Personalmangel
Piratenpartei Basel: Ein Oberpirat verlässt das sinkende Schiff

Der Überraschungspartei von 2012 droht schon vor den diesjährigen Wahlen ein Fiasko: Gründungsmitglied Patrick Mächler hat eine Mitgliedschaft bei der GLP beantragt.

Benjamin Rosch
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Die Szenen gleichen sich: Film-Pirat Jack Sparrow rettet sich an ein neues Ufer. ho

Die Szenen gleichen sich: Film-Pirat Jack Sparrow rettet sich an ein neues Ufer. ho

Es war ein Traum-Einstand für die Piraten: An den letzten Grossratswahlen konnten sie 16'268 Stimmen auf sich vereinen. Das entspricht einem Wähleranteil von 1,3 Prozent. Mehr als beispielsweise Eric Webers Volksaktion erreichte. Weil aber die Piraten in keinem Wahlkreis die 4-Prozent-Hürde knackten, blieb ihnen der Einzug ins Parlament verwehrt.

Jetzt sieht alles anders aus. «Wir haben Mühe, Kandidaten zu finden, die die Auflagen erfüllen», sagt Jonas Witmer. Der 20-Jährige leitet seit eineinhalb Jahren die Geschicke der Piratenpartei beider Basel. Er selbst wohnt im Baselbiet, darf also nicht antreten. «Aktuell ist nicht klar, ob wir einen Kandidaten aufstellen können. Es laufen noch Gespräche.»

Prominenter Abgang

Bei der Zusammenstellung einer Kandidatenliste offenbart sich ein Hauptproblem der jungen Partei. Zwar sind die Mitgliederzahlen beachtlich, doch die aktive Mitarbeit ist bescheiden. So kam es, dass an der letzten Vollversammlung der 138 Basler Piraten — 2010 waren es noch 93 — gerade mal 5 Personen auftauchten. «Wir haben viele Sympathisanten, aber wenige, die sich wirklich engagieren wollen», sagt Witmer. Von den Grossratskandidaten von 2012 ist kein einziger mehr im aktuellen Vorstand der Partei zu finden. Dem Schüler, der die Partei aus der Versenkung hob, nachdem der frühere Vorstand geschlossen zurückgetreten war, ist wohl kaum mangelndes Engagement vorzuwerfen: 2015 kandidierte er gar im Kanton Bern für den Nationalrat. Auch wünschte er sich mehr politische Mitarbeit seiner Partei, «doch dafür fehlen die Ressourcen». Immerhin, die Website ist stets aktuell, zu sämtlichen Abstimmungen in Stadt und Land werden Parolen gefasst. Für das Referendum gegen das Überwachungsgesetz Büpf und gegen das neue Nachrichtendienstgesetz sammelten die Piraten auch selber Stimmen. Erst gestern kündigten die Piraten an, erneut ein Öffentlichkeitsgesuch zu umstrittenen Überwachungsmethoden der Basler Staatsanwaltschaft einzureichen.

Jonas Witmer: «Wir haben viele Sympathisanten, aber wenige, die sich wirklich engagieren wollen.»

Jonas Witmer: «Wir haben viele Sympathisanten, aber wenige, die sich wirklich engagieren wollen.»

Roland Schmid

Was ihnen aber fehlt, sind prominente Köpfe. Inzwischen ist es gar so, dass die Leute zu anderen Parteien überlaufen. Patrick «Pat» Mächler war Gründungsmitglied der hiesigen Piratenpartei. Für eine kurze Zeit amtete er gar als Co-Präsident der internationalen Piratenbewegung PPI. Noch ist nichts offiziell, doch der Pirat ist zu neuen Ufern aufgebrochen: Mächler wird für die Grünliberalen kandidieren. Karl Linder, Leiter der Wahlkommission in der GLP, bestätigt gegenüber der bz: «Patrick Mächler hat eine Mitgliedschaft bei der GLP beantragt.»

Im März zum Revisor gewählt

Der Vorstand habe noch nicht über diese Causa befunden, doch soll Mächler im Wahlkreis Kleinbasel antreten. Dort, wo er bereits bei den Wahlen 2012 immerhin einige hundert Stimmen sammeln konnte.

Der Mitgliedschaft bei der GLP steht wenig im Weg. Zwar haben die Grünliberalen in den vergangenen Monaten zwei Aspiranten abgewiesen. Doch Mächler passe gemäss Linder ins Profil. Einen Stolperstein gilt es noch aus dem Weg zu räumen: Noch im Frühling liess er sich zum Revisor seiner ursprünglichen Partei wählen.

Die Piraten hätten deswegen keine Bedenken: «Statutarisch erlaubt die Piratenpartei die Mitgliedschaft in verschiedenen Parteien», sagt Witmer. Von der GLP wiederum heisst es: «Formaljuristisch sollte dies erlaubt sein. Doch darüber wird der Vorstand noch entscheiden», so Linder. Mächler war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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