Sammeln, ausstellen, forschen, Drittgelder auftreiben – das Kunstmuseum muss viele Aufgaben erfüllen. Wo liegt Ihr Fokus?

Josef Helfenstein: Alles, für mich gehört alles zusammen. Was mich sehr anzieht, ist, dass das Kunstmuseum ein Haus ist, an dem die Forschung schon immer einen hohen Stellenwert hatte. Diese muss sich auch umsetzen lassen, in Attraktivität. Aber da habe ich ein gutes Gefühl. Beim Menil ist es auch so: Wir machen ein sehr unpopulistisches Programm und haben damit grossen Erfolg. Obwohl Houston eine weniger gebildete Stadt ist als Basel.

Wird das Kunstmuseum mit dem Neubau nicht auf Blockbuster angewiesen sein? Werden Sie sich das Risiko «unpopulistischer» Ausstellungen leisten können?

Da müsste man zuerst darüber reden, was populistisch heisst. Wir haben zum Beispiel in Houston auch eine Magritte-Ausstellung gemacht. Man kann sagen: Das ist sehr populär. Aber wir haben die beste Magritte-Sammlung der Welt, so konnten wir eine sehr spezielle Magritte-Ausstellung machen. Das Kunstmuseum Basel hat wunderbare Bestände weltberühmter Künstler. Wenn man bestimmte Ausstellungen um diese Bestände herum macht, heisst das noch lange nicht, dass man populistisch ist. Es geht direkt um Material, das man aus der Sammlung heraus neu präsentiert und im Idealfall mit Forschung sekundiert. Quantität für Quantität ist sicher nicht das, was mich interessiert. Da hat das Kunstmuseum Basel auch eine andere Geschichte: Hier ging es stets um eindrückliche Qualität und eine Einzelständigkeit.

Wegen der steigenden Transport- und Versicherungskosten ist es teurer und schwieriger geworden, hochkarätige Ausstellungen zu stemmen. Zudem wächst die Konkurrenz. Wie gehen Sie damit um?

Ein riesiges Kapital des Kunstmuseums ist eben seine grossartige Sammlung. Im Gegensatz zu vielen anderen Museen hat es schon sehr viele Hauptwerke in der eigenen Sammlung, die man nicht mehr mit irrsinnigen Versicherungswerten versichern muss – so wie das andere Museen, die dauernd Blockbusters machen, tun müssen. Das ist ein guter Grund, mit der Sammlung kreativer umzugehen. Darauf freue ich mich am meisten.

Sie wollen die Sammlung in neue Zusammenhänge bringen.

Vielleicht auch Gegenüberstellungen herstellen. Es gibt ja wunderbare Altmeister. Diese könnten mal in einen Dialog treten mit Kunst aus der Gegenwart. Oder es könnte reizvoll sein, Sachen aus den unbekannten Beständen des Kunstmuseums auszugraben.

Können Sie schon konkret sagen, was Sie sicher machen möchten?

Es liegt mir auf der Zungenspitze, aber es wäre nicht fair gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich möchte das zuerst mit ihnen besprechen. Aber bald, in einem halben Jahr.

Ihnen ist es wichtig, das Museum neuen Publikumsschichten zu öffnen. Wie möchten Sie das machen?

Das wird schwierig, das ist mir klar. Eine Möglichkeit, die bei der Menil Collection funktioniert hat, ist, dass wir drei Mal mehr Veranstaltungen organisiert haben. Aber nichts Oberflächliches. Wir haben Leute eingeladen: Ein Popkünstler – mit Zehntausenden von Fans – hat etwa über Martin Luther King und Gandhi geredet. Es muss immer stimmen, respektvoll sein und Substanz haben. Es hat so viele interessante Leute in Basel, in der Musikszene, an der Jazzschule, den Kunstschulen – bis zu den Pharmawissenschaftern. Diese könnten wir einbinden.