VCS Basel
Radikale Verkehrsforderung für Basel: Tempo 30 in der ganzen Stadt

Der VCS beider Basel will nach dem Nein zu Auto-Initiativen ein velofreundlicheres Basel – dank rigoroser Massnahmen.

Leif Simonsen
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In Basel herrscht auf der Hälfte des Strassennetzes Tempo 30 – künftig soll das Limit in der ganzen Stadt gelten.

In Basel herrscht auf der Hälfte des Strassennetzes Tempo 30 – künftig soll das Limit in der ganzen Stadt gelten.

Kenneth Nars

Die Niederlage der Autolobby war krachend. Am 9. Februar schickte das Basler Stimmvolk die Verkehrsinitiativen, in denen die Gleichberechtigung des Autos gegenüber den anderen Verkehrsträgern gesetzlich verankert werden sollte, bachab. Stattdessen wurde der Gegenvorschlag angenommen, der unter anderem fordert, dass der Motorfahrzeugverkehr in Basel selbst bei einem Bevölkerungswachstum nicht zunimmt.

Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) hat daraufhin mehrere Verbände eingeladen, Umsetzungsvorschläge zu liefern – unter anderem den Verkehrs-Club der Schweiz beider Basel (VCS), der sich für Velofahrer und Fussgänger einsetzt. Der bz liegt der Massnahmenkatalog vor, der diese Woche an das Amt für Mobilität verschickt werden soll. Er geizt nicht mit weitreichenden Forderungen, wie die Velos gefördert und der Autoverkehr eingedämmt werden sollen.

Florian Schreier, VCS-Geschäftsführer der Basler Sektion, sagt: «Die Stadt ist bereit für einen Wandel, das haben wir bei den Abstimmungen gesehen.» Unter anderem will der VCS, dass es in Basel keine doppelten Fahrspuren mehr für Autos gibt und dass in den Quartieren Dosieranlagen aufgestellt werden, die nur eine gewisse Anzahl Autos passieren lassen.

«Tempo 30 ist die ideale Geschwindigkeit in der Stadt»

Besonders zu reden geben dürfte aber das Ansinnen, wonach das Tempo auf allen Kantonsstrassen auf 30 Stundenkilometer zu beschränken sei. Vorerst nur nachts zwischen 22 und 6 Uhr, später generell. Schreier sagt: «Tempo 30 ist die ideale Geschwindigkeit in der Stadt.» Eine Senkung der Geschwindigkeitslimite würde die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer erhöhen und eine Lärmreduktion zur Folge haben.
«Derzeit werden entlang der Hauptverkehrsachsen die Grenzwerte regelmässig überschritten», sagt Schreier. Auch er ist sich bewusst: Flächendeckend Tempo 30 im Stadtkanton wäre eine einschneidende Massnahme.

Derzeit herrscht nur auf 170 von 320 Kilometern des Stadtstrassennetzes ein Limit von Tempo 30. Gleichwohl meint der VCS-Chef: Die Zeitverluste für die Autofahrer seien gering. Nachdem sich eine Leserbriefschreiberin darüber aufgeregt hatte, dass auf der Strassburgerallee das Höchsttempo von 50 auf 30 gesenkt wurde, habe der VCS nachgerechnet. Fazit: «Der Zeitverlust beträgt gerade mal elf Sekunden», sagt Schreier.

Rechtlich ist «Tempo 30 generell» umstritten

Der autofreundliche Touring Club Schweiz beider Basel (TCS) ist ebenfalls angehalten, seine Ideen für die Basler Mobilität der Zukunft einzubringen. Sektionspräsident Christophe Haller kann sich mit den Forderungen des VCS gar nicht anfreunden. «Es ist umstritten, ob Tempo 30 in Bezug auf die Lärm-reduktion überhaupt wirkt, da dann vermehrt angefahren und gebremst wird.» Zudem stellt er Fragen betreffs Gesetzestauglichkeit. Der Kanton könne nicht im Handumdrehen alle Strassen auf Tempo 30 beschränken.

In diesem Punkt bekommt er von der BVD-Sprecherin Nicole Ryf recht. Sie sagt: Würde die Forderung des VCS politisch konkret, so müsste jede einzelne Strasse anhand der Vorgaben der Strassenverkehrsordnung geprüft werden. Diese besagt etwa, dass der Durchgangsverkehr flüssig verlaufen muss – was das bedeutet, wird je nach Blickwinkel gewiss unterschiedlich beurteilt.