Schonfrist
Noch nicht am Ende: Barfi.ch macht weiter – mit einem Sachwalter

Liquiditätsprobleme haben Barfi.ch zum Schritt in die Nachlassstundung gezwungen. In der Schonfrist soll eine Sanierung gelingen.

Christian Mensch
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Christian Heeb lancierte barfi.ch genau vor drei Jahren.

Christian Heeb lancierte barfi.ch genau vor drei Jahren.

Schweiz am Wochenende

Am 1. August feiert das Basler Onlinemedium Barfi.ch seinen dritten Geburtstag. Feierlich ist der Redaktion allerdings nicht zumute, da ihnen der Initiant und Geldgeber Christian Heeb ein unerfreuliche Botschaft zu übermitteln hatte: Die Barfi AG hat beim Basler Zivilgericht um Nachlassstundung ersucht. Diese Massnahme ist zwar nicht mit einer Konkursmeldung zu verwechseln, sie ist dennoch ein wirtschaftliches Alarmzeichen. Heeb räumt ein: «Wir sind nicht überschuldet, haben aber Liquiditätsprobleme.»

Von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat barfi.ch schon selbst berichtet. Auf seinem Portal hat es die Nutzer offen um «direkte finanzielle Hilfe» gebeten und bei Werbekunden wurde unter dem Titel «solibarfi.ch» um zusätzliche Kampagnen geworben.

Heeb hadert mit dem Umstand, dass er die Nutzerzahlen nicht zu Geld machen kann. Denn an mangelndem Erfolg bei den Lesern liege die Misere nicht. Gemäss den Google-Währungen Unique-Clients und Seitenaufrufe seien die Quoten im ersten Semester dieses Jahres erneut um 57 Prozent höher als im Vorjahr, sagt Heeb.

Zwischen Hoffen und Bangen

Mit dem Nachlassstundungsverfahren kann ein Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage vor allem Zeit gewinnen. Ein entsprechendes Gesuch mit Zwischenbilanz, Liquiditätsplan und einem ersten Sanierungsplan wird vom Gericht geprüft und bewilligt, sofern nicht ein offensichtlicher Konkursfall vorliegt. Das Unternehmen ist allerdings in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt, da das Gericht einen Sachwalter einsetzt.

Das Basler Zivilgericht hat dem Gesuch stattgegeben, was Heeb in einer Mitteilung euphorisch als Vertrauensbeweis wertet: «Basler Zivilgericht sieht erfolgsversprechende Zukunft für barfi.ch.» Als Sachwalter ist bei Barfi AG nun der Anwalt David Hug eingesetzt. Hug ist Teilhaber der Basler Wirtschafts- und Medienrechskanzlei Wagner Prazeller Hug.

An ein Aufgeben will Heeb nicht denken. Die Vermarktung seines Mediums hat er nach schlechten Erfahrungen dem Vermarkter Admeira, einer Allianz von Swisscom, Ringier und SRG, entzogen. Seit sechs Wochen ist Audienzz, ein Tochterunternehmen der NZZ-Gruppe, nun mit dem Anzeigenverkauf beauftragt, was die Firma bestätigt. Doch dies allein wird nicht genügen. Heeb sagt: «Wir sind auf einen Partner angewiesen und entsprechend offen für Partnerschaften.» Heeb hatte schon verschiedentlich geglaubt, entsprechende Vereinbarungen unterzeichnen zu können, doch realisiert hatte sich bisher keine. Wieder sei er mit zwei Interessenten im Gespräch, doch ob sich daraus etwas ergebe, sei offen.

Ein Leben für die Medien

Heeb hat seine Karriere als Radiomann beim damaligen Jugendsender SWF 3 (heute SWR) und Schawinskis «Radio 24» gestartet. Das von ihm mitgegründete und lange geleitete «Radio Basilisk» verkaufte er der Tamedia. Gescheitert sind sein TV-Projekt «Nordwest 1» sowie «Radio Basel». Gegen ein gleiches Schicksal von «barfi.ch» wehrt er sich mit allen Mitteln. Im kommenden Monat erreicht er das offizielle Pensionsalter.

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