Als «Beyoncé der Klassik» wurde die Georgierin Khatia Buniatishvili von den Medien schon bezeichnet. Ihre Vorliebe für knalligen Lippenstift, weite Ausschnitte und sinnliche Posen dürften dafür verantwortlich sein. Doch überzeugt das 30-jährige Ausnahmetalent vor allem mit einer frappierend selbstbewussten Ausstrahlung. Diese Frau weiss nicht nur sehr genau, was sie will; sie kann es in ihren kraftvollen, leidenschaftlichen und fein ausbalancierten Interpretationen auch dem Publikum rüberbringen.

Und sie sucht die grossen Herausforderungen. Technisch scheinen ihr keine Grenzen gesetzt. In nur zwei Wochen soll sie das Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll von Sergej Rachmaninow gelernt haben, an das sich überhaupt nur wenige Pianisten wagen. Unter der Leitung von Paavo Järvi hat sie es eingespielt, die CD ist im vergangenen Jahr erschienen. Auch das Klavierkonzert von Schumann hat sie mit dem estnischen Dirigenten zusammen aufgeführt. Die Aufnahme vom Rheingau Musikfestival (2012) wurde auf Youtube 4,7 Millionen mal angeklickt. Aktuell ist sie mit dem Stück im Gepäck durch die Schweiz unterwegs. Luzern und Vaduz hat sie bereits absolviert.

Unter der Leitung von Mario Venzago und gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel geht es heute in Olten (Stadttheater), morgen in Basel (Martinskirche) und am Freitag in Zürich (Maag-Halle) weiter. Ausserdem auf dem Programm stehen noch Schumanns Ouvertüre zu «Genoveva» und seine dritte Sinfonie, die «Rheinische». Am 2. Mai schliesslich ist sie mit einem Solo-Rezital in der Reihe «Klassik Sterne Rheinfelden» zu Gast.

Khatia Buniatishvilis Karriere ist in den letzten Jahren explodiert. Heute jettet sie um die Welt, spielt in Südkorea, Japan, den USA und natürlich Europa. Ob französisches Frühstücksfernsehen oder deutsche Freitagabend-Talkrunde: Die Wahl-Pariserin, die mittlerweile die französische Staatsbürgerschaft innehat, ist auch ein beliebter TV-Gast. Denn sie sieht nicht nur gut aus, sie ist auch smart und schlagfertig. Ihr sexy Image sei aber keine Marketingmasche. Sie liebe einfach schöne Kleider, beteuert sie und wirkt dabei kein bisschen aufgesetzt. Mit ihrer sinnlichen Ausstrahlung löst sie immer wieder Debatten aus.

Darf man ihre Schönheit überhaupt thematisieren, ohne sexistisch zu sein? Wenn man sie spielen und sprechen hört, erübrigt sich die Frage schon wieder. Sie ist einfach eine Einheit, schön und talentiert. Für wichtige Auftritte lässt sie sich von ihrer Mutter stylen. Diese nähte ihren Töchtern schon in jungen Jahren Kleider, als die Familie noch in Georgien in Armut lebte.

Die ältere Schwester Gvantsa ist nicht nur Pianistin – Khatia und sie treten oft gemeinsam auf – sondern auch ihre beste Freundin und Managerin. Eine Managerin braucht sie, wird Buniatishvili doch gleich von mehreren Agenten vertreten.

«Russland ist eine Diktatur»

Zum Instrument fand sie ganz natürlich, wie sie erzählt: «Das Klavier war bei uns zu Hause einfach da, so wie meine Eltern und meine Schwester da waren. Mit drei Jahren habe ich angefangen zu spielen.» Mit sechs Jahren folgte dann das erste Konzert. Als Kind war ihr Lieblingsstück Mozarts Requiem, ihre Lieblingsautoren Dostojewski und Tschechow. Sie lebte in ihrem eigenen Universum, wie sie erzählt. Und bis heute schafft sie es, dieses Universum durch die Musik, die für sie Meditation und Ekstase bedeutet, wieder zu aktivieren. Ihre besondere Begabung macht sie keineswegs zu einer weltfremden Eigenbrötlerin. Im Gegenteil. Sie handelt sozial und sieht den Bezug zum Menschen im Zentrum ihrer Kunst.

Menschen möchte sie mit ihrer Musik berühren, aber auch durch die Unterstützung humanitärer Projekte in Georgien helfen. Und sie markiert eine klare politische Haltung: «Russland ist eine Diktatur» sagte sie im Interview mit «Paris Match». Auf Facebook jubelte sie noch im Dezember mit «Misha is free» über die Freilassung des georgischen Ex-Präsidenten Saakashvili. Khatia Buniatishvili ist eine Frau mit Prinzipien, die es auch versteht loszulassen: «Auf der Bühne muss man das Ego vergessen.» Sie ist nicht einfach schön und talentiert, sie ist auch ein Vorbild.

 

Heute, 11. Januar, 19.30 Uhr Martinskirche Basel