Roland Strauss, der von der LDP vorgeschlagene Gerichtspräsident, fand klassenkämpferische Worte: «Der Fall zeigt, welche Auswüchse das kapitalistische System haben kann.» Zu je drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt das Basler Strafgericht einen spanischen Anwalt und seinen französischen Kompagnon wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Mit Vorsatz hätten sich die Angeklagten um über acht Millionen Franken bereichert.

Nicht einmal raffiniert, sondern einfach bloss gierig hätten sie sich aus einer Kreditlimite über 45 Millionen Franken bedient, welche die Credit Suisse bereitgestellt hatte. Monatlich hätten sie sich einen «masslosen» Lohn von 100'000 Franken bezahlt, ohne nachweisbar Geschäftsaktivitäten zu entwickeln. Wie in einem Haifischbecken hätten sie sich verhalten, wobei sie sich auch gegenseitig über den Tisch gezogen hätten.

Die Angeklagten hatten mit ihren Anwälte darauf gebaut, den Basler Prozess straflos zu überstehen, da sich die Wirtschaftskriminellen vor allem untereinander schädigten. Zudem hatten sie ihre Aktivitäten gleichermassen über Spanien, Frankreich, Griechenland, England und die Schweiz verteilt, sodass sich die Frage der rechtlichen Zuständigkeit stellte. Doch wie die Basler Staatsanwaltschaft, die über acht Jahre und einen Millionenbetrag bis zur Anklage aufwendete, erkannte auch das Gericht, Basel sei der Ort des Vergehens, und fällte das Urteil.

Die Credit Suisse sass nicht auf der Anklagebank, und doch richtete sich der Gerichtspräsident bei der Urteilseröffnung direkt an die Bank: «Der zuständige Kundenberater bei der CS Zürich hätte bei professioneller und sorgfältiger Handhabung der Bankgeschäfte die Delikte nicht nur verhindern können, sondern müssen.» Der anschliessend verantwortliche Kundenberater bei der CS Basel wiederum sei «geblendet» gewesen von der angeblichen finanziellen Potenz seines neuen Kunden und dessen prominenten Bekannten. Doch statt wie etwa die UBS die Geschäftsverbindung abzubrechen, nachdem die Angeklagten gefälschte Sicherheitsgarantien vorgelegt hatten, stritten sich die CS-Mitarbeiter darum, wer nun Boni-Ansprüche für den 45-Millionen-Kredit anmelden könne.

Vom Vorwurf der Geldwäscherei sprach das Gericht die Angeklagten frei. In der Argumentation des Gerichtspräsidenten habe diese wohl eher bei der Bank stattgefunden. Schliesslich gehe aus den Akten hervor, dass CS-Mitarbeiter wussten, dass die für die Kreditvergabe beigebrachten Sicherheiten nicht dafür hätten verwendet beziehungsweise verpfändet werden dürfen. Doch da die Staatsanwaltschaft nicht in diese Richtung ermittelte, geschweige denn Anklage erhob, konnte das Gericht darüber auch nicht urteilen.

Ein Signal an den Finanzplatz

Die «Fehler» der Bank würden die Angeklagten aber in keiner Weise entlasten, sagte der Gerichtspräsident. Strafverschärfend komme dazu, dass sie sich weder einsichtig noch reuig gezeigt hätten. Leicht strafmildernd sei lediglich, dass sie mehrheitlich kooperativ gewesen seien und die Ermittlungen doch «sehr lange» gedauert hätten. Gegen das Urteil kann Beschwerde eingereicht werden und ist damit nicht rechtskräftig. Dokumentiert ist immerhin: Das Basler Strafgericht ist nicht bereit, den hiesigen Bankenplatz als Tummelort für dubiose Finanzgeschäfte freizugeben.