Jubiläum
Richard Wherlock ist der Chef, den sich jeder wünscht

Das Theater Basel feiert das 15-jährige Dienstjubiläum seines Ballettdirektors Richard Wherlock mit einer Gala. Wherlock schafft es auch nach Jahren noch, in seinen Inszenierungen Raum für das Ausleben von Träumen zu schaffen.

Elisabeth Feller
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Richard Wherlock feiert Jubiläum und seine Tanzmäuse müssen dafür schwitzen.

Richard Wherlock feiert Jubiläum und seine Tanzmäuse müssen dafür schwitzen.

Seraina Oppliger

Er ist ein Mann voll sprühender Energie und ein begnadeter Kommunikator. «Er ist ein Leuchtturm» (Theaterdirektor Andres Beck) sowie «der Chef, den sich jeder wünscht» (eine Tänzerin). Um wen handelt es sich? Richard Wherlock. 2001 kam der Brite von Berlin nach Basel. Dort hat er innert 15 Jahren das Ballett zu einer charismatischen Compagnie geformt, die ebenso beim Publikum und bei Choreografen wie etwa Jirí Kylián, Johan Inger, Mauro Bigonzetti, Rami Be’er oder Stephan Thoss beliebt ist. Und das so sehr, dass sie dem Ballett Basel einige ihrer schönsten Arbeiten anvertraut und für dieses auch neue Choreografien geschaffen haben.

«Basel was the best moment in my life», hat Richard Wherlock vor seinem 10-Jahr-Jubiläum gesagt. Jetzt wurde das 15. am Wochenende gleich zweimal mit einer dreieinhalbstündigen, fast an Wagner-Opernlängen erinnernden Gala gefeiert. 15 Jahre am selben Ort und das in einer globalisierten Welt, für die permanente Ortswechsel selbstverständlich ist – welch eine Konstanz. Damit ist Richard Wherlock der amtsälteste Ballettdirektor der Schweiz. Nicht unbedingt das trefflichste Wort für einen Nimmermüden, der auch ein Mister Smile ist. Schwierigkeiten lächelt Wherlock hinweg; Hürden überwindet er mit pfiffiger Leichtigkeit, was zur Annahme verführt: Tanz ist kinderleicht.

Leichtfüssiger Arbeiter

Natürlich wissen wir, dass dem nicht so ist. Doch bei Richard Wherlock erscheint das so. Nicht umsonst erwecken viele seiner Choreografien im Publikum das Gefühl, ein Feel-Good-Movie zu sehen. Geht es im Kino aber primär um Wohlfühlen, geht es Wherlock um mehr: Er will im Theater einen Raum schaffen für das Ausleben von Träumen vor dem Hintergrund einer oft genug bitteren Realität: Liebe, Traurigkeit und Verzweiflung nehmen darin Platz ein – doch getanzt wird solches nicht verbissen, sondern mit jener stupenden Leichtigkeit, Schnelligkeit und technischen Brillanz, die Markenzeichen des Balletts Basel sind. Das Aufeinanderprallen und wieder Auseinanderstieben der Tänzer, die kecken Hebungen und die rasanten Drehungen: All dies ist ein Powerplay, das zugleich jene Risikofreude birgt, die Garant ist für «knisternde» Vorstellungen.

Sehr viel Stoff

Das Jubiläumsprogramm mit 20 (!) Choreografien wirkt auf dem Papier zunächst erdrückend. Als ob dies nicht genug wäre, gibt es zwischen den Stücken noch Kurzfilme, die Wherlock bei der Arbeit, aber auch im Spiegel von Kollegen (wie etwa Kylián und Inger), Theaterdirektoren (Michael Schindhelm und Georges Delnon) und Tänzern (wie etwa Manuel Renard) zeigen. Zu viel des Guten? Nein. Bei einer Jubiläumsgala darf alles aufgefahren werden. Zum Beispiel ein Ausschnitt aus Bigonzettis «Rossini Cards».

Ein guter Entscheid, diese Zecherei und dieses Gestikulieren an einer Festtafel an den Anfang zu stellen. Damit betont Wherlock, wie viel er und das Ballett Basel Choreografen zu verdanken haben, die der Compagnie seit langem verbunden sind. Kylián zählt zu diesen treuen Gästen. Sein «27›52» ist ein rätselhaftes Meisterwerk. Eine Frau und ein Mann nähern sich an und verlieren sich. Aber dabei gibt es weder Sprünge noch Hebungen, sondern nur ein Ziehen, Stossen und Schieben.

Alte Bekannte

Schöne Wiederbegegnungen gibts ausserdem mit Stephan Thoss’ «Die Liebe kann tanzen», Johan Ingers «Rain Dogs», Christopher Bruce’ «Roosters» (zur Musik der Rolling Stones) und anderen. Ob alledem geht fast unter, was den Titel «Moves» trägt und auf den Kulturaustausch mit dem Seoul Ballet Theatre verweist. Dessen Chef, James Jeon, hat für die Basler Compagnie «Voice in The Wind» kreiert; Richard Wherlock für die Truppe in Seoul «Snip Shot». Dass diese nun Teil der Jubiläumsgala ist, ist eine feine Geste. Aber natürlich beanspruchen Wherlocks Kreationen den Löwenanteil. Etwa der frühe Hit «Lore» zu irischer Folklore, dann «Snow White», «A Swan Lake», «Carmen», das fulminante «Solo für Diego» (Diego Benito Gutierrez), «Traviata» oder die jüngste Kreation «Tewje», die am Ende eines langen Festabends steht. Der Jubel gilt dem Werk und der famosen Compagnie, in erster Linie aber Richard Wherlock: Ein Ballettdirektor, den «sich jeder als Chef wünscht» – bis das 20-Jahr-Jubiläum ansteht?

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