Kultlokal
Rio Bar feiert 40 Jahre «Bim Bambi am Barfi»

Die legendäre Rio Bar am Basler Barfüsserplatz kämpft zum runden Geburtstag mit sinkenden Besucherzahlen. Trotzdem wird am Samstag 7. Oktober gefeiert und auf vergangene und zukünftige Zeiten angestossen.

Martina Rutschmann
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Die legendäre Rio Bar am Basler Barfüsserplatz kämpft zum runden Geburtstag mit sinkenden Besucherzahlen.

Die legendäre Rio Bar am Basler Barfüsserplatz kämpft zum runden Geburtstag mit sinkenden Besucherzahlen.

Zur Verfügung gestellt

Was haben sie gelacht, geflirtet, gestritten. Und getrunken. Täglich sassen sie auf den Holzbänken und auf den Barhockern. Die Stammgäste haben in der «Rio» gewohnt. Wer aufs Klo wollte, musste sich an Leuten im Gang und an jemandem, der am Wandtelefon in den Hörer sülzte, vorbeidrängen. Handys gab es keine, im besten Fall hatte jemand ein Autotelefon. Und wenn Mama was wollte, rief sie in die «Rio» an. Bevor die Barmaid den Hörer abnahm, fragte sie in die Ränge: «Wen soll ich verleugnen?» Das konnte sie nur bis um 17 Uhr tun, danach verstand man kaum noch das Wort des Gegenübers. Je später der Abend, desto schlechter die Sicht. Qualm und Pegel, ein unzertrennbares Paar, das zu Vernebelungen führte und in manchen Betten endete.

Endlich hört man eigenen Song

Nach wie vor begehen Paare ihren Hochzeits-Apéro in die Bar am Barfüsserplatz. Sie wollen dort anstossen, wo sie sich erstmals begegnet sind. Auch gelacht wird noch, gestritten und getrunken. Der Zigarettenrauch aber vernebelt niemandem mehr die Sicht. Und rammelvoll ist die Bar nur noch am Wochenende. Eine Barmaid gibt es nicht mehr – jetzt ist noch eine Person im Service, früher waren es drei. Sparmassnahme.

Doch aufgeben kommt für das Wirtepaar Felix und Verena «Bambi» Bigliel trotz sinkenden Besucherzahlen nicht infrage. Der Laden läuft, wenn auch so, dass man sich meist gut unterhalten kann und den Jukebox-Song, den man gedrückt hat, auch hört. Die «Rio» ist die grosse Liebe der Bigliels – der Nachwuchs steht in den Startlöchern. Es begann 1933. Felix Bigliels Grosseltern, Einwanderer aus Katalonien, übernahmen die Beiz am Barfüsserplatz. Der Vorgänger betrieb im ersten Stock eine «Zupfstube», wo auch Portemonnaies geklaut wurden, weshalb die Polizei das Lokal schloss.

Bigliels Grosseltern gaben der Bar einen neuen Namen und ein neues Image. Spanisch musste es sein, das lag im Trend, denn die meisten Wirte kamen aus Katalonien. Am Barfüsserplatz gab es bereits die «Bodega» und das Restaurant Valencia, der Name «Rio» passte da wunderbar. 1977 übernahmen Felix und Bambi Bigliel die Bar von Felix’ Eltern. Es war die dritte Generation. Geändert hat sich in all den Jahren wenig. Das Wirtepaar liess zwar 1984 die tiefen Holzdecken entfernen und brachte oberhalb der Bar Spiegel an. Der Warenlift, der in den ersten Stock führt, gehört aber seit jeher zum Bild. «Es sollte aber nicht anders aussehen, nur frischer», sagt Felix Bigliel. Nach kleinen Eingriffen sei der Umsatz um ein Viertel gestiegen.

Es waren die goldenen Zeiten – und es ging teils wild zu. Künstler Kurt Fahrner erhielt Lokalverbot, weil er die Holzbänke mit einer Kreissäge zerstören wollte. Auch andere Gäste fielen nicht immer angenehm auf. Die Bigliels waren stets vor Ort. Man ging «zum Bambi», später trugen Wirtin und Team Shirts mit der Aufschrift «Bim Bambi am Barfi». Die älteren Generationen gehen nach wie vor «zum Felix und zum Bambi», die jüngeren aber kennen nur Kellner Gilles. «Wer wir sind, wissen sie nicht», sagt Felix Bigliel. Ihm ist es recht: Seit die beiden die 70 überschritten haben, halten sie sich abends lieber in ihrer Wohnung im ersten Stock des Hauses auf. Gilles und die anderen Mitarbeiter hätten den Laden allein sehr gut im Griff.

Neue Getränke-Trends

Die 36-jährige Tochter Alice Flota-Bigliel ist wie die Eltern im Gastgewerbe tätig. Sie betreut im «Les Trois Rois» Messen und hilft ihrem Mann Olivier Flota in dessen Restaurant Besenstiel. Sobald sich die Eltern zur Ruhe setzen, wird die Tochter die «Rio» übernehmen. Auch sie wird den Charme bewahren. Bloss die Getränkekarte wird sie den Trends anpassen. Bereits jetzt stehen mehrere Gin- und Tonic-Sorten auf der Karte, der Markt verlangt das.

Rauchen aber, das wird man kaum wieder dürfen. Felix Bigliel bedauert dies, er macht das Rauchverbot für das an einigen Abenden halbleere Lokal verantwortlich. Würde in Basel das liberalere Bundesgesetz gelten, wäre die «Rio» ein «kleines Raucherlokal», sagt er. Doch er grämt sich nicht, sondern freut sich, dass der eine oder andere Stammgast dem Lokal treu geblieben ist – und stets neue Gäste dazukommen. Die «Rio» bleibt halt Kult.

Geburtstagsparty: Am Samstag, 7.Oktober, sind «Rio»-Gäste eingeladen, von 17.30 Uhr bis 24 Uhr zu feiern. Das Motto: «Preise wie damals». Eine Stange etwa kostet dann 1.50 Franken.

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