Zoo Basel
Plastik ist der Herr der sieben Meere

Über sechs Millionen Tonnen Abfall landen jährlich im Meer - die Ozeane sind bedroht. Auch deshalb will der Zolli den Besuchern die Meerestiere näher bringen.

Dominique Waldmann
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Indonesische Arbeiter säubern den Strand von angeschwemmten Plastikabfällen.Keystone

Indonesische Arbeiter säubern den Strand von angeschwemmten Plastikabfällen.Keystone

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Im Rahmen des internationalen World Oceans Day beehrte der ehemalige Generaldirektor von WWF International, Claude Martin, am Mittwoch den Basler Zoo. Das Thema des Tages auf der ganzen Welt lautete: Plastik im Meer. Der Zoo bot diverse Attraktionen in und ums Vivarium. Für Direktor Olivier Pagan fungiert der Zoo als «Brücke und Plattform» zwischen den beteiligten Organisationen und den Besuchern. Der Zolli soll auch als «Begeisterer» erscheinen und den Leuten durch das Vivarium die Vielfalt des Ozeans vermitteln. «Wenn eine emotionale Beziehung zum Ozean vorhanden ist, dann kann man die Leute dort abholen und für die Bedrohung des Ozeans sensibilisieren», sagt Pagan. Durch ein Ozeanium würde die Wertschätzung des Ozeans noch mehr gesteigert, hiess es mehrmals.

Das Meer ist die neue Müllhalde

Die Ozeane sind bedroht. Martin machte das mit einer kleinen Rede an der Medienkonferenz deutlich. Für ihn besteht die Bedrohung aus drei Hauptproblemen, die allesamt von Menschenhand erschaffen wurden und eng mit dem Konsum zusammenhängen. Wie das Tagesthema vermuten lässt, ist eines davon der Plastikmüll in den Ozeanen. 6'500'000 Tonnen solide Abfälle gelangen jährlich ins Meer, davon hauptsächlich Plastik. In den grossen Strömungswirbeln konzentriert sich der Plastikmüll zu «Waste Patches» (Müllteppichen).

Einer dieser Teppiche sei grösser als Europa und reiche 30 Meter tief ins Wasser, sagt Martin. Nach Schätzungen bleibt Plastikabfall über 50 Jahre bestehen, da er sich natürlich fast nicht abbaut. Dass sich Tiere in grösserem Plastikabfall verheddern und dann verenden, dass kleine Stücke gefressen werden und somit das Tier verhungert, dass zerkleinerte Plastikstücke im Wasser von verschiedenen Lebewesen wie etwa Muscheln mitfiltriert werden und somit die Wasserqualität abnimmt, sind die Konsequenzen davon.

Ausrottung der Fischbestände

Ein weiteres Problem stellt die Klimaerwärmung dar. Durch diese nehme die CO2-Konzentration in den Ozeanen zu, sagt Martin. Das führe zu einer «Versauerung» des Meerwassers. Die Oberflächenerwärmung der Ozeane reiche immer tiefer, deshalb ist ungefähr ein Drittel des Great Barrier Reefs – das grösste Korallenriff der Welt – von Bleiche betroffen. Letztere kann zu völligem Absterben führen. Das ist besonders tragisch, da Korallenriffe die artenreichsten Biotope überhaupt sind.

Martin spricht gar von der sechsten Phase des Massensterbens. Die letzte hat die Dinosaurier ausgerottet. Die Überfischung des Meeresraums zählt Martin als letztes Problem auf. Rund 82 Prozent der Weltfischbestände gelten als dezimiert oder ausgerottet. Er sieht die Fischerei als Gegenteil der Nachhaltigkeit an. «Bloss ein Viertel des Gefangenen wird verwendet, der Rest wird tot wieder über Bord geworfen», sagt er. Die Schweiz sorgt mit einem Konsum von 75'000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchten also für einen totalen Fang von 300'000 Tonnen. Wenn diese Entwicklung linear verläuft, wird es ab 2050 keine essbaren Fische mehr geben.

Aber Claude Martin brachte auch gute Nachrichten: Ganze 14 Prozent aller konsumierten Fische weltweit entstammen aus nachhaltiger Fischung. Ausserdem würden sich sogenannte «No-Fishing-Zones» extrem gut erholen, wie er mitteilt. Ihm liegt am Herzen, dass beim Konsum von Fisch bloss Ware mit Zertifikat gekauft wird.

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