Leitbild bis 2030
Riehener wollen auch zukünftig «zuhause im grossen, grünen Dorf» sein

Der Gemeinderat hat sein neues Leitbild für die Jahre bis 2030 präsentiert. «Zuhause im grossen, grünen Dorf» lautet das Motto – damit will Riehen «ländlich im Charakter – mondän im Geiste» bleiben. Verpflichtend ist das Leitbild allerdings nicht.

Tobias Gfeller
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Riehen will Dorf bleiben, auch wenn es längst die Grösse einer Stadt hat. (Archiv)

Riehen will Dorf bleiben, auch wenn es längst die Grösse einer Stadt hat. (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer

Der Saal des Landgasthofs war mit rund 350 Besuchern fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf der Bühne mit dabei war neben Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos), Vizepräsident Daniel Albietz (CVP) und Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) auch die Familie Glück. Sie stellte symbolisch die Bevölkerung von Riehen dar. Kinder, Erwachsene im Erwerbsalter und Senioren haben unterschiedliche Erwartungen an das politische, kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Leben.

Das neue Leitbild füllt die verschiedenen Bereiche mit Inhalten. Dabei soll Bewährtes erhalten bleiben und Neues sich entwickeln dürfen. «Zuhause im grossen, grünen Dorf» heisst auch deshalb in Anlehnung an das vergangene Leitbild «Das grosse grüne Dorf» das neue Leitbild. Es entstand unter breiter Mitwirkung der Bevölkerung, Parteien und Verbände und soll wiedergeben, wie und womit sich die Menschen in Riehen identifizieren. Das Leitbild gibt den Rahmen vor, ist aber nicht verbindlich, wie Gemeindepräsident Wilde klarmachte. «Natürlich kann es sein, dass sich die Dinge ändern und Entscheide nicht dem Leitbild entsprechen.»

Zehn Prozent weniger Steuern

In ein paar Minuten ist man in Riehen vom Zentrum im Grünen. Dies soll auch so bleiben, betonte Christine Kaufmann. «Wir wollen die Naherholungsräume bewahren. Das ist der Charakter von Riehen und wird auch so geschätzt.» Bauliche Entwicklung, darunter auch Genossenschaftswohnungen, soll im aktuellen Siedlungsgebiet stattfinden. Im neuen Zonenplan wurden gar bestehende Bauzonen ausgezont.

«Damit hat Riehen schweizweit einen Gegentrend gesetzt», wie Daniel Albietz anmerkte. Gemeindepräsident Wilde stellte klar, dass Riehen auch in Zukunft befahrbar bleiben soll – mit dem Auto und dem Velo. Auch damit setze Riehen Gegensteuer – gegen die Stadt Basel. Mit dieser ist Riehen eng verbunden. Der Finanzausgleich zwischen den beiden Körperschaften wird gerade neu ausgehandelt. Das Ziel für Riehen sei es immer, so Wilde, einen rund zehn Prozent tieferen Steuersatz als die Stadt zu haben.

Die Stadt als Dorf

Nicht direkt im Leitbild verankert, für Riehen trotzdem künftig ein wichtiges Thema, sei die Flüchtlingskrise, so Wilde. «Wir wollen zusammen mit dem Kanton und Bettingen Lösungen finden.» Der Gemeindepräsident stellte klar, dass Riehen auch hier eine Rolle spielen wird, erteilte aber möglichen Flüchtlingssiedlungen und einseitigen Zuweisungen eine Absage. Zwei syrische Familien wohnen aktuell in Riehen. Die Gemeinde werde für solche Lösungen weiterhin Hand bieten.

Dieses Vorgehen widerspiegelt den Charakter eines Dorfes, das mit über 20 000 Einwohnern eigentlich schon längst eine Stadt ist. Doch als solche möchten sich die Riehener nicht fühlen. «Ländlich im Charakter – mondän im Geiste», sang Michèle Thommen passend in ihrem Song «Rieche – Grieni Lunge und Kulturstadt». Dieser wurde von einer Jury im Rahmen der Leitbild-Entwicklung zum Riehener Lied erkoren.

Das neue Leitbild ist auf der Gemeindeverwaltung erhältlich und auf der Gemeindehomepage abrufbar.