Spital-Konkurrenz
Nukleares Wettrüsten macht die Spitäler nervös

Die Nervosität in den Spitälern vor der Einführung der Fallkostenpauschale ist gross. Die noch unabsehbare Konkurrenzsituation führt zu Unsicherheiten. Beim Personal herrscht ein wahrer Transfermarkt um die besten Fachkräfte.

Bojan Stula
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Hochpreissegment: Nuklearmedizin braucht teure Geräte. Archiv key

Hochpreissegment: Nuklearmedizin braucht teure Geräte. Archiv key

Die Nervosität in den Spitälern vor der Einführung der Fallkostenpauschale 2012 ist gross. Die noch unabsehbare Konkurrenzsituation führt zu Unsicherheiten, mit welchen Abteilungen die Spitäler im freien Wettbewerb bestehen können. Beim Personal herrscht ein wahrer Transfermarkt um die besten Fachkräfte.

Jüngstes Beispiel: Jan Müller, soeben pensionierter Chefarzt der Nuklearmedizin am Basler Universitätsspital, arbeitet neu als leitender Arzt der Abteilung Radiologie und Nuklearmedizin im Bruderholzspital. Die unterschiedlichen Pensionsalter für Staatspersonal in Basel-Stadt (63) und Baselland (64) haben den Wechsel möglich gemacht. Mit Rolf Hügli leitet bereits ein anderer ehemaliger Unispital-Chefarzt die Radiologie auf dem Bruderholz. Dies hat Befürchtungen geweckt, das Bruderholzspital wolle seine bisher rudimentäre Nuklearmedizin im Hinblick auf 2012 aufrüsten.

Bruderholz-David vs. Uni-Goliath

Diesen Eindruck hat auch Andreas Bitterlin, der Sprecher des Basler Universitätsspitals, der bei der «Nuk» von einer «offensiven Strategie» auf dem Bruderholz spricht. Dies bedeute aber nicht, dass das Unispital sein Angebot zurückfahren werde. Im Gegenteil: In Basel sei die Nuklearmedizin eine «prosperierende Disziplin». Dabei handelt es sich bei den nuklearmedizinischen Diagnose- und Therapieverfahren um einen der kostspieligsten medizinischen Bereiche überhaupt. Die hoch technisierte Diagnose-Apparatur geht in Dutzende von Millionen Franken. An der Basler Spitalstrasse steht ein ganzes Arsenal von PET/CT-, SPECT- und sonstiger Spezial-Apparaturen bereit. Sechs Ärzte und 14 Fachpersonen gehören zur Abteilung, die über eine eigene Bettenstation verfügt. Auf dem Bruderholz dagegen steht in der Nuklearmedizin bisher bloss ein einsamer, aber neuer PET/CT-Tomograf.

Wie wichtig die «Nuk» für das Basler Uni-Spital ist, beweist nicht zuletzt die Tatsache, dass eine «wissenschaftlich und klinisch hoch qualifizierte Persönlichkeit» die vakante Stelle des Chefarztes besetzen wird, wie Bitterlin ankündigt. Zum Wechsel von Müller zur Konkurrenz sagt Bitterlin nur: «Nach der Pensionierung darf jeder tun, was er will.»

Gemeinsame Sitzung im August

Wird hier in der regionalen Spitallandschaft also auf dem Buckel der Prämienzahler zum Wettrüsten in einem medizinischen Hochpreis-Segment geblasen? In einem Bereich zudem, bei dem die vorherrschende Meinung besagt, dass die spitalübergreifende Zusammenarbeit das einzig sinnvolle Vorgehen wäre? Heinz Schneider, Spitalchef in Liestal und künftiger Direktor aller Baselbieter Kantonsspitäler, verneint derartige Absichten – zumindest vorerst. Von einem Ausbau der Nuklearmedizin auf dem Bruderholz sei ihm nichts bekannt. Ohnehin müsste ein solcher Ausbau zuerst mit ihm abgesprochen werden. Schneider bestätigt aber, dass im August die beiden Kantonsspitäler Bruderholz und Liestal über eine mögliche Stärkung des Bereichs Radiologie und Nuklearmedizin diskutieren werden. Es gehe dabei um «eine Gesamtbetrachtung».

Und wie ist in diesem Zusammenhang Jan Müllers Wechsel zu verstehen? Der 63-jährige Professor klärt auf: Seine «Ehrenrunde» auf dem Bruderholz sei bloss als Aushilfseinsatz zu verstehen. Da dort zuvor nur ein approbierter Nuklearmediziner arbeitete, erbarmte sich Müller als Aushilfe. «Aber nur so lange, bis intern eine andere Lösung gefunden worden ist, und ich auch im Baselbiet ins Rentenalter komme.» Auch das lässt alle Möglichkeiten offen.

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