Portrait
Pop-Preis: Anna Rossinelli singt und tanzt auch auf amerikanischen Strassen

Das neue Album der Band entstand auf einem Roadtrip durch die USA. Weit weg von zuhause haben sie zu ihren Wurzeln zurückgefunden, und dennoch eine neue Seite an ihnen entdeckt.

Stephanie Brückner
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Gemeinsam performten Georg Dillier, Anna Rossinelli und Manuel Meisel das erste Mal auf der Freien Strasse.

Gemeinsam performten Georg Dillier, Anna Rossinelli und Manuel Meisel das erste Mal auf der Freien Strasse.

Roland Schmid

«I feel good» von James Brown war das erste Lied, das Anna Rossinelli, Georg Dillier und Manuel Meisel gemeinsam performten. Und dies vor acht Jahren auf der Freien Strasse in Basel. Seither hat die Band vier Alben auf den Markt gebracht, ist durch Europa und die USA getourt – und wurde für den diesjährigen Basler Pop-Preis nominiert.

Durch die Strasse nach oben

Begonnen hat die Karriere der drei auf der Strasse. 2008, damals noch unter dem Namen Anne Claire, spielten sie regelmässig Coversongs für Passanten und Passantinnen. «Für uns war dies eine Möglichkeit, nach draussen zu gehen und unsere Musik zu präsentieren», sagt Meisel. Denn das Publikum auf der Strasse ist ehrlich. «Man merkt schnell, ob man gut ankommt oder nicht.» Und das taten Rossinelli, Dillier und Meisel. Noch im selben Jahr packten sie ihre Sachen und zogen für drei Wochen durch Europa. «Es waren zur Hälfte Ferien, zur anderen Hälfte eine Strassenmusiktour», erklärt Anna Rossinelli.

Bekannt wurden sie durch den Eurovision Song Contest, bei dem sie die Schweiz im Jahr 2011 vertraten. Mit dem Lied «In Love for a While», geschrieben vom Basler Komponisten David Klein, schafften sie es bis in das Finale der Show. Dort landeten sie allerdings auf dem 25. und somit letzten Platz. Dennoch war es «eine geile Erfahrung», sagt Rossinelli. Obwohl es bald sechs Jahre her ist, haftet das Image einer «Eurovision-Song-Contest-Sängerin» immer noch an der Band. Und davon wollen sie loskommen. «Wir haben uns in den letzten Jahren weiterentwickelt, und dies wollen wir zeigen», so Dillier.

Fünf Fragen

Anna Rossinelli

1. Was verbindet eure Musik mit Basel?

Wir sind alle drei aus Basel und hatten unsere ersten Erlebnisse als Musiker hier.

2. Fühlt es sich anders an, in Basel ein Konzert zu spielen, als sonst wo auf der Welt?

Auf jeden Fall. In Basel sehen wir immer bekannte Gesichter im Publikum. Es ist zwar toll, vor den eigenen Freunden aufzutreten, ich bin aber trotzdem in meiner Heimatstadt immer besonders nervös.

3. Was macht ihr mit dem Preisgeld, falls ihr gewinnt?

Es würde höchstwahrscheinlich ins Budget für unsere Albumproduktion, die nächstes Jahr ansteht, einfliessen.

4. Wenn ihr nicht gewinnt, wem von den anderen Nominierten gönnt ihr es am meisten?

Wir wissen, dass es alle Nominierten verdient hätten. Musik auf diesem Niveau lässt sich nicht ohne Herzblut und völlige Hingabe machen. Mit Jennifer Jans haben wir bereits zusammengearbeitet, deshalb würden wir es Bleu Roi besonders gönnen.

5. Welches Lied sollte jemand hören, der eure Musik noch nicht kennt?

«Bang Bang Bang» vom Album «Takes Two To Tango».

Diese Weiterentwicklung hört man auch im neuen Album «Takes Two To Tango». Es entstand im vergangenen Jahr auf einem dreimonatigen Roadtrip durch die USA. Eine Reise, bei der die Band zurück auf die Strasse gefunden und diese gleich eingepackt hat. Auf dem neuen Album ist nicht nur die Band selbst zu hören, sondern auch Strassenmusiker und Gospelchöre. Die Zusammenarbeit entstand oft spontan: «Wir packten die Instrumente, gingen nach draussen, und spielten drauflos», erzählt Meisel. Für ihn war diese Zusammenarbeit mit den lokalen Musikern das Highlight der Reise. «Die Leute waren unglaublich offen und haben mit Freude mit uns zusammen musiziert.»

Diese Freude, gemischt mit der Ungewissheit des Reisens, brachte eine neue Seite der Band hervor. «Jeder Tag stellte uns vor neue Herausforderungen, es gab keine Routine, keinen Alltag», sagt Dillier. Dies hat die Band inspiriert und zu neuen Kreationen animiert. Die neuen Songs präsentieren sich abwechslungsreich, frisch und explosiv. Eine Mischung, mit der die Band sehr zufrieden ist. «Wir haben in diesem Album viel experimentiert», sagt Rossinelli. So tanzen sie im Video zu «King Mustafa» ausgelassen in den Strassen von New Orleans. Im nächsten Song «Bang Bang Bang» hingegen versetzt Rossinelli den Zuhörer mit melancholischer Stimme unter den Nachthimmel einer Wüste.

«Das Album ist für uns wie ein Tagebuch, das unsere Reise dokumentiert», sagt Meisel. San Francisco, Los Angeles, Las Vegas, New Orleans, Nashville, Virginia Beach und dann die Endstation New York. Dort angekommen, trafen die drei sich mit ihrem Produzenten Simon Kistler in einem winzigen, fensterlosen Studio von New York. Im düsteren Raum tauschten sie sich über Eindrücke, Erlebnisse und Ideen aus. Nach einigen Tagen beflügelte eine Entdeckung der drei die Arbeit am Album. Auf der Seite des Studios führte eine Hintertreppe auf eine Dachterrasse. «Von da an verbrachten wir die Rauchpausen mit Blick auf die Freiheitsstatue», sagt Rossinelli.

Zurück in der Heimat freut sich die Band über die Nomination für den Basler Pop-Preis und schaut der Verleihung zuversichtlich entgegen. Bis dahin touren die drei mit ihrem aktuellen Album durch die Strassen der Schweiz.

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