Radio Energy
Radio Energy startet mit seichter Unterhaltung

Zwar ging beim Start von Radio Energy in Basel nichts schief. Doch inhaltlich kann der Sender mit seinem spontan zusammengewürfelten Team nichts bieten. Sogar der Begriff «Infotainment» wäre für das Programm übertrieben - eine Kritik.

Drucken
Teilen
Eva Nidecker (rechts) ist Geschäfts- und Programmleiterin von Energy Basel.

Eva Nidecker (rechts) ist Geschäfts- und Programmleiterin von Energy Basel.

Keystone

Die Erwartungen an den ersten Tag von Radio Energy sind äusserst tief. Noch vor einer Woche lief auf der Frequenz 101,7 das Radio-Basel-Programm. Dann hat der französische Konzern NRJ in einer Hauruck-Aktion übernommen, einen grossen Teil der Redaktion auf die Strasse gestellt, über Nacht das Programm abgestellt und Musik in einer Endlosschleife eingespielt. Am gestrigen Freitag dem 13. ist das neue Energy-Basel-Team erstmals auf Sendung gegangen – nur vier Tage nachdem die Radioleute erfahren haben, dass sie vom neuen Sender beschäftigt werden. Das kann nur schief gehen.

Doch von technischen Pannen bleibt der jugendliche Sender verschont. Programmchefin Eva Nidecker dankt dafür ihrem «Haus-Propheten» Mike Shiva. Der umstrittene Wahrsager hat sein Studio im selben Haus an der Münchensteinerstrasse wie Radio Energy und früher Radio Basel. Er ist einer der «Stargäste», die den ersten Sendetag versüssen sollen. Shiva kann seine Freude über Radio Energy kaum in Worte fassen. «Der Sender hat Pfupf», schwärmt er.

Inhaltlich bietet der Sender nichts

Zwar geht technisch nichts schief, die Übergänge glücken und die Moderatoren stottern nicht. Doch inhaltlich kann der frische Sender mit seinem spontan zusammengewürfelten Team erwartungsgemäss nichts bieten. Angekündet wurde «Infotainment». Und sogar das ist noch übertrieben. Informationen sind äusserst rar gesät. Sogar die Unterhaltung kommt eher kurz.

Die meiste Zeit läuft einfach Popmusik. Ein ähnlicher Mix, der schon früher auf der Frequenz lief. Denn auch Radio Basel ist mit seinem Anspruch gescheitert. Vom angekündeten «Radio für Erwachsene» hat man bei Radio Basel im Musikprogramm nie etwas gespürt. Ob die Energy-Mainstream-Musik gefällt, ist Geschmacksache. Was aber irritiert: Viele Lieder werden am ersten Tag innert kurzer Zeit mehrmals gespielt. Offenbar gehen die Energy-Macher nicht davon aus, dass ihr jugendliches Zielpublikum für längere Zeit mithört.

Nachrichten wiederholen sich scheinbar ewig

Auch die wenigen Nachrichten wiederholen sich scheinbar ewig. Die Basler Beiträge sind belanglos. Ein Vorstoss von LDP-Grossrat André Auderset – er fordert Kleinbasler Bürger-Treffen, um über Sicherheit zu diskutieren – steht während vieler Stunden an erster Stelle des Nachrichtenblocks. Bei der gekürzten Version zur halben Stunde entsteht der Eindruck, es handle sich um ein Projekt, das bald realisiert wird. Dabei handelt es sich erst um eine Idee. Auch die «Story des Tages» ist schnell wieder vergessen: Nächste Woche startet auf dem Muttenzer Schänzli eine Reitschule mit acht Pferden. Die «Story des Tages» ist ein kurzes Häppchen. Aufhorchen lassen einzig die Jingles vor den Nachrichten. Allerdings im negativen Sinn. Man erschrickt. Es klingt, als würde ein deutscher Marktfahrer seine Bahn an der Basler Herbstmesse ankünden.

Die Energy-Hörer werden gedutzt. Programmchefin Eva Nidecker dutzt auch ihre Gäste, zum Beispiel FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. Selbstkritisch fragt sie ihn, ob es ein Problem sei, dass nun ein von Zürich gesteuerter Sender in Basel aktiv wird. «Überhaupt nicht.» Eine andere Antwort hätte auch sehr erstaunt, schliesslich hat der Zürcher in einer ähnlichen Hauruck-Aktion die «Basler Zeitung» übernommen. (öpf)

Aktuelle Nachrichten