Gesundheit
Neues Zentralklinikum in Lörrach wird Konkurrenz für Basler Spitäler

Die deutschen Privatpatienten, die sich im Basler Unispital oder im Claraspital behandeln lassen, könnten in einigen Jahren zu Hause bleiben. Im Landkreis Lörrach fusionieren vier Spitäler zu einem Zentralklinikum mit 700 Betten und rund 2000 Mitarbeitern.

Peter Schenk
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Schopfheim...
...und Rheinfelden. Sie sollen zum Zentralklinikum fusionieren, zu dem auch das Elisabethen Krankenhaus gehört.

Ein neues Zentralklinikum mit 650 bis 700 Betten, das bis 2025 für mindestens 240 Millionen Euro im Landkreis Lörrach gebaut werden soll, sorgt bei den Basler Krankenhäusern für Nervosität. Grund dafür ist weniger die Sorge, dass Schweizer Patienten abwandern, als dass südbadische Privatpatienten nicht mehr kommen.

«Wir beobachten die Entwicklung mit Interesse», teilt Beatrix Sonderegger, Mediensprecherin des Claraspitals, mit, mit 229 Betten das grösste Basler Privatspital. Tatsächlich kamen 2015 immerhin 612 Patienten aus dem Landkreis Lörrach ins Claraspital. Dies entspricht 5,7 Prozent. Im 2016 ist der Anteil mit bisher 624 Patienten auf 6,5 Prozent gestiegen. Sollten diese Patientenströme versiegen, «wäre dies natürlich unerfreulich», urteilt Sonderegger, betont aber auch: «Unsere Position würde aber nicht gefährdet.»

Relevante Zahlen im Unispital

«Relevant» sei die Patientenzahl aus dem Landkreis Lörrach auch für das Universitätsspital Basel (USB), schreibt Mediensprecher Martin Jordan – «sowohl im stationären wie auch im ambulanten Bereich.» Stationär waren dies 2016 bis Ende Oktober 1100 deutsche Patienten, der überwiegende Teil aus dem Landkreis Lörrach. Sollten die Patientenströme, die 3,6 Prozent entsprechen, tangiert werden «wäre dies grundsätzlich ein Problem», so Jordan.

Er verweist darauf, dass weit über die Hälfte der stationären Patienten Privatpatienten seien. Sie können sich aussuchen, wo sie sich behandeln lassen wollen. Bei den 500 Notfall-Patienten gehe man davon aus, dass die Fälle «aufgrund ihrer Komplexität und/oder Dringlichkeit ans USB zugewiesen wurden. Ebenso unelastisch dürfte die Nachfrage nach Wahleingriffen einer bestimmten Komplexität auf einen Neubau in Lörrach reagieren.»

Weniger betroffen ist das Kantonsspital Baselland, bei dem der Anteil deutscher Patienten laut Mediensprecherin Anita Kuoni lediglich bei 0,8 Prozent liegt. Kuoni verweist auf die Wichtigkeit von Kompetenzen und das Vertrauensverhältnis zu den behandelnden Ärzten bei der Spitalwahl: «Wir sehen im Neubau des Klinikums nicht den zwingenden Verlust von Patienten aus dem Landkreis Lörrach.»

Generell sind die Zahlen deutscher Patienten in Baselbieter Spitälern laut einer Statistik der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion eher zu vernachlässigen. Dies dürfte auch auf den hohen Grad der Spezialisierung der Basler Uniklinik zurückzuführen sein.

Auf seine Schwerpunkte Bauch und Tumor sowie die Spezialitäten Urologie, Pneumologie und Kardiologie setzt auch das Claraspital. Ausserdem hofft Mediensprecherin Sonderegger, den südbadischen Patienten durch weitere Investitionen in die Infrastruktur «höhere Aufenthaltsqualität anzubieten.»

Im Grunde bedeutet das, dass die zukünftigen Patientenflüsse stark von der Qualität des neuen Angebots in der deutschen Nachbarschaft abhängen. Dort richtet man mit der grossen Kelle an und erhofft sich von der schieren Grösse etliche positive Auswirkungen wie «kurze Wege, interdisziplinären Austausch und Zentrenbildung», so eine Medienmitteilung der Kliniken des Landkreises. «Arbeitsabläufe werden erleichtert, technisch und energetisch wird man auf dem neues Stand sein.»

Anlass für die Mitteilung war der Grundsatzentscheid des Kreistages von Mitte Oktober. Das Parlament des Landkreises entschied sich für ein Zentralklinikum, also einen Standort. Dort sollen die drei Kliniken des Landkreises in Schopfheim, Rheinfelden und Lörrach zusammengeführt werden. Zusätzlich wird das christliche Elisabethen-Krankenhaus integriert und es gibt 100 psychiatrische Betten. Der genau Standort steht noch nicht fest.

Attraktiver für die Mitarbeiter

Der Landkreis hätte auf jeden Fall in die Modernisierung der alten Standorte investieren müssen. Ein zentraler Neubau macht die Klinik auch für die rund 2000 Mitarbeiter attraktiver. An den Privatpatienten ist man interessiert. «Wir hoffen, dass diejenigen, die nach Basel gehen, zu uns kommen», betont Marion Steger, Leiterin Marketing und PR der Landkreis-Kliniken.

Im Basler Gesundheitsdepartement setzt man auf die Rolle des USB «als Zentrumsversorger auch für das nahe Ausland», wie Mediensprecherin Anne Tschudin sagt. Sie verweist auf die ambulante Strahlentherapie, die es seit 2012 in Lörrach anbietet. Generell erwartet sie vom Zentralklinikum «keine grossen Auswirkungen auf die basel-städtische Gesundheitsversorgung, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass Akutbehandlungen in Lörrach von Schweizern nicht nachgefragt werden.»