ÖV in Basel-Stadt
Gegen die Aufhebung von Tramhaltestellen regt sich der Widerstand

In Basel sollen in den kommenden Jahren mehrere Tram- und Bushaltestellen entweder aufgehoben oder zusammengelegt werden. Ein politisch breit abgestützter Vorstoss im Grossen Rat wehrt sich dagegen. Im Gesetz soll eine Maximaldistanz von jeder Wohnung zur nächsten ÖV-Haltestelle festgeschrieben werden.

Hans-Martin Jermann
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Nahe beieinander: Die Tramhaltestellen Mülhauserstrasse und St. Johanns-Tor sollen zusammengelegt werden.

Nahe beieinander: Die Tramhaltestellen Mülhauserstrasse und St. Johanns-Tor sollen zusammengelegt werden.

Nicole Nars-Zimmer
(2. August 2021)

In Basel sollen in sechs Fällen Tram- oder Bushaltestellen aufgehoben oder zusammengelegt werden. Dies hat die Basler Regierung Ende November entschieden. Nun regt sich Widerstand. Basta-Grossrat Beat Leuthardt fordert eine gesetzlich festgelegte Maximaldistanz zu den ÖV-Haltestellen. Laut der Motion darf eine Haltestelle nicht weiter als 300 Meter oder fünf Minuten Fussdistanz von jeder Haustür und jedem Geschäftseingang entfernt sein.

Ziel des Vorstosses ist «ein faires und gleichberechtigtes ÖV-Angebot» für alle Bewohner der Quartiere. Die Aufhebung einzelner, (zu) nahe beieinander liegender Haltestellen bleibe mit dieser Forderung noch immer möglich, betont Leuthardt. In Genf gibt es eine solche gesetzliche Regel bereits.

Joël Thüring zuerst dafür –und nun wieder dagegen

Leuthardts Vorstoss gegen den Haltestellenabbau haben Grossrätinnen und Grossräte unterschiedlichster Couleur unterzeichnet – so auch Joël Thüring (SVP). Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Als die Regierung kürzlich feststellte, dass die «politische Akzeptanz für eine etwas geringere Haltestellendichte zu Gunsten kürzerer Fahrzeiten gestiegen» sei und damit den Abbau begründete, bezog sie sich explizit auf einen Vorstoss von – Joël Thüring: Dieser hatte mit einem Anzug im Parlament 2019 die «Prüfung einer Aufhebung von Tram- und Bushaltestellen zur Attraktivitätssteigerung eines schnelleren Tram- und Busnetzes in Basel-Stadt» gefordert.

Als Grund für seinen Vorstoss gab der SVP-Grossrat damals die tiefen Reisegeschwindigkeiten im städtischen ÖV wegen der vielen Haltestellen an. Die Reduktion ist für die Jahre 2024 bis 2028 geplant. Nebst der Anzahl der Haltestellen beeinflusst eine Reihe weiterer Faktoren die Reisezeit. Im Rahmen der Einführung der Einfachhaltestellen hat die Regierung weitere Massnahmen zur Beschleunigung des ÖV in der Stadt in Aussicht gestellt.

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