Zwischenbilanz
Nur die Strassenmusiker sind mit den neuen Regeln in Basel unzufrieden

Seit dem 1. März gelten die neuen Regeln für Strassenmusikanten und sie stossen nicht nur auf Gegenliebe. Die Musiker beklagen geringere Einnahmen, halten sich aber an die Regeln. Die Reaktionen der Anwohner hingegen fallen weitgehend positiv aus.

Nadine Böni
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Diese rumänischen Strassenmusiker in der Freie Strasse haben weniger Einnahmen.

Diese rumänischen Strassenmusiker in der Freie Strasse haben weniger Einnahmen.

Nadine Böni

Punkt 12 Uhr mittags. Die Sonne trocknet die nassen Flecken auf dem Asphalt der Freie Strasse. Zwischen den Passanten stehen vier Männer mit Instrumenten in der Hand. Ein Blick auf die Uhr - und fröhlicher Jazz ertönt. Die vier Musiker nutzen ihr letztes Zeitfenster am Morgen.

Denn seit dem 1. März ist Strassenmusik in der Stadt Basel nur noch von Montag bis Samstag zwischen 11 und 12.30 Uhr und von 16 bis 20.30 Uhr erlaubt. Die Darbietungen dürfen dazu erst zur vollen Stunde beginnen und maximal eine halbe Stunde dauern. Mit Kontrollen im Rahmen der normalen Patrouille in der Stadt überprüft die Kantonspolizei Basel-Stadt, ob sich die Musiker an die Regeln halten.

Tendenz in Richtung Erfolg

Der erste Eindruck sei gut, für eine richtige Bilanz sei es nach einem Monat aber definitiv noch zu früh, sagt Martin Schütz, Sprecher des Justizdepartements. «Höchst vorsichtig» will er ein Fazit ziehen, denn: «Bis jetzt war das Wetter noch nicht so sommerlich, das geht jetzt erst so richtig los. Bisher halten sich die Musiker aber an die Regeln.»

Dafür sprechen die Reaktionen von Anwohnerinnen und Anwohnern, Gewerbeleuten oder Ladenbesitzern. «Diese fallen weitestgehend positiv aus», sagt Schütz. Noch 2011 waren bei der Polizei 144 Reklamationen wegen der Strassenmusik eingegangen. Vor allem aus der Freie Strasse, der Gegend rund um den Marktplatz, den Barfüsserplatz und aus der Steinenvorstadt.

Grosse Einschränkung für die Musiker

«Ja, teilweise habe ich mich genervt», sagt eine Verkäuferin in einem Modegeschäft an der Freie Strasse. Sie will anonym bleiben, auch weil sie nicht weiss, ob ihr Arbeitgeber reklamiert hatte. «Die Non-Stop-Beschallung, war mühsam. Nur wenn die Ladentüre zu blieb, blieb es ruhig.» Auch sie ist vom ersten Eindruck überzeugt: «Mein Gefühl sagt mir, dass es besser geworden ist.»

Für die Musiker stellt die neue Verordnung dagegen eine grosse Einschränkung dar. Die vier Männer in der Freie Strasse kennen die Regeln. «Unsere Spielzeit ist sehr verkürzt», erklären sie in gebrochenem Französisch und Italienisch. Sie sind Rumänen, wohnen in St. Louis und kommen täglich in die Stadt, um zu musizieren. In den 30-minütigen Spielzeiten nehmen sie etwa 30 Franken ein. «Und das zu viert», sagt einer der Männer. «Viel ist das nicht. Aber so ist das Leben.» Trotzdem wollen sie weiterhin nach Basel kommen.

Strassenmusik belebt die Stadt

Dieses Versprechen dürfte SP-Grossrat Mustafa Atici freuen. Er hatte die neue Verordnung bei der Einführung kritisiert. Jetzt revidiert er sein Urteil. «Ich erlebe die Regelung als nicht so schlecht, wie ich es befürchtet habe», sagt Atici. Besonders gefällt ihm, dass er in der Stadt nach wie vor Musiker hört. «Ich mag die Atmosphäre in der Stadt und finde die Strassenmusiker machen sie lebendiger», sagt Atici.

Ähnlich tönt es bei den Passanten in der Freie Strasse. «Solange sie nicht immer nur die gleichen vier Töne spielen, ist es ein Geschenk, so etwas einfach auf der Strasse zu hören», sagt beispielsweise Myrtha Hauff aus Hölstein. Rolando Ferrari, Obsthändler an der Kreuzung Falknerstrasse-Gerbergasse sagt: «Ich habe nichts gegen die Strassenmusiker. Eine halbe Stunde mag ich das gut vertragen.» Die Passanten sind sich einig: «Die Regelungen sind gut. Strassenmusik darf aber keinesfalls ganz verboten werden», sagt Madeleine Kamber aus Basel.

Die vier Rumänen in der Freie Strasse haben ihre Instrumente inzwischen eingepackt. Die 30 Minuten Spielzeit sind vorbei. Bis 16 Uhr gilt für sie: Pause.

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