Basel
Pädophiler Rentner feuerte Sex-Täter via Skype an

Sexuelle Übergriffe an einem zweijährigen Mädchen in Deutschland: Anweisungen dazu gab auch ein 79-jähriger Basler.

Patrick Rudin
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Die Taten wurden nicht nur gefilmt, sondern auch live via Skype übertragen. Mehrere Chatpartner gaben dabei Kommandos und unterstützten die Übergriffe somit. (Symbolbild)

Die Taten wurden nicht nur gefilmt, sondern auch live via Skype übertragen. Mehrere Chatpartner gaben dabei Kommandos und unterstützten die Übergriffe somit. (Symbolbild)

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Der Fall sorgte im Deutschen Bundesland Schleswig-Holstein vor rund zwei Jahren für Entsetzen: Ein 28-jähriger Vater fesselte, knebelte und vergewaltigte seine zweijährige Tochter über Monate hinweg, teilweise zusammen mit einem anderen Mann. Die Taten wurden nicht nur gefilmt, sondern auch live via Skype übertragen. Mehrere Chatpartner gaben dabei Kommandos und unterstützten die Übergriffe somit.

Gutachter urteilten hinterher, dass das kleine Mädchen wohl nur knapp keiner Lebensgefahr ausgesetzt war. Der 28-Jährige wurde vom Landgericht Lübeck im Sommer 2017 zu knapp elf Jahren Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung unter anderem wegen Körperverletzung und Vergewaltigung verurteilt. Auch ein Mittäter muss für neun Jahre ins Gefängnis.

Rentner handelte Deal aus: nur zwölf Monate bedingt

Auf der Suche nach den Chatpartnern führte eine Spur in die Schweiz. Im September 2017 klingelte die Polizei frühmorgens bei einem heute 79-jährigen Mann in Basel und durchsuchte die Wohnung. Der Fund von rund 800 kinderpornografischen Bilddateien und auch einigen Videos war dabei keine Überraschung.

Der Hauptvorwurf betraf aber die damaligen Chats: Der Mann verfolgte mindestens zwei Mal im August und November 2016 die schweren sexuellen Übergriffe zu Hause an seinem Bildschirm und gab konkrete Anweisungen in Bezug auf sexuelle Handlungen. Aus dem Zusammenhang wird klar, dass er die Übergriffe an der Zweijährigen trotz der Schreie sichtlich genoss und den 28-Jährigen aus der Ferne quasi noch anfeuerte. Eine der Sitzungen dauerte knapp drei Minuten, die zweite eine Viertelstunde. Sätze wie «geil, dreh sie um!», gehörten dabei noch zu den harmloseren Äusserungen.

Wegen Kollusionsgefahr mit anderen Beteiligten sass der Mann im September 2017 für zwei Tage in Untersuchungshaft. Danach bemühte er sich um einen «Deal» mit der Basler Staatsanwaltschaft, zumal die Beweislage eindeutig war. Im sogenannten abgekürzten Verfahren einigte man sich auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind sowie der mehrfachen Pornografie.

Mit der Anwältin des inzwischen fünfjährigen Mädchens handelte der Verteidiger eine Zahlung von 10'000 Franken aus. Ganz freiwillig erfolgte dies allerdings wohl nicht, eine Vereinbarung in Bezug auf Zivilforderungen ist nämlich ebenfalls Voraussetzung für das abgekürzte Verfahren. Weitere Zivilforderungen gibt es offenbar nicht.

Ein anderer Chatpartner alarmierte die Polizei

«Ich war vollkommen überrascht, als die Polizei gekommen ist und eine Hausdurchsuchung gemacht hat», sagte der Mann am Mittwoch vor Gericht. Den 28-Jährigen aus Lübeck hatte er über die Internetplattform «Gaychat» kennen gelernt. «Da war dann mal das mit diesem Mädchen», deutete der 79-Jährige vorsichtig an. Aufgeflogen ist das Ganze nur, weil ein anderer Chatpartner des Deutschen unaufgefordert ein Video mit den Übergriffen erhielt und daraufhin die Polizei alarmierte. Im Strafprozess in Deutschland war die Rede von bis zu 50 weiteren Chatpartnern, die teilweise ebenfalls sexuelle Anweisungen erteilt haben.

Am Mittwoch genehmigte das Basler Strafgericht den Erledigungsvorschlag in Bezug auf den 79-jährigen Rentner. Einzelrichter Lucius Hagemann überprüfte dabei lediglich, ob die Vereinbarung der Aktenlage entspricht und die Sanktion in Bezug auf die Schuld angemessen ist. Eine detaillierte Befragung findet nicht statt. Das abgekürzte Verfahren ist ein Privileg für geständige Täter, die Kosten sind geringer, die Hauptverhandlung deutlich kürzer. Allerdings ist das Strafmass endgültig.

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