Vaterschaftsurlaub

Nun ist es beschlossene Sache: Mehr Papizeit für Staatsangestellte

Frisch gebackene Väter sollen dank Vaterschaftsurlaub eine stärkere Bindung zum Kind aufbauen.

Frisch gebackene Väter sollen dank Vaterschaftsurlaub eine stärkere Bindung zum Kind aufbauen.

Das Basler Staatspersonal soll künftig zwanzig Tage Vaterschaftsurlaub erhalten. Der Grosse Rat hat gestern eine entsprechende Motion von Grünen-Politikerin Lea Steinle an die Regierung überwiesen. Damit geht das Basler Parlament einen Schritt weiter als das nationale. Beim Basler Arbeitgeberverband sorgt der Entscheid für Konsternation.

Es ist ein Entscheid mit nationaler Signalwirkung. Das Basler Parlament hat gestern beschlossen, dass Kantonsangestellte künftig zwanzig Tage Vaterschaftsurlaub erhalten sollen. Der Grosse Rat überwies die Motion der Grünen-Grossrätin Lea Steinle mit 51 Ja- gegen 44 Nein-Stimmen. Damit geht das Basler Parlament einen Schritt weiter als das nationale, das sich vor drei Wochen für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen hatte. Gegen den Beschluss von National- und Ständerat will ein überparteiliches Komitee das Referendum ergreifen.

Auch der Basler Abstimmung war eine lange Debatte vorausgegangen. «In der Schweiz denken wir immer noch, die Grosseltern richten alles», sagte Motionärin Lea Steinle im Rat. « Aber wenn die Grosseltern nicht helfen können oder wollen, dann sind die Mütter auf sich selbst gestellt.» SP und GLP schlossen sich geeint dem Grünen Bündnis an. Anders als ihre Parteikollegen zogen auch Martina Bernasconi (FDP) und Thomas Widmer-Huber (EVP) mit.

Die bürgerliche Allianz aus FDP, LDP, CVP und SVP konnte hier nichts mehr ausrichten. Das Hauptargument der Bürgerlichen – die Finanzierung durch die Steuerzahlenden – konnte nur eine Minderheit überzeugen. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein mahnte vergebens, das Ratskollegium dürfe das Budget nicht vergessen. «Basel-Stadt ist bereits heute ein vorbildlicher Arbeitgeber auf Kosten der Steuerzahler», betonte auch SVP-Grossrätin Daniela Stumpf.

Nur Neuenburg ist so grosszügig wie Basel

Mit dem zwanzigtägigen Vaterschaftsurlaub gelang der Ratsmehrheit ein Coup, der landesweit für Aufsehen sorgen dürfte. Nach Neuenburg ist Basel-Stadt erst der zweite Kanton, der eine derart grosszügige Regelung kennt. Entsprechend gross war die Freude bei den Basler Grünen über das «progressive» Resultat.

Weniger euphorisch zeigte sich gestern Barbara Gutzwiller, Direktorin des Basler Arbeitgeberverbands. «Ich sehe nicht ein, warum der Kanton Basel-Stadt für seine Staatsangestellten nun eine luxuriösere Variante braucht», sagte Gutzwiller mit Blick auf den nationalen Entscheid. Die Vorsteherin des Arbeitgeberverbands kündigt bereits an, im Vernehmlassungsverfahren «massiv» gegen die Vorlage opponieren zu wollen. «Es gibt in meinen Augen keinen Grund, weshalb der Vater bei der Geburt eines Kindes nicht wie bisher auch Ferien beziehen soll», so Gutzwiller. Es könne nicht sein, dass Eltern die Kosten für die eigenen Kinder der Allgemeinheit aufhalsen.

Privatwirtschaft: Duell zwischen Gross und Klein

Für Gutzwiller ist klar: Wichtiger als die Zeit direkt nach der Geburt ist die spätere Unterstützung der Arbeitnehmenden. Staat und Private müssten hier Betreuungsstrukturen, Steuererleichterungen und neue Arbeitszeitenmodelle bieten. Gerade bei flexiblen Arbeitszeiten könnten KMU Vorteile bieten.

Anders beim Vaterschaftsurlaub: «Grosse Unternehmen haben andere Ressourcen als KMU.» Kleinere Unternehmen könnten mit den «luxuriösen» Lösungen der Konkurrenz schlicht nicht mithalten, betont Gutzwiller. Erst im Juli dieses Jahres führte Novartis in der Schweiz eine bezahlte Elternzeit von 18 Wochen ein.

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