Strafgericht
Problem-Drögeler für 20 Monate hinter Gitter

Der Angeklagte verkehrt in der Drogenszene, bezieht Invalidenrente und hat einen Vermögensbeistand. In verschiedenen Filialen sowie auf einem Friedhof hat er bereits Hausverbot. Nun wurde er verurteilt wegen versuchter schwerer Körperverletzung.

Patrick Rudin
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Das Dreiergericht verhängte für einen Problem-Drögeler eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

Das Dreiergericht verhängte für einen Problem-Drögeler eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten.

KEYSTONE/TI-PRESS/ALESSANDRO CRINARI

«Ich wusste gar nicht, dass ich dort Hausverbot habe», erklärte der 45-jährige Mann im Gerichtssaal. Die drei Richterinnen wirkten nicht sonderlich beeindruckt, und Gerichtspräsidentin Sarah Cruz wies den Angeklagten darauf hin, dass er wegen der Hausverbote bereits früher Strafbefehle kassiert habe. Er zuckte daraufhin bloss mit den Schultern.

Seit Jahren verkehrt er in der Drogenszene, bezieht eine Invalidenrente und hat einen Vermögensbeistand. Wegen Pöbeleien hat er bereits auf dem direkt neben der Kontakt- und Anlaufstelle gelegenen Friedhof Wolf ein Hausverbot, und nach diversen kleineren Diebstählen und Ausrastern auch in sämtlichen Migros- und Denner-Filialen von Basel. Er betrieb früher Kampfsport und führt auch immer wieder Messer mit sich spazieren. «Jeder Schweizer hat ein Sackmesser im Sack», meinte er dazu.

2018 sorgte er wieder für viel Ärger: Eine Auseinandersetzung mit einem Reinigungsmitarbeiter im Bahnhof SBB führte zu Kopfnüssen, auf dem Friedhof Wolf begegnete er Stadtgärtnern mit dem Stinkefinger, und das Hausverbot im Migros brach er zeitweise im Wochenrhythmus.

Einmal wurde er dabei auch erwischt, wie er in einer Denner-Filiale ein Doppelpack Zigarillos im Wert von rund zwölf Franken klaute. Da er dabei eine Verkäuferin schlug, die ihn zurückhalten wollte, wertete die Staatsanwaltschaft die Tat als Raub. Doch die Verkäuferin erschien diese Woche nicht vor Gericht als Zeugin, somit blieb es hier mangels klarer Beweise bei einer Verurteilung wegen eines geringfügigen Diebstahls.

20 Monate unbedingte Freiheitsstrafe

Hauptpunkt der Anklage war ein Vorfall im Dezember 2018 im Mparc-Einkaufszentrum auf dem Dreispitz: Im Gerichtssaal wurden Aufnahmen der Videoüberwachung abgespielt, darauf ist zu sehen, wie er ohne Rücksicht durch eine Warteschlange spaziert und dabei eine 81-jährige Frau umstösst. Diese verletzte sich beim Sturz am Kopf und an der Hüfte. Was im Strassenverkehr normalerweise als Fahrlässigkeit gewertet wird, führte hier zu einer Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung mit Eventualvorsatz. Verteidigerin Eva Weber beteuerte vergeblich, ihr Mandant habe die Frau offensichtlich übersehen.

Das Dreiergericht verhängte insgesamt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten. «Sie haben die Frau einfach mit massiver Körpergewalt weggerempelt», begründete die Gerichtspräsidentin den Schuldspruch wegen eventualvorsätzlicher versuchter schwerer Körperverletzung. Dazu kamen Schuldsprüche wegen Gewalt gegen Beamte, Tätlichkeiten, Betäubungsmitteldelikten, Hausfriedensbruch und Diebstahl. Staatsanwalt Markus Hofer hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten verlangt, die Verteidigerin eine bedingte Strafe von zehn Monaten. Alle Beteiligten können das Urteil noch weiterziehen.

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