Der Titel ist so etwas wie ein bildungsbürgerlicher Verführungscode: «Eine italienische Reise» heisst das neue Buch von Philipp Blom. Wie einst Goethe möchte uns der Zeitgenosse mitnehmen und legt eine autobiografische Romanze mit einem Instrument vor, eine Spurensuche zur Herkunft seiner Geige.

Philipp Blom hat als Historiker und Autor in der jüngsten Zeit eine Publikationsfrequenz an den Tag gelegt, die skeptisch stimmen mag. Wirft da einer einfach rasch zu Papier, was ihm soeben durch den Kopf gegangen ist, vertrauend auf seinen populären Namen und das Recycling seiner Ideen?

Das Gegenteil ist der Fall. Das neue Buch, teils Sachbuch, teils Literatur, teils Autobiografie, dokumentiert Reisen, Korrespondenzen, Freundschaften, Vorgeschichten, die sich über Jahre erstrecken. Und es verwebt die Kenntnis des Historikers mit der Melodramatik des persönlichen Liebhabers; durch das Geschick des Erzählers entsteht ein eitler Traum von intellektueller Kaminlektüre.

Verliebt in eine Geige

Philipp Blom ist nicht nur Geisteswissenschaftler, sondern auch Geiger. Er ist zwar kein Profi, und es ist nicht zuletzt die Geschichte dieses speziellen Scheiterns, die er erzählt. Aber immerhin ist er ein gut ausgebildeter, fleissiger Laie, dem das Instrument weit mehr als ein Hobby ist.

In der Werkstatt eines bekannten Wiener Geigenbaumeisters und -händlers entdeckt er eine Geige und verliebt sich. Der Meister selbst kann die Herkunft des Instruments nicht zuordnen. Wahrscheinlich, lautet die von vielen Experten wiederholte Einschätzung, ein Handwerker aus dem Allgäu, der in Norditalien baute. Die Reise beginnt.

Sie führt weit zurück in die Epoche des Barock, in das damalige Alltagsleben, in die Geschichte des Instrumentenbaus, in die Technologie der Holzaltermessung, durch die Strassen von Venedig, in die Mythologie des Totentanzes, in die Kompositionskunst Bachs für Solovioline. Sie führt in Werkstätten von Geigenbauern in Mailand, London und Venedig, damals und heute. Sie offenbart die Machenschaften im Handel mit edlen Geigen.

Viele Exkurse in die Autobiografie

Lücken, die sich in dieser Recherche naturgemäss auftun, füllt Blom mit der eigenen Imagination. Er erschafft den jungen Geigenbauer Hanns, der die Alpen quert, um in Venedig, in Mailand, in Cremona vielleicht, eine Stelle in einer Werkstatt anzutreten.
Bloms neues Buch ist auch eine sehr persönliche Reise, mit vielen Exkursen in die Autobiografie des Autors.

Seine Eltern waren Berufsmusiker; sie haben ihm ein leidenschaftliches, als auch ein ambivalentes Verhältnis zum Geigenspiel mit auf den Lebensweg gegeben. Die Qualen des Vorspielens kommen da ebenso zur Sprache, wie die Fehltritte und Sackgassen bei seiner Spurensuche.

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Philipp Blom kann man heute Mittwoch auch live erleben: Im Rahmen der BuchBasel spricht er über sein letztjähriges Buch «Was auf dem Spiel steht» und damit über die realen Gefahren der freiheitlichen Gesellschaft. An der Diskussion im Kunstmuseum Basel (18.30 Uhr) nimmt auch Flavia Kleiner, die Co-Präsidentin von Operation Libero, teil.