Ob Inder oder Afrikaner, Serbe, Thailänder, Albaner
Kurde, Diirgge, Vietnameese, Paggistaaner und Chineese,
Grieche, Russe und Tamyyle
Nur als Byspiil jetzt – vo nämmlig vyyle
S Bild vo unserer Stadt dien brääge
Ooni ass – sy’s bsunders pflääge
Und do dermit – im wytte Sinn
«Vereinigti Glaibasler» sinn.

Dieser Spruch und weitere solcher Verse prangten auf der Laterne der Alten Garde der Alten Stainlemer unter dem Sujet «Vereinigte Kleinbasler». Die Clique teilte an der Basler Fasnacht gegen tüchtig gegen die empfundene Überfremdung im Kleinbasel aus. Damit eckte sie nicht nur an, sie löste auch Ermittlungen der Basler Staatsanwaltschaft wegen Verstosses gegen die Rassismus-Strafnorm aus. Am Sonntag wurde bekannt, dass sich auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) mit diesem und anderen Sujets der Fasnacht auseinandersetzt.

Nun ist klar: Die EKR äussert eine klare Meinung zum Sujet der Alten Garde der Alten Stainlemer. «Das Sujet der Alten Garde der Alte Stainlemer ist geschmacklose und einfallslose Fremdenfeindlichkeit. Die EKR begrüsst sehr, dass sich der Stamm der Alte Stainlemer so deutlich davon distanziert und sich dagegen ausgesprochen hat.» Dies bestätigt die Kommission auf Anfrage der bz.

Die Alte Garde der Alten Stainlemer am Montags-Cortège 2019

Die Alte Garde der Alten Stainlemer am Montags-Cortège 2019

Ist dieses Sujet zu viel? Die Laterne der Alten Garde der Alten Stainlemer polarisiert.

Narrenfrei heisst nicht straffrei

Dabei betont Alma Wiecken, Geschäftsführerin der EKR, dass an der Fasnacht «mal mehr und mal weniger feinsinnig und intelligent» Grenzen ausgelotet würden, die Sujets also auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden müssen, dass an teilweise sehr derber Kritik nicht gespart werden. «Das heisst aber nicht, dass die Fasnacht als Blankoscheck für rassistische Äusserungen und Abbildungen zu verstehen ist», so Wiecken. Ein Verstoss gegen die Rassismusstrafnorm werde grundsätzlich auch an der Fasnacht verfolgt und bestraft, davor schütze auch die so häufig angeführte Narrenfreiheit nicht.

Der zweite Fall, der an dieser Fasnacht beschäftigte, ist ein Zeedel der so genannten «Harus-Waagis», die den Studenten, der die Negro-Debatte angestossen hatte, beleidigten. Hierbei geht die EKR davon aus, «dass es sich wohl um eine Aktion von rechten Kreisen» handelt, «welche die Fasnacht missbraucht haben, um ihre rassistischen und diskriminierenden Äusserungen zu verbreiten».

Ganz aus dem Schneider ist die Alte Garde aber nicht. Die Basler Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit in beiden Fällen wegen Verletzung der Rassismus-Strafnorm. Laut Auskunft von Sprecher Peter Gill seien die rechtlichen Abklärungen im Gange, erste Erkenntnisse seien voraussichtlich frühestens kommende Woche zu erwarten.

Was die Gugge Negro-Rhygass angehe, deren Namen die Sujet-Debatte bereits vergangenen Sommer anstiess, so verweist die EKR darauf, dass sie an den bisherigen Äusserungen festhalte. «Auch wenn in diesem Fall keine rassistische oder diskriminierende Intention dahintersteckt, war es doch wichtig, die Diskussion darüber zu führen, ob solche Namen und Abbildungen heute noch angemessen und zeitgemäss sind.» Und dabei sei zu beachten, dass nicht entscheidend sei, wie die Mehrheitsgesellschaft die Bezeichnungen und Symbole sehe, sondern wie dies von Direktbetroffenen wahrgenommen werde. Zudem betont Wiecken: «Echte Fasnächtler und Fasnächtlerinnen können auch Spass haben und Kritik üben, ohne dass dies auf Kosten von Minderheiten geschieht.»

Nach oben statt nach unten

Mehrere Cliquen-Sujets setzten sich dieses Jahr mit der Rassismus-Debatte auseinander. Der Stammverein Basler Bebbi hatte durchaus Bedenken, ob ihre Umsetzung unter dem Motto «Bimbotown» mit Anspielungen an die Kolonialzeit und Völkerschauen nicht schon zu weit ging. Der Grundtenor bei den Umsetzungen war: Was darf man noch? Gemessen an der EKR ist es das, was die Fasnacht an sich schon immer für sich in Anspruch genommen hatte: Nach oben treten, nicht nach unten.

Georg Kreis, Rassismusexperte, emeritierter Geschichtsprofessor der Universität Basel und bis Ende 2011 selbst Präsident der EKR, sagt dazu: «Primär sollten wir uns dabei nicht auf die Frage konzentrieren, ob so ein Sujet rechtlich verfolgt werden kann oder nicht. Im Vordergrund sollte stehen, wie sich so etwas auf das friedliche Zusammenleben der Gesellschaft auswirken kann.» Unter diesem Aspekt gelte durchaus, dass nicht alles, was rechtlich zulässig ist, auch richtig ist.

«Fremdenfeindlich» und «rassistisch» werden als Begriffe nicht gleichgesetzt. Laut ERK ist Fremdenfeindlichkeit «eine ablehnende Einstellung und Verhaltensweise» gegen als «fremd» empfundene Menschen und Gruppen. Dazu heisst es in der Abgrenzung weiter: «Während Rassismus im engeren, biologisch argumentierenden Sinn auf der vermeintlich unabänderlichen Zuschreibung von Merkmalen beruht, kann eine fremdenfeindliche Haltung sich mit der Zeit verändern. Ehemals als fremd empfundene Menschen und Gruppen verlieren dann ihr Stigma und werden nun als ‹aufgenommen› und ‹ansässig› wahrgenommen.»