Strafgericht

Noch kein Urteil: Klybeck-Schütze leidet vielleicht an Persönlichkeits-Störung

Der Angeklagte sagte, er habe die Schüsse nur abgegeben, weil er sich bedroht fühlte. (Symbolbild)

Der Angeklagte sagte, er habe die Schüsse nur abgegeben, weil er sich bedroht fühlte. (Symbolbild)

Für den Mann, der im November 2014 mehrere Schüsse in der Klybeckstrasse abgegeben hatte, konnte das Strafmass noch nicht festgelegt werden. Der Verteidiger fordert ein weiteres Gutachten zur psychischen Gesundheit seines Mandanten.

«Wir gehen von einer Tötungsabsicht mit direktem Vorsatz aus. Ob es sich um einen versuchten Mord handelt, haben wir aber noch nicht beraten. Fakt ist, sie haben auf ihn geschossen», gab Gerichtspräsident Dominik Kiener am Mittwoch bekannt. Doch trotz dieser klaren Ansage folgte danach keine Verkündigung des Urteils und des Strafmasses.

Der Fall der Schiesserei vom vergangenen November an der Klybeckstrasse wird vorläufig ausgestellt, denn der psychische Gesundheitszustand des 43-jährigen Hauptangeklagten ist laut Gericht noch nicht völlig geklärt. Die Gutachterin muss nochmals über die Bücher, und wenn das Ergänzungsgutachten vorliegt, wird erneut eine Hauptverhandlung angesetzt.

Der Verteidiger hatte das Gutachten scharf kritisiert und der Gutachterin gar vorgeworfen, sich nicht an wissenschaftliche Normen zu halten. Diese Kritik geht laut Kiener zu weit, man habe auch darauf verzichtet, zusätzlich ein Obergutachten einzuholen. Es gebe aber einige offene Fragen, die vor einer Verurteilung geklärt werden müssten.

Verschwörungstheorien

Der 43-Jährige betonte, er habe die Schüsse im November 2014 nur deshalb abgegeben, weil er sich vom 37-jährigen bedroht gefühlt habe. Er sprach von Erpressung, weil von ihm angeblich Sex-Videos kursierten.

Laut Kiener schenke man dieser Darstellung aber wenig Glauben, und auch eine Abrechnung wegen geschuldeter Drogengelder sei laut Gericht wenig glaubwürdig. Die ganze Vorgeschichte spreche eher für einen psychotischen Wahn. Tatsächlich war der Mann kurz vor der Tat in psychiatrischer Behandlung und erhielt auch antipsychotisch wirkende Medikamente.

Den Revolver hatte der Mann am Tag zuvor von seinem Vater geliehen und dabei bereits das Bild einer Bedrohung für die gesamte Familie gezeichnet. Seit jenem November befindet sich der Mann in Haft. Die Gutachter sind sich nicht einig, an welcher Persönlichkeitsstörung der Mann genau leidet und ob er zur Tatzeit leicht oder mittelgradig schuldunfähig war.

Gutachterin soll antraben

An der nächsten Verhandlung wird die Gutachterin vorgeladen, damit das Gericht, der Staatsanwalt und insbesondere der Verteidiger die strittigen Fragen nochmals direkt mit ihr diskutieren können. Ihre Meinung ist wichtig: Die Staatsanwaltschaft sieht nur eine leichte Einschränkung der Zurechnungsfähigkeit und will den Mann für 14 Jahre hinter Gitter bringen.

Sein Verteidiger hingegen forderte eine teilbedingte Strafe von drei Jahren, er ging allerdings von einer eventualvorsätzlich versuchten Tötung aus. Mit der Feststellung eines direkten Vorsatzes hat das Gericht nun bereits klargemacht, dass die Strafe deutlich höher ausfallen wird.

Kontrahenten bedingtverurteilt

Sein 37-jähriger Gegner erhielt gestern bereits sein Urteil: Er hatte den 43-jährigen ein halbes Jahr zuvor in der Flamengo-Bar brutal mit einem Schlagring verprügelt, dafür erhielt er nun 20 Monate bedingt. Strafmildernd fiel hier ins Gewicht, dass der 37-Jährige später mit den Schüssen in der Klybeckstrasse laut Gericht bereits «bestraft» worden sei.

Ein 31-jähriger ehemaliger Profiboxer sicherte ihm in der Flamengo-Bar den Rücken, er erhielt wegen Gehilfenschaft eine bedingte Geldstrafe. Auslöser der verwirrenden Gewaltspirale war damals ein Angriff des 43-Jährigen Hauptangeklagten in der benachbarten Tiffany-Bar wenige Stunden zuvor.

Die beiden Urteile können noch weitergezogen werden, ein neuer Termin für die weitere Verhandlung des 43-Jährigen steht noch nicht fest.

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