Theater Basel
Neuer Intendant: «Ich will den ästhetischen Aufbruch in der Oper fortsetzen»

Der neue Intendant Andreas Beck, ab Sommer 2015 Intendant des Theater Basel, äussert sich zu ersten Ideen in den Sparten Oper und Tanz. Er will das Musiktheater, was sein Vorgänger aufgebaut hat, unbedingt fortsetzen.

Christian Fluri
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Der designierte Intendant Andreas Beck holt Laura Berman als Operndirektorin ans Theater Basel.Nicole Nars-Zimmer/anja koehler

Der designierte Intendant Andreas Beck holt Laura Berman als Operndirektorin ans Theater Basel.Nicole Nars-Zimmer/anja koehler

Nicole Nars-Zimmer

Herr Beck, ist es nicht ein riesiger Sprung von der Leitung des kleinen Schauspielhauses Wien zum Direktor des grossen, renommierten Basler Dreispartenhauses?

Andreas Beck: Erstens war für mich der Sprung vom grossen Burgtheater, an dem ich Dramaturg war, zum kleinen Schauspielhaus in der gleichen Stadt ein noch grösserer. Alle kannten mich. Ich musste das Schauspielhaus Wien neu erfinden, es neu in der Stadt verankern und ein neues Publikum gewinnen. Ich habe in meinem Leben immer Sprünge gemacht. Ich werde das traditionsreiche Theater Basel nun nicht alleine, sondern im Team mit den Spartenleitern gestalten, und ich kann auf einer funktionierenden Infrastruktur aufbauen. Aber natürlich trage ich hier eine grosse Verantwortung.

Sie sind ein Mann des Schauspiels, Sie werden in Basel aber zudem ein Opernhaus leiten, das zwei Mal Opernhaus des Jahres war und dessen Chor nun zum Opernchor des Jahres gekürt worden ist. Der Qualitätsanspruch ist sehr hoch.

Ich habe auch in Wien viel mit Musik und Musikern gearbeitet, habe in der nächsten Spielzeit drei Kompositionen in Auftrag gegeben. Das Musiktheater ist für mich auch wichtig in meiner Theaterarbeit. Oper ist mir nicht ganz fremd. Aber natürlich werde ich mich hier unterstützen lassen. Aus meiner Wiener Zeit kenne ich viele Leute vom Opernfach.

Wissen Sie schon, wer die Sparte Oper leiten wird?

Nein, das weiss ich noch nicht.

Sie sagten bei Ihrer Präsentation, Ihnen seien beim Besuch von Andrea Scartazzinis Oper «Der Sandmann» in Basel Ideen fürs Theater hier eingefallen. Was für Ideen?

Ich kenne Regisseur Christof Loy, der den «Sandmann» inszeniert hat, gut, ebenso den Librettisten, den Dramatiker Thomas Jonigk. Ich habe genau hingeguckt. Mir fiel auf, dass das Haus voll war, dass das Publikum hier sehr wach und aufmerksam ist. Ich dachte, wie schön, dass zeitgenössische Oper hier so gut ankommt, aber auch so gut musiziert ist. Basel ist eine Musikstadt, einmal der Alten Musik, aber auch der Neuen. Und mir fiel – auch bei der «Tosca», die ich vor kurzem gesehen habe – die darstellerische Freude der Sänger auf. Das ist in einem Dreispartenhaus wichtig und gut, gerade wenn man die Sparten – wie ich das plane – enger noch zueinanderbringen will.

Calixto Bieito hat hier in der Oper wichtige künstlerische Zeichen gesetzt, und auch manche andere Regisseure. Wie sind Ihre ästhetischen Konzepte für die Oper und die Opernregie?

Ich will aufbauen auf dem, was meine Vorgänger hier geleistet haben. Ich möchte den ästhetischen Aufbruch im Musiktheater unbedingt fortsetzen. Und ich werde neue Musiktheater-Stücke in Auftrag geben.

Sie selbst nannten Basel eine Stadt der Alten Musik. Und die Barockoper in Basel schon lange eine Erfolgsgeschichte. Werden Sie auch diese weiterentwickeln?

Unbedingt. Basel hat ja in «La Cetra» auch ein hervorragendes Orchester für die Barockmusik. Ich habe während der Intendanz von Peter Jonas in München erlebt, wie viel Kraft in der Barockoper ist. Und ich weiss, wie gut am Theater Basel das Feld des Barocks bestellt ist. Aber ich muss zuerst einmal Repertoire-Analysen betreiben, bevor ich zu Spielplanideen etwas sagen kann. Wir wollen ja auch nicht immer die gleichen bekannten Stücke zeigen.

Kommen wir zur dritten Sparte, zum Tanz. Planen Sie auch hier den Aufbruch und das stärkere Miteinander der Sparten?

Ich möchte den Tanz strenger in das künstlerische Gesamtkonzept des Dreispartenhauses einbinden. Ich will zuerst mal mit Ballettdirektor Richard Wherlock ins Gespräch kommen und dabei hören, wie seine Pläne sind. Alles Weitere werden wir später sehen.