch gleichentags stellte sich eine 75-jährige Frau den Behörden mit dem Messer in der Hand. Bereits nach der Tat hatte sie die Tötung in mehreren SMS gestanden.

Was lange vermutet wurde, ist nun amtlich: Die mutmassliche Mörderin von Ilias ist geistig schwer krank. Ein psychiatrisches Gutachten attestiert ihr Schuldunfähigkeit. Dies erklärte die Basler Staatsanwaltschaft gestern nach Abschluss der Ermittlungen. Die Frau wird wegen Mordes angeklagt, dafür muss die Tat laut Strafgesetzbuch besonders skrupellos sein. Angesichts der Schuldunfähigkeit der Frau beantragt die Staatsanwaltschaft, dass sie verwahrt wird. Das heisst, sie käme in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Dort würde in regelmässigen Abständen überprüft, ob sie noch eine Gefahr darstellt.

Psychische Erkrankung steigerte sich über Jahre

Faktisch dürfte dies bedeuten, dass die Frau, die seit der Tat im Untersuchungsgefängnis Waaghof sitzt, für den Rest ihres Lebens weggesperrt wird. Sie wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach psychiatrisch begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten «eine andauernde und wahnhafte Störung», aufgrund derer sie als «vollständig unzurechnungsfähig» eingestuft werden müsse. Die Störung sei kaum behandelbar, zeige eine zunehmende Verschlimmerung, und sie habe eine schlechte Prognose für den weiteren Verlauf. Im laufenden Verfahren hatte sie sich gegen eine erneute Begutachtung gewehrt.
Recherchen dieser Zeitung zeigten im Sommer, dass sich die psychische Erkrankung der mutmasslichen Täterin über mehrere Jahrzehnte entwickelt und verstärkt hat.

Ursprung war offenbar ein Konflikt der Frau und ihres mittlerweile verstorbenen Partners in den 1970er Jahren im Baselbiet. Das Paar sprach von einer «Justizkorruptionsaffäre» und versuchte auch auf politischem Weg, sich Gehör zu verschaffen. Ein Urteil aus dem Jahr 1977 habe sie «wahnhaft interpretiert» geht aus den Justizakten hervor.

Täterin zeigt weder Reue noch Empathie

Trotz ihres fortgeschrittenen Alters schrieb sie in den vergangenen Jahren offenbar noch immer reihenweise Eingaben an Behörden, «in denen sie zunehmend klare Drohungen hinsichtlich einer jederzeit zu erwartenden Gewalttat äusserte», hielt ein Gutachter fest. Trotz der deutlichen Alarmsignale gab es für die Behörden offenbar keine Handhabe, vorzeitig einzuschreiten.

Die Schuld schiebt die Frau offenbar den Behörden in die Schuhe, welche sie zum Mord getrieben haben. Die Frau erachte die Tat «als legitimes Mittel, um auf ihre persönliche Situation aufmerksam zu machen», so Gerichtsdokumente. Gemäss den Akten zeigte sich die Frau im Verfahren in keinster Weise reuig. In den Vernehmungen hatte sie noch versucht, die Tat als Handlung im Affekt darzustellen. Auf ihrem Handy fanden die Ermittler allerdings den Entwurf eines SMS, in dem sie sich schon einen Tag, bevor sie tötete, zur Tat bekannte.

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