Stadtentwicklung

Roche reisst den weissen Riegel ab – und plant in Basel drei neue Hochhäuser

Der Pharma-Riese Roche baut seinen Hauptsitz in der Schweiz weiter um. Das dem Rhein zugewandte Südareal an der Grenzacherstrasse wird weitgehend abgerissen und voraussichtlich neu gebaut. Dafür sollen drei neue Hochhäuser entstehen.

Der Hauptsitz von Roche in Basel besticht optisch bereits durch den so genannten Bau 1, das 178 Meter hohe Roche-Hochhaus. Zurzeit befindet sich Bau 2 in Bau, der mit einer Höhe von 205 Metern voraussichtlich ab 2022 den Bau 1 als höchstes Hochhaus der Schweiz ablösen wird. Daneben entstehen zurzeit auf dem Areal nördlich der Grenzacherstrasse weitere Forschungsgebäude.

Jetzt ist auch klar, was mit dem Südareal passiert. Dort will Roche die meisten bestehenden Gebäude abreissen. Stattdessen soll ein Park entstehen – der Raum für drei weitere Hochhäuser schafft. Auf dem Südareal fällt zurzeit architektonisch neben Bau 1 der flache, so genannte Bau 21 auf, worin sich traditionell die Konzernleitung befindet, sowie die «weisse Fabrik» am Rhein, eines der ersten Hochhäuser der Schweiz.

Ein neuer Park statt Produktions-Romantik

Bis auf Bau 1 von Herzog & de Meuron (2015) und Bau 21 von Otto Rudolf Salvisberg (1937) sollen alle alten Gebäude nun weichen, wie Roche-Schweiz-Standortchef Jürg Erismann am Freitagmorgen vor den Medien sagte. Während der laufende Umbau auf dem Nordareal rund drei Milliarden Schweizer Franken kostet, ist noch unklar, wie viel das Vorhaben auf dem Südareal kostet.

Klar hingegen ist, dass Abriss und Entsorgung der alten Bausubstanz aus den 1950er-Jahren mit rund 100 Millionen Franken zu Buche schlagen. Die Arbeiten sollen 2024/25 starten. Beteiligt an der Planung sind erneut die Architekten des Basler Büros Herzog & de Meuron. Sie zeichnen heute schon verantwortlich für den grössten Teil der modernen Bauten auf dem Gelände rund um die Grenzacherstrasse.

Der Roche-Turm und sein weisser Riegel: Die Gebäude an der Wasserfront sollen abgerissen werden, es entsteht ein Park.

Der Roche-Turm und sein weisser Riegel: Die Gebäude an der Wasserfront sollen abgerissen werden, es entsteht ein Park.

Ob und wie die neuen Hochhäuser gebaut werden, ist derweil völlig offen. Klar ist einzig, dass das höchste dieser Gebäude maximal 130 Meter hoch sein soll. Erismann hielt allerdings fest, dass die Vision für das Gelände den Hochhaus-Bau beinhaltet; es wird also damit gerechnet, dass die Bauten kommen könnten.

Was unabhängig davon sicher entstehen soll, ist ein flacheres Gebäude zwischen Bau 1 und Bau 21, das künftig als Empfangszentrum dienen soll. Zurzeit wird ein Bebauungsplan erarbeitet, der in Basel noch durchs Parlament muss. Laut den Roche-Verantwortlichen seien die Gespräche mit der Regierung gut gelaufen, die Pläne zur Verdichtung wurden positiv zur Kenntnis genommen.

Bald alles im Kleinbasel – und ein Standort am Bahnhof

Mit den Neubauten konzentriert Roche zunehmend Arbeitsplätze auf dem Areal, die bislang in der Stadt verteilt waren. «Wir werden einige bestehende Mietverhältnisse auflösen können», sagte Erismann. Trotzdem wolle man langfristig noch am Standort an der Viaduktstrasse beim Bahnhof SBB festhalten; dort befinden sich zurzeit 900 Arbeitsplätze. Insgesamt wird die Zahl an Arbeitsplätzen am Standort Basel von Roche in den kommenden fünf Jahren von 6000 auf 8000 anwachsen. Würden die drei Türme auf dem Südareal gebaut, könnte Roche 10'000 Arbeitsplätze auf engem Raum in Basel anbieten.

Widerstand ist allerdings von heimatschützerischer Seite zu erwarten. Die «weisse Fabrik» von Roland Rohn sowie sein Hochhaus namens Bau 52 gelten als Zeitzeugen der Basler Architekturgeschichte. Erismann lobte den Bau in seiner architektonischen Gesamtform, betonte allerdings, dass das Gebäude viele Auflagen der heutigen Zeit nicht mehr erfülle und dermassen verändert werden müsste, dass das Erscheinungsbild des Gebäudes ohnehin massgeblich anders aussehen würde als es Rohn damals gebaut hatte.

Mit dem Vorhaben öffnet sich Roche gegenüber dem Rhein. Wo bislang eine weisse Front aus Forschungs- und Fabrikationsgebäuden bestand, wird mehr Luft und Durchgang geschaffen. Ob die Parkanlage öffentlich wird, ist allerdings noch nicht sicher. Erismann sagte, dass man eine allfällige Publikumsnutzung in Erwägung ziehen würde. Doch auch ohne diesen Zugang würde die öffentliche Solitude-Anlage neben dem Tinguely-Museum massgeblich an visueller Attraktivität gewinnen.

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