Konzert

Rhapsodische Höchstleistungen – Lise de la Salle und Simon Gaudenz in der Martinskirche

Lise de la Salle trat zusammen mit Simon Gaudenz in der Martinskirche auf. (Archivbild)

Lise de la Salle trat zusammen mit Simon Gaudenz in der Martinskirche auf. (Archivbild)

Exakt eine Stunde hält der rhapsodische Reigen der Jenaer Philharmoniker mit Lise de la Salle (Klavier) und Simon Gaudenz (Leitung) an, bevor die aufstrebende Pianistin aus der Normandie zur Zugabe gebeten wird. Diese wurde bereits nach ihrer technisch einwandfreien Interpretation von Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini erwartet.

Da keine Pause vorgesehen und Stanfords Irische Rhapsodie auch noch gespielt (und gehört) werden will, folgt die Zugabe also am Konzertende: Ravels Walzer «Modéré» aus den Valses nobles et sentimentales, zuerst die Fassung für Klavier und darauffolgend jene für Orchester.
Der Entscheid, dass sowohl Solistin als auch Orchester eine Zugabe spielen, passt zum Konzertabend, dessen Mittelpunkt Rachmaninows Rhapsodie bildet. Die beiden agieren gleichberechtigt: Lise de la Salles dynamisches, präzises sowie einfühlsames Spiel geht gut zusammen mit dem grossen agilen Klangkörper aus dem thüringischen Jena, unter der Leitung des jungen Basler Dirigenten Simon Gaudenz.

Enormes Tempo und grosse Energie

Auffällig und angenehm ist, dass sich de la Salles Spiel am Konzertflügel nicht nur mit den Gesten des Dirigenten, sondern auch mit den Bögen der Streicher verbindet – und das trotz des enormen Tempos und der grossen Energie, mit dem Dirigent und Solistin die Rhapsodie gestalten.

Ein enges Zusammenspiel ist notwendig, denn der Kirchenraum rundet musikalische Schärfen, die gerade Rachmaninows Rhapsodie auszeichnen, ab. Eine präzise und klare Führung ist da zudem von Nöten. Gut, dass das Simon Gaudenz, der dem Basler Publikum als langjähriger Leiter des Collegium Musicum Basel noch im Gedächtnis sein dürfte, übernimmt. Und dass er auch den Ruhemomenten im Stück den gebührenden Raum lässt.

Diese lässt Lise de la Salle mit viel Gefühl zur Geltung kommen, der Flügel nimmt dann auch endlich den gesamten Konzertraum ein. Im kräftigen Zusammenspiel mit dem Orchester ist das weniger der Fall. Die dynamische Feinabstimmung bleibt die grosse Herausforderung von Sinfoniekonzerten im Kirchenraum (als Ersatz-Stadtcasino).

Auch in der pathetisch-sinfonischen Irischen Rhapsodie Nr. 1 des irischen Spätromantikers Charles Villiers Stanford ist eine dynamische Kalibrierung zwischen führendem Streicherkorpus und treibendem Schlagwerk gleich zu Beginn von Nöten. Die grosse orchestrale Entfaltung geht in der Martinskirche nicht ganz auf. Besser passt da Georges Enescus Rumänische Rhapsodie, dessen Interpretation durch die Jenaer Philharmoniker tänzerisch und leicht genug ist.

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