Massnahmen
Veranstaltungen während der Pandemie: Das BAG erteilt dem «Basler Konzept» vorerst eine Abfuhr

Das Netzwerk Kulturpolitik Basel appelliert an den Bundesrat. Die Kulturveranstaltungsorte sollen mit differenzierten Besucherzahlen geöffnet werden. Das BAG findet das Konzept jedoch kompliziert.

Mathias Balzer
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Ständerätin Eva Herzog möchte, dass das «Basler Konzept» umgesetzt wird.

Ständerätin Eva Herzog möchte, dass das «Basler Konzept» umgesetzt wird.

Peter Klaunzer / 18.12.2019 KEYSTONE

Die Enttäuschung war gross: Als der Bundesrat Mitte März neue Öffnungsschritte in Aussicht stellte, sprach er von einer allfälligen Öffnung für bestuhlte Kulturbetriebe mit einer maximalen Obergrenze von 50 Personen. Ebendiese fixe Zahl sorgt bei den Veranstaltern für Missmut. Eine starre Obergrenze werde den unterschiedlichen Grössen der Theater und Konzertsäle nicht gerecht. Das Netzwerk Kulturpolitik Basel fordert in einem erneuten Aufruf die «kontrollierte Öffnung des Veranstaltungsbereiches mit differenzierten Höchstbesucherzahlen».

Das Netzwerk hat bereits im November ein mittlerweile als «Basler Konzept» schweizweit diskutiertes Modell entworfen. Es plädiert für eine Abkehr von starren Zuschauerzahlen. Stattdessen sollen die örtlichen Begebenheiten berücksichtigt und die Höchstbesucherzahl differenziert den jeweiligen Veranstaltungsorten angepasst werden. Nicht eine fixe Zahl, sondern eine prozentuale Belegung, beispielsweise 30 Prozent der Zuschauerkapazität, soll zur Anwendung kommen. Als Kriterien für die Beurteilung gelten die Raumgrösse, das Volumen und die Lüftungskapazität. Die Initianten beziehen sich dabei auf Studien der Technischen Universität Berlin, die nachweisen, dass ein «Theaterbesuch in einer Versammlungsstätte mit 30 Prozent Belegung und mit Tragen einer Maske auch auf dem Sitzplatz nur halb so risikoreich ist wie ein Besuch im Supermarkt».

Die Kommission schreibt dem Bundesrat

Laut Michael Willi, Präsident der Theatergenossenschaft Basel, wurde das «Basler Konzept» dem Departement von Bundesrat Berset und verschiedenen Kantonsregierungen vorgestellt ­– und sei für gut und vernünftig befunden worden. Auch Lukas Engelberger, Basler Regierungsrat und Vorsteher der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz, halte das Konzept durchaus für vernünftig.

Die Basler Ständerätin Eva Herzog hat das «Basler Konzept» in die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur im Bundeshaus eingebracht. Die Kommission habe, so Herzog, darauf einen Brief an den Bundesrat verfasst, in dem sie empfiehlt, die differenzierten Kriterien bei den nächsten Öffnungsschritten zu berücksichtigen. Herzog sagt, sie fände das Modell eine sinnvolle Sache, auch wenn die steigenden Fallzahlen derzeit eher Angst machen würden. Sie sieht es auch nicht als Problem, dass die Umsetzung der differenzierten Massnahmen bei den Kantonen lägen. «Natürlich ist eine fixe Zahl weniger kompliziert», so Herzog. «Aber die differenzierte Beurteilung wäre von den Kantonen durchaus leistbar.»

Anderer Meinung ist man jedoch beim BAG, dem Bundesamt für Gesundheit in Bern. Auf die Frage, warum das «Basler Konzept» nicht umgesetzt wird, antwortet Katrin Holenstein von der Kommunikationsabteilung des BAG: «Das ‹Basler Konzept› ist sorgfältig erstellt und trägt bei der Berechnung der spezifischen Höchstbesucherzahl der Raumgrösse und der Lüftungskapazität Rechnung. Wir verstehen die Überlegungen hinter diesem Konzept gut.»

«Eher nachteilig scheint uns, dass die Berechnung und damit auch die Bewilligung relativ kompliziert wird.»

Der Bundesrat habe für einen möglichen weiteren Öffnungsschritt vorgeschlagen, Veranstaltungen mit einer fixen Obergrenze von 50 Personen wieder zuzulassen. «Mit dieser fixen Obergrenze sollen die Personenkontakte weiterhin minimiert werden.»

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